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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1889-04-01 · Heft 4 (1.4.1889) · p. Seite 85

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
9 (1889)
Issue
Heft 4 (1.4.1889)
Date
1889-04-01
Page
Seite 85 (sequence 13)
Language
German
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noch möglich ist. Und da soll inan wieder Tag und Nacht darauf sinnen, ein Reines und Schönes zu gestalten und mit ganzer Seele bei der Arbeit sein, und Abscheu, Ekel erfüllt die Seele! Wie überwindet, wie trägt man sie? Man muß die Schande des Vaterlandes inittragen und ausharren. Es sind allerdings auch wahrhaft herrliche, reine und tapfere Menschen aufgetreten und mit Bewunderung und Dank erfüllt ihr treues Ausharren. Aber hastet die niedrige Aufreizung nicht weit mehr in der Masse? Und was hörte man im Abgeordnetenhause? Den Börsencourier. Sind denn wir Anderen seit Moses Mendelssohn nicht auch da?" „Schopenhauer — fügt Auerbach kurz darauf 6. Dez. hinzu — hat den jugendlichen Gemütern alle Idealität exstirpirt. Daher die Gemeinheit. Den Studenten ist die Judenhetze ein lustiger Sport. Nicht ohne Wirkung war auch Richard Wagner, der zuerst sich als Judenhasser bekannte. Dazu der Aerger der Beamtensöhne, daß auch Juden in die sonst ihnen gehörende Beamtencarriäre eintreten." Im Januar 1881 fühlt sich Auerbach „neubelebt" von Virchow's und Richter's Auftreten gegen die Judenhetze in der Wahlinännerversammlung und von der bekannten Aussprache des damaligen Kronprinzen, des unvergeßlichen Kaiser Friedrich, die „hoffentlich läuternd wirken wird und gute Zuversicht für die Zukunft giebt." Im März 1881 ward Auerbach ins Palais zur Kaiserin Augusta und zu deren Schwiegersohn, dem Großherzog von Baden berufen. .Dieser sprach mit ihm von der Ermordung des Kaiser Alexander. Auerbach bemerkte: Die Art, wie die Judenhetze fort und fort insceniert wird, ist auch ein Werfen von Dynamitbomben. Der Großherzvg sprach die Hoffnung aus, daß es bald vorüber sei, obwohl er die tiefe Schädigung, die das Volk damit erleide, vollkommen erkenne. Der Deutschen Kaiserin legte Auerbach bei dieser Gelegenheit dar: wie tief er im Gemüt gestört sei durch die Judenhetze, „es ist kein Geringes, daß man sich sagen lassen muß, man gehöre nicht zu den Deutschen und sei ohne Vaterland. Das muß ich noch erleben, der ich bereits 40 Jahre mit bester Kraft für das Deutsche Volk arbeite und im Patriotismus Niemand nachstehe." Das wurde — schreibt Auerbach weiter — mir bestätigt und die Großherzogin (von Baden) sagte: Glauben Sie mir, diese häßliche Sache ist nur in Berlin. „Und auch hier ist sie nur vorübergehend," fiel ihre Mutter, die Kaiserin, ein. „Berlin treibt über Nacht, man weiß nicht woher, eine Pflanze auf, am anderen Tage ist sie wieder vergangen, sie hat keine Wurzel. Die Sache ist wesentlich schon vorüber, oder ganz gewiß im Verschwinden." „Ich — fährt Auerbach fort — mußte das bestreiten und wiederholte, daß man am Hofe wahrscheinlich von dieser Verwüstung der Gemüter und der Verkehrung alles geraden Sinnes nicht genugsam unterrichtet sei. Die Kaiserin erwiederte: Wir, wir haben unsere Beziehungen zu den alten Freunden — Ich sehe von Ihnen ab, denn Sie sind nicht nur ein Freund, sondern auch ein Dichter — immer fort erhalten und werden es auch imnier so zeigen. Die Kaiserin wiederholte, wie unablässig wohlthätig die Juden sich bewähren und wie sie selber vor Kurzem das jüdische Ältersversorgungshaus besucht habe, wie sie nächstens das jüdische Krankenhaus besuchen wolle und so solle ich nur ruhig sein, es wird sich Alles wieder schön ausgleichen." Diese Unterredung Auerbachs mit der Kaiserin und dem badischen Fürstenpaare ist ein leuchtendes Zeugnis ebensowohl für den Hochsinn dieser Fürsten, als für den Freimut und das Herz des Dichters, der wie die schöne Esther-

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