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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1889-05-01 · Heft 5 (1.5.1889) · p. Seite 98

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
9 (1889)
Issue
Heft 5 (1.5.1889)
Date
1889-05-01
Page
Seite 98 (sequence 2)
Language
German
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98 empörend, daß in einem Staate, wo eine Religionsgesellschaft anerkannt ist, ein öffentliches Institut bestehen soll, um davon abtrünnig zu machen. Was würden die Protestanten sagen, wenn es einen katholischen Missionsverein für die Bekehrung zum Katholizismus gäbe?" Im Juli 1881 schreibt Auerbach: „Die Studenten rufen zu einer Versammlung am Kyffhäuser auf, gegen den freien Gedanken und gegen die Juden. Nur das ist mir fast tröstlich, daß die Juden erstes greifbares und angegriffenes Object sind, im Sturm gegen den aus der Humanität stammenden Liberalismus. Das ist wieder ein Stück Mission der Geschichte." Eine der letzten Arbeiten Auerbach's war sein berühmtes Dankschreiben an Prof. Döllinger in München für dessen Aussprache gegen die Judenhetzer. „Es ist mir", schreibt er am 19. September 1881, „eine wunderbare Frucht, daß ich durch den Döllingerbrief wieder auf den jüdischen Ursprung zurückgelenkt worden bin." Vier Wochen darauf erkrankte er an einer Lungenentzündung, von der er nicht wieder erstehen sollte. „Denke mich nur immer als frisch aufstrebend," so schrieb der rastlos thätige, damals mit dem Gedanken an Bearbeitung seiner Kindheitsgeschichte beschäftigte Dichter von Cannes aus am 20. Januar 1882 seinem Freunde und 17 Tage später stand sein edles Herz still, war sein geist¬ und liebevoll strahlendes Auge gebrochen. Ein Klageruf ging durch Deutschland, durch die gebildete Welt: Berthold Auerbach war tot. Ein wesentliches Merkmal aller seiner Dichtungen ist ihr ethischer, durch und durch sittlicher, im edelsten Sinne humaner Charakter, ich möchte sagen — obschon dies Wort so oft, ja zumeist mißbräuchlich und einseitig angewendet wird: seine Frömmigkeit. Nichts Frivoles, nichts Piquantes, keine Zweideutigkeit, keine Phrase findet sich in seinem Wesen und Dichten: Schönheit und Innigkeit, das Aesthetische und das Ethische waren ihm Eines, so im Leben, so in seinen Dichtungen. Ausgangspunkt und Endziel der Poesie war ihm nicht Sinnlichkeit, nicht Phantasie, nicht Getstreichtum,. sondern der ethische Gedanke. Er wollte, um mit seinen Worten zu reden, kein „Opernhausinteresse" befriedigen, kein „Geistes- und Witzballet vorgaukeln," ihm kam es auf Wahrheit und Sittlichkeit an. Daher das oft Lehrhafte, Didaktische in seinen Werken, die so schön sie sich lesen, doch nur dem ernsteren Sinn, der Gediegenes liebt, wahrhaften Genuß bereiten. Uyd den Grundquell für das Alles finde ich in seinem Ausgang von der Bibel und von Spinoza, in seiner Liebe und Begeisterung für Juden und Judentum. Seine letzte größere Erzählung, Brigitta (1880), legte in ergreifender Schönheit und Einfachheit, wie sie nur eben künstlerische Reife bieten kann, den Gedanken dar, daß man dem Feinde wohl Gutes erweisen, ihm wohlthun soll, nicht aber ihn lieben kann. Brigitta pflegt als Wärterin in einer Augenheilanstalt ihren erblindeten Feind, der ihren Vater, einen reichen Bauer, um Haus und Hof gebracht und hierdurch sie in Not und Elend gestürzt hat. „Ich habe — erzählt sie — Katholiken und Protestanten und Juden und auch ganz Ungläubige gepflegt. In der Dankbarkeit, wie die Menschen nach der Heilung sind und bleiben, da lernt man sie erst recht kennen und ich muß sagen, da sind die Juden besonders gut. Der Professor sagt's auch, ein Jude vergißt nicht leicht, was man ihm Gutes gethan hat. Freilich arg wehleidig sind die Juden, und haben gern Mitleiden mit sich selber, aber wie gesagt, sie sind auch besonders dankbar. Wir hatten einmal zu gleicher Zeit drei Geistliche im Haus, einen katholischen, einen lutherischen und einen jüdischen. Unser Herrgott hat's

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