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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1889-04-01 · Heft 4 (1.4.1889) · p. Seite 83

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
9 (1889)
Issue
Heft 4 (1.4.1889)
Date
1889-04-01
Page
Seite 83 (sequence 11)
Language
German
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83 Bevölkerung auf seiner Seite wußte, kräftiger auftreten. Bald gelang es ihm auch, die römerfreundliche Stadt Sepphoris, die, weil sie Rom ihre Stellung als Hauptstadt im Norden dankte, von vorneherein der Bewegung feindlich gegenüber stand, zu erobern; er ging aber mit ihr schonend um, weil er sie für die nationale Sache zu gewinnen suchte. Endlich im Jahre 66 gelangte die Nachricht von dem Aufstande der Inden in Achaja, wo Kaiser Nero vor den AuLen der Griechen als Sänger und Schauspieler, als Dichter und Fechter in Theater und Cirkus Triumpfe feierte. Vom Taumel der Selbstvergötterung ergriffen, ahnte er kaum den Ernst der Lage, seinen Räten aber bangte es vor dem verhaßten Volke der Juden und so wenig beliebt auch Vespasian, eine prosaische, aber ernste, energische Natur, ein Mann niedriger Abstammung, der sich im harten Dienste emporgearbeitet hatte; so wenig beliebt er auch war — er hatte das Unglück, während einer Vorstellung, in der Nero seine Talente bewundern ließ, sanft einzuschlafen, — er wurde doch, weil der beste Feldherr seiner Zeit, in den Kämpfen am Rhein und in Britanien vielfach bewährt, an der Spitze eines Heeres von 50,000 Mann zur Niederwerfung des Aufstandes nach Judäa geschickt. Er fiel, wie zu erwarten war, in Galiläa ein. Sepphoris unterwarf sich ihm, ohne auch nur eine Gegenwehr zu versuchen. Von hier aus ward es ihm leicht, die Bewegung in der Nachbargegend zu überwachen und zu zügeln. Josephus stellte sich ihm in offener Feldschlacht entgegen, wurde aber von der erdrückenden Menge zurückgeworfen. Vergebens erwartete er Verstärkung aus Jerusalem — Stadt und Rat waren siech und ohnmächtig. Er sah sich nunmehr genötigt, die Offensive aufzugeben und sich nach Jotapata, einer Bergveste, die sowol durch ihre natürliche Lage, als auch durch ihre künstliche Befestigung geeignet war, dem Anmarsche der Römer kräftigen Widerstand zu leisten, zurückzuziehen. Die Römer verschanzten ihr Lager auf einem Hügel unweit der Stadt. Allein die Belagerung dauerte länger, als Vespasian es wähnte. Die Juden kämpften mit Mut und Umsicht und brachten die Römer durch kühne Ausfälle vielfach in Verlegenheit, ja deren Feldherrn zu wiederholten Malen in Lebensgefahr. An eine Aushungerung der Festung war nicht zu denken, da sie durch die Fürsorge des Josephus mit Nahrungsmitteln reich versehen war. Nur Wasser fehlte. Damit aber die Feinde solches nicht merkten, befahl Josephus seinen Männern, ihre Kleider stark anzufeuchten und sie von der Brustwehr herabhängen zu lassen, so daß urplötzlich die Feuchtigkeit von den Mauern triefte. Als die Römer sahen, daß die Belagerten so viel Wasser zu ihrer Verspottung vergeudeten, während sie wähnten, daß jene keinen Trunk mehr hätten, ergriff sie Mutlosigkeit, allein am Ende, nachdem die Festung sich 47 Tage lang gehalten hatte, siegten die Römer doch, nicht durch ihren Heldenmut, nicht durch ihre Waffen, wohl aber durch ihre Spione, an denen es ihnen nie fehlte. Beim Morgennebel des 1. Tammus marschirten römische Soldaten gegen die Wachtposten der Juden, die, vom Durste ermattet, in den Armen des Schlafes Kräftigung suchten. Die Römer rückten leicht in die Stadt. Ein furchtbarer Kampf entstand. Die römischen Soldaten schauten Wunder an Mut und Kraft. An 40,000 Menschen deckten die Trümmer von Jotapata. (Schluß folgt.)

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