Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 9 (1889)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1889)
- Date
- 1889-05-01
- Page
- Seite 112 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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112 uns machen, einen Eindruck davon haben, daß das Christentum eine Kraft Gottes ist, die selig macht und heiligt? die Frieden und Trost verleiht? die eine Liebesmacht ist? — Herr Johann Joseph von Döllinger in München feierte seinen siebenzigsten Geburtstag. In seiner akademischen Festrede von 1881 „die Juden in Europa" trat er gegen die Judenhetze auf, welche unter dem Beistände so vieler nationaler Historiker in Szene gesetzt wurde und auch jetzt noch geschürt wird. (I. 209.) Hier spricht er seine nicht geringe Verwunderung darüber aus, daß gerade in der Hauptstadt des Reiches der Streit so heftig entbrannt sei, „selbst unter denen, die zur Aristokratie des Geistes gehören", und will „im Namen der Lebenslehrerin Geschichte vorhandenen neueren Verirrungen den warnenden Spiegel vormals begangener Mißgriffe entgegenhalten." — Auf der jüngsten Pastoren-Versammlung in Ehemnih sprachen die Herren Hofprediger Dr. Löber- Dresden und Oberpfarrer Thomas von der Ueberhandnahme und von dem gefährlichen Einflüsse jüdischer Elemente in Sachsen. Ist es möglich, daß man bei 6000 Juden unter 3000000 Seelen solches behaupten kann? — Unter den Vorträgen, die auf dem in Wiesbaden stattfindenden Kongresse für innere Medizin in der soeben von dem Komitee erlassenen Einladung angekündigt sind, befindet sich auch einer von Herrn Dr. Klemperer in Berlin, Assistenten des Geheiinrats Prof. Leiden, Oberarzt an der königl. Charite über „Magenerweiterung und deren Behandlung". Herr Dr. Kl., Sohn des Rabbiners in Bromberg, hat in den letzten Monaten über diesen Gegenstand größere und auf selbständigen Forschungen beruhende wissenschaftliche Arbeiten veröffentlicht, die in den Fachzeitungen mit vieler Anerkennung besprochen wurden. — Den Hreslauer Prozeß des Rabbinatskandidaten Kernstein versuchen Blätter niedrigsten Ranges zur antisemitischen Agitation auszubeuten. Nunmehr schreibt dem „Schles. Morgenbl." Pastor Kecker, Missionar für Israel, Folgendes: „Sie halten es für möglich, daß bei den Juden eine Verwendung von Christenblut zu rituellen Zwecken stattfinde! Ist es denn ganz vergeblich gewesen, daß der hervorragendste christliche Kenner der jüdischen Litteratur, Prof. Franz Delitzsch, in seinen Schriften gegen Rohling in Prag, und bei anderen Anlässen, diese aus dem Mittelalter stammende Anklage einer gründlichen und umfassenden Prüfung unterzogen und auf's Nelle den Beweis von ihrer Nichtigkeit geführt hat? Das Gutachten, welches dieser Sachverständige nach dem Verschwinden der Esther Solymossi abgab, ging dahin, daß rituelle Verwendung des Blutes abgeschlachteter Christen nach talmudischen Begriffen etwas schlechthin Undenkbares sei. Sie sehen, es stimmt mit dem von Ihnen angeführten Urteil des Fürstbischofs Dr. Kopp vollkommen überein. — Die Tochter des Geh. Kommerzienrates von Hleichröder in Kerlin, Frau Haronin v. Uechtrih, hat sich mit Herrn v. Kiedermann aus Wien verlobt. Baronin Else v. Uechtritz hat sich bekanntlich vor einiger Zeit von ihrem ersten Gatten, dem Herrn von Uechtritz, gerichtlich scheiden lassen. — In Krag starb Herr Religionsprofessor Michael Adler im 73. Lebensjahre. Es war ein Mann von hoher jüdischer und profaner Bildung. Die Herren Oberrabbiner Hirsch, Rabbiner Dr. Tauber und Dr. Kisch hoben an seinem Sarge seine Verdienste hervor. — In Lemberg starb am 15. März im 69. Lebensjahre der dortige Rabbiner und Prediger Dr. Hernhard Löwenstein. Er war eine poetisch veranlagte Natur und verstand es als Volksredner mit seinen Reden, die von einem warmen Gefühlshauch durchweht waren, die Herzen der Hörer zu rühren. Seine „Jüdischen Klänge" sind solche, die aus dem Herzen kamen und ins Herz drangen. An dem Begräbnisse, das unter großer Teil-