Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 9 (1889)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1889)
- Date
- 1889-05-01
- Page
- Seite 110 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2969669-2969768-2969774--2576-2972764- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
110 Auf Anregung des Herrn SelmarFrank ertheilte die Versammlung dem gesammten Verwaltungsrathe der Stiftung und namentlich dem Vorsitzenden und dem Schatzineister für die besondere Mühewaltung den Dank, und auf Antrag des Vorsitzenden des controlirenden Ausschusses, Herrn Alex Werthauer, der für die gewählten Revisoren berichtete und eingehendste Prüfung und den Richtigbefund feststellte, die Decharge. Nach der nun geschehenen Wahl des Herrn Rabbiner Dr. Porges an Stelle des Hingeschiedenen Rabbiner vr. Goldschmidt als stellvertretender Vorsitzender und der Wiederwahl des bisherigen Schriftführers schloß der Vorsitzende, Herr Finkelstein, die Sitzung mit dem Wunsche, daß. die Stiftung wie bisher zum Segen der Jünger der Wissenschaft und Kunst wirken möge. Moses Mendelssohn in Irankfurt a. M. Moses Mendelssohn war nicht nur ein großer Denker; sondern konnte manchmal trotz seiner bekannten Herzensgute boshaft sein; nachstehende Historie machte seinerzeit viel von sich reden und gab genügend Stoff zum Lachen. In Frankfurt am Main war es und im Hanse, wo er als Gast weilte, ward ihm zn Ehren ein Mahl gegeben, die ganze Verwandtschaft des Gastgebers war zu Tisch geladen. Selbstredend drängte sich jeder herbei den berühmten Mann zn bewundern und anzustaunen, darunter auch zwei ältere Frauen, welche, trotzdem sich ihre Haare schon bleichten, für jung gelten wollten; beide Frauen belästigten unseren Mendelssohn in zudringlichster Weise unaufhörlich mit Fragen und legten eine Jndiscretion zu Tage, die geradezu verletzend war. Aus Rücksicht jfür den Gastgeber ließ der geplagte Philosoph alles über sich ergehen und gab geduldig auf alle möglichen und unmöglichen Fragen Antwort. Es kam die Zeit da man sich zur Tafel setzen sollte; unsere beiden Plagegeister wollten aber ihre Beute noch nicht loslassen und jede wollte von Mendelssohn zu Tisch geleitet werden. Nach vielen pro und contra fragten sie endlich Mendelssohn: sagen Sie uns doch offen, welcher von uns Beiden geben Sie den Vorzug, sie zu Tisch zu führen; Mendelssohn, schlagfertig wie immer, strich sich seinen Bart und sagte: Bei gleichen Vorzügen muß das Los entscheiden, aber da der Zufall stets ein solch' unverläßlicher Ratgeber ist, so gebe ich der Aelteren von Ihnen, meine Damei«, den Vorzug. Mendelssohn hatte Ruhe für diesen Abend. Der Familientisch. Monats schau. Nach Hamburg wurde Herr Oberrabbiner Hirsch, bisher in Prag, in gleicher Eigenschaft berufen. — Herr Hofkapellmeister Levi in München, Sohn des Rabbiners in Gießen, wurde vom Prinz-Regenten zum Generaldirektor der Königl. Hofkapelle ernannt. — In Wiesbaden starb Frau Elise von Hoeppener, aus Reval stammend. Sie trat vor acht Jahren zum Judentum über und heiratete den inzwischen verstorbenen Arzt vr. Haumann. Sie erzog ein armes jüdisches Waisenmädchen wie eine eigene Tochter..— Am 24. Februar wurde in Main; eine B'nei-Brith-Loge installiert. — In Dhringen wurde am 29. März