Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 9 (1889)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1889)
- Date
- 1889-05-01
- Page
- Seite 109 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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die Richtung derselben, wie sie von den ersten Gründern bezeichnet wurde. Die fortgesetzte Thätigkeit im Dienste der Menschheit, in. der Beihilfe für unglückliche Glaubensgenossen und selbstverständlich auch für die Unterstützung der Bedürftigen — ohne Unterschied der Konfession —, welche als Studirende unserer Hochschule, als Schüler unseres Conservatoriums und der Akademie vorwärts streben, kennzeichnet den Weg in ununterbrochener Fortsetzung. Der schmerzliche Verlust in zwei aufeinanderfolgenden Jahren, welcher die Stiftung erst in dem Hinscheiden des Vorsitzenden Herrn Hermann Meyer und dann durch den Tod des stellvertretenden Vorsitzenden Herrn Rabbiner I>r. Goldschmidt betroffen hat, dient nur als unvergeßliche Mahnung im Sinne und im Geiste dieser Edelgesinnten, welche noch zu den ersten Gründern der Stiftung zählten, weiter zu arbeiten und diesen Vorbildern nachzustreben. I)i'. Goldschmidt sah in der Mendelssohn-Stiftung ein geistiges Emancipationsmittel behufs Abwendung von den Schattenseiten der sonst noch viel zu viel begünstigten Berufsarten, welche mehr auf Gelderwerb als auf Bildung abzielen. Die Mendelssohn-Stiftung ist ein Culturmoment und ein Kanipfmittel gegen die heutigen Angriffe. Durch Erhebung von den Sitzen ehrte, nach Aufforderung des Vorsitzenden, die Versammlung das Andenken des verstorbenen Di-. Goldschmidt. Der Vorsitzende hob alsdann noch hervor, daß mit dem teilweisen Rückgänge der Mitgliederzahl der dringende Mahnruf an Alle ergeht, für den notwendigen Ersatz derselben möglichst fördernd einzutreten. Zur Zeit sei noch imnier die Möglichkeit geboten, neben dem vermehrten Zinseneingang des vergrößerten „festen Fonds", dem erst in den letzten Tagen ein Vermächtnis des zu Wiesbaden verstorbenen Herrn Adolf Schwerin im Betrage von 1000 Mark zugeflossen ist, und den Jahresbeiträgen allen Ansprüchen an die Stiftung zu. genügen. Nachdem noch für das erwähnte Vermächtnis der Dank der Versammlung zum Ausdruck gekommen, erstattete der Schatzmeister, Herr Beruh. Bodek, den Bericht über den Kassenabschluß für 1888. Darnach beläuft sich die Mitgliederzahl der Leipziger Mendelssohn-Stiftung auf 144 mit einem Jahresbeitrag von 1730 Mk., während die Zinsen des „festen Fonds", dem in Freude und Leid zahlreiche Schenkungen zufließen, 1247,50 Mk. betrugen. Verteilt wurden 1670,50 Mk. für 37 Semester-Stipendien, (aus Sektion I) und zwar 11 an Mediciner, 3 an Philosophen, 2 an Juristen, 2 an Gymnasiasten der oberen Klassen, 18 an Konservatoristen, 1 an eine Kindergärtnerin. Hierbei sind die Petenten nach strengster Prüfung der Zeugnisse, Begabung und Bedürftigkeit berücksichtigt worden. Außerdem sind 772,80 Mk. für 153 Unterstützungen (aus Sektton II) gewährt worden, und verteilen sich diese an weitere Kreise je nach momentaner Nothlage: 32 an Gelehrte, Schriftsteller und Lehrer, 5 an Schüler und Studirende, 19 an Künstler und Kunstgewerbtreibende, 9 an Schauspieler und Recitatoren, 36 an Angehörige des Kaufmannstandes und 52 des Gewerbstandes. Als Schenkung für den festen Fonds sind außer dem bereits erwähnten Vermächtnisse von 1000 Mk. noch 10 Mk. anzuführen: Der Bestand des festen Fonds belief sich bei Abschluß des Jahres 1888 auf 37 705,26 Mk.. Bisher hat die Mendelssohn-Stiftung in ihrer 28jährigen Thätigkeit 1861—1889 in Sektion I. 828 Semester-Stipendien mit 49424 Mk., in Sektion II. 1395 Unterstützungen mit 14319 Mk. zur Verteilung gebracht und dadurch manchem Talent emporgeholfen, manche Sorgen ehrlich und redlich vorwärts Strebender gelindert. Ein solches erfreuliches Resultat verdient gewiß die Beachtung und Teilnahme aller Menschenfrennde.