Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 9 (1889)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1889)
- Date
- 1889-04-01
- Page
- Seite 81 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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81 Der Hohn der Juden bot dem Statthalter willkommene Gelegenheit, seine allezeit raublustigen Truppen gegen die verhaßte Hauptstadt führen zu dürfen. Mord und Plünderung bezeichneten die Spuren der römischen Soldaten, bis endlich ein gütlicher Ausgleich dem grausamen Spiele ein Ende machte. Aber das Beispiel Cäsarea's blieb nicht ohne Folgen. Wo Heiden die Oberhand hatten, da ward bald die Losung ausgegeben: der Juden sich entledigen! Der Selbsterhaltungstrieb drängle ihnen die Waffen in die Hand. Kein Tag verging ohne Kampf. Der Stein war in's Rollen geraten. Mußten die Juden einmal kämpfen, dann wollten sie die Wurzel alles Bösen, Rom, bekämpfen und seines Joches sich entledigen. Der Aufstand begann zunächst auf dem Lande. Scharen eifriger Männer, Zeloten, zogen von Ort zu Ort und predigten den Krieg. Und zum Patriotismus gesellte sich bald auch religiöse Schwärmerei. Wundermänner kündeten von den Wundern Gottes, die er, wie einst in der Jugendzeit des Volkstums für sie thun werde und das wundersüchtige Landvolk, überdrüssig Roms und seiner Söldner, hielt es bald auch mit jenen zweifelhaften, nicht selten unlauteren. Elementen, die noch keiner politischen Revolution je fehlten. Dolchmänner, Sikarier, zogen mit kaltem Stahle an der Brust auf offenem Markte umher, töteten am Hellen Tage mitten im Gewimmel des Verkehres ihre Opfer und verbreiteten, weil sie ungesehen und unerkannt, wie sie kamen, auch verschwanden, Angst und Grauen unter der Bevölkerung. Später brach der Aufstand in Jerusalem aus. Hier standen die Parteien sich schroff gegenüber. Hillel und Schammai, die alten Gegensätze im Lehrhause, erwachten zu neuem Sein im Volksleben. Die bedächtigeren Elemente, die mit klarem Blicke die Folgen erwogen, die eine ernste Verwicklung mit Rom nach sich ziehen mußten, nahmen sich den geduldigen, sanften auch gegen Heiden milden Hillel zum Vorbilde — als das Haus Hillel's leben sie später fort im talmudischen Schrifttum. Ihnen gegenüber stand das Haus Schammai's — der finstere, ernste Schammai, der in religiösen Dingen nicht Nachsicht noch Rücksicht kannte, sondern in Allem auf Alles drang, ward das politische Ideal der Eiferer, die alles auf's Spiel setzen wollten, uni das Eine, — und das Eine war ihnen Alles — die Befreiung von dem verhaßten römischen Joche zu erreichen. Diese Letzteren waren bald in der Mehrheit und auf ihr Drängen ward der Aufstand öffentlich proklamirt. Makkabäerkraft und Makkabäermut fuhr in die Eiferer; sie überfielen und machten nieder die römische Besatzung und hier aufgestachelte Wut kehrte sich gegen Jeden, der zum Frieden mit Rom riet. Auf diese Nachricht hin rückten die römischen Truppen vor, um die aufrührerische Stadt zu strafen; allein, obgleich die nördliche Mauer des Tempelberges nach kurzer Belagerung in ihre Hände fiel, ließen sie doch von fernerem Kampfe ab, weil der Winter nahte und die Versorgung der Truppen in dieser Jahreszeit nicht leicht geworden wäre. Die Eiferer setzten dem abziehenden Heere nach und kehrten mit Beute reich beladen nach Jerusalem zurück. Die Mutigen belohnte der Jubel des Volkes und im Rausche wuchs in den Verwegenen der Glaube an die Unverletzlichkeit der heiligen Stadt. Dennoch wurden, in der richtigen Voraussetzung, daß der Krieg erst beginnen werde, die Rüstungen eifrig fortgesetzt, vor allem Feldherren zur Führung des bevorstehenden Kampfes ernannt. An der Spitze des hohen Rates zu Jerusalem stand zu jener Zeit Simon, der Sohn Gamliel's, aus Hillelitischem Geschlecht«, ein Mann voll That- ‘äSM