Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 9 (1889)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1889)
- Date
- 1889-05-01
- Page
- Seite 111 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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111 eine Synagoge eingeweiht. — Die Angelegenheit des projektierten Neubaues der Synagoge in Luxemburg wird demnächst den Stadtrat beschäftigen. Die Finanz- und Baukommission schlägt die unentgeltliche Abtretung eines der schönsten öffentlichen Plätze zum Bauplatz vor; nur über die Höhe der Geldsubvention schweben noch Verhandlungen zwischen der jüdischen Gemeinde, dem Staate und der Stadt. — Der Kultusminister hat angeordnet, daß die Staats- Stipendien für jüdische Lehramts-Präparanden fernerhin nicht mehr bewilligt werden, weil bereits ein Ueberfluß an jüdischen Volksschullehrern vorhanden sei. — Die „Achawa" hat ihren 24. Rechenschaftsbericht ausgegebe». Dieselbe hat im abgelaufenen Jahre Mk. 1146 Unterstützungen verausgabt. Die Zahl der aktiven Mitglieder beläuft sich auf 278; die Ehrenmitglieder auf 813. Während ihres 24 jährigen Bestandes gelangten Mk. 140608 zur Verteilung. Das Vereinsvermögen beträgt Mk. 157124.66. Im Herbst findet die statutenmäßige siebente Generalversammlung statt. — Das „Israelitische Asyl für Kranke und Altersschwache zu Köln" hat einen Bericht über seine Wirksamkeit von 1885—1887 ausgegeben. Die Anstalt steht jedem Mitmenschen ohne Unterschied des Glaubens und des Standes offen. Es befanden sich in der Anstalt im letzten Jahre 2,7 Altersschwache. 66 Kranke wurden verpflegt. Im letzten Jahrzent wurden 716 Kranke und Altersschwache verpflegt. — Man schreibt uns aus Laupheim: Laut Staatsanzeiger Nr. 53 hat die!m Februar an der landwirthschaftlichen Akademie Hohenheim abgehaltene Diplomprüfung u. A. auch Ehafim Eohn aus Jerusalem mit Erfolg bestanden. Nr. 58 desselben Blattes enthält amtlich: Für die an der chemisch-technischen Fachschule (des Polytechnikums Stuttgart) gestellte Preisaufgabe sind zwei Bearbeitungen eingegangen, von welchen derjenigen des Studierenden Moritz Kerlstein aus Kialystock, Rußland, der erste Preis, und derjenigen des Studierenden Louis Schulhöfer von Stuttgart ein zweiter Preis zuerkannt wurde. — Das Ritterkreuz des Ordens der würtb. Krone wurde dem Hofbankdirektor Herrn Geh. Hofrat Kaulla in Stuttgart verliehen. — In Serlin soll ein Verein für jüdische Geschichte und Litteratur gegründet werden. — In Inomrazlam hielt Herr Rabbiner vr. Wez einen Vortrag über „Maimonides". — Am 6. März hielt Herr Prof. Lazarus aus Derlin in Magdeburg einen Vortrag „über das Gemüt" und schilderte in demselben in meisterhafter Weise das jüdische Familienleben. — In Frankfurt a. M. starb der unter dem Namen „Ger manicus" bekannte antisemitische Schriftsteller Emil Kichter. Seine letzte bei Kichard Eckstein Nachfolger in Kerlin verlegte Schrift „die deutschen Juden in Gegenwart und Zukunft", auf die wir noch zurückkommen werden, zeigt, daß in dem Verfasser eine Wandlung vor sich gieng. In dieser Schrift stellte er seine Feder in den Dienst humanitärer Ideen. — Der Name „Böckel" wurde in Marburg bei einer Verhandlung der Strafkammer als Schimpfwort bezeichnet und Herr Simon Gersou wurde, weil er Jemand „Böckel" nannte, ursprünglich zu 3 Tagen Haft verurteilt, die dann in 9 Mark Strafe umgewandelt wurden. — In Maßbach (Bayern), trat ein bisher eifriger Protestant zur mosaischen Religion über. — Der „Nathanael" hat in seinem Heft I d. I. einen Vortrag des Oberkonsist.-R. Anacker (Dresden) über das Verhalten der Christenheit gegen Israel abgedruckt, der mit folgenden Worten schließt: „Wir aber, die wir den Rainen haben, daß wir christliche Völker heißen, müssen hiebei auch an unsere eigene Brust , voll Scham und Reue schlagen. Meine Freunde! die Juden leben unter uns — ich frage: können sie durch ihr Leben unter uns, durch die Anschauungen, die ihnen vor Augen treten, durch die Erfahrungen, die sie unter