Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 9 (1889)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1889)
- Date
- 1889-04-01
- Page
- Seite 78 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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78 französischer Sprache eine Lanze gegen das menschliche Vorurteil einlegte, welches selbst der schaffenden That der Alliance noch entgegen arbeitet. — Wenn es noch zu dessen bedeutendsten geistigen Thaten in seiner Gemeinde zählt, durch eifriges Wirken, im Vereine mit strebsamen Männern die „Mendelssohn-Stiftung zu Leipzig" ins Leben gerufen und an deren Leitung bis zum letzten Augenblicke — 28 Jahre — regen Anteil genommen zu haben — die Religionsschule durch eine dauernde Reform neu begründet zu haben — und den allgemeinen Wünschen in der Gemeinde zu genügen, eine zeitgemäße Reform im Gottesdienste der Synagoge durch Herausgabe eines neuumgearbeiteten deutsch-israelitischen Gebetbuches anzubahnen — so ist daraus zu ersehen, wie er für das wahre, echte Judentum arbeitete. In Wort nnd That bewährte er fort und fort den von ihm wiederholten Zuruf an Israel: „Gottes Volk bist du-" All sein Thun und Lassen aber, wodurch er seiner Gemeinde ein mustergiltiges Beispiel für allezeit geworden — ist die Liebe nnd die Milde gewesen, welche er in die Herzen Aller gepflanzt hat. Die jugendlichen Zöglinge liebten und verehrten den gedankenreichen, anregenden Lehrer — die erwachsenen Schüler schätzten und liebten den weisen Lehrer, der sie mit den tiefernsten, musterhaft wiedergegebenen Grundsätzen der jüdischen Konfirmation bekannt machte und sie ins echtjüdische, reinmenschliche, gottgefällige Leben einführte. — Die Jünglinge und Jungfrauen in der Gemeinde liebten ihn, weil er ihnen die Gottähnnchkeit und die Lebensfreude im menschlichen Vorwärtsstreben kennzeichnete. — Die Männer und die Frauen verehrten in ihm den Freund in Freude und Leid, den Ratgeber und steten Wohlthäter — und das Greisenalter sah in ihm den unermüdlichen Tröster in der Not, welcher allezeit den Glauben als die wahre Lebensstütze vor Augen hielt. Liebe war der Urquell, aus dem er geschöpft und Alle so reich beschenkt hat — dankbare Herzen bewahren deshalb seinem unvergeßlichen Andenken die liebevolle Gesinnung, in der Ueberzeugung der ihm bei dem Jubiläum zugerufenen Worte: „Im Lessing-Mendelssohn'scheu Geiste Lehrtest Du uns Mensch, Jude und Freund sein!" Bern-Bode k. Der politische und religiöse tzharakler des Itavius Iosepyus. Populär-wissenschaftlicher Vortrag, gehalten zum Besten des Stipendiumfondes der „Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin" von Dr. Adolf Rosenzweig. Hochgeehrte Versammlung! Die Persönlichkeit, über die vor Ihnen zu sprechen ich die Ehre habe, führt uns in die bewegte Zeit einer der fürchterlichsten Katastrophen, die die Weltgeschichte kennt. Abend bricht herein über Palästina's Gefilde, blutigrot senkt sich die untergehende Sonne und beleuchtet schaurig das Ringen des schwachen Judäa mit dem gewaltigen Rom. Die Zeit ist nach mannigfacher Richtung hin bedeutungs reich: in wilder Gährung wogt das Völkerleben und zu bedeutsamer äußerer Umwälzung tritt