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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1889-04-01 · Heft 4 (1.4.1889) · p. Seite 77

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
9 (1889)
Issue
Heft 4 (1.4.1889)
Date
1889-04-01
Page
Seite 77 (sequence 5)
Language
German
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77 in den jüdischen Religionsgemeinden Bahn gebrochen, namentlich, als er es ermöglicht Hatte, abwechselnd an den aufeinander folgenden Sonnabenden in deutscher und in polnischer Sprache zu predigen. — Der dortige Zuhörerkreis, welcher aus der Intelligenz jüdischer, national-begeisterter Jugend und strebender Manneskraft zusammengesetzt war, wußte ihm dafür Dank und unterstützte allezeit sein Wollen und Können. Am 12. März 1858 nach Leipzig als Nachfolger Dr. Adolf Jellinek's berufen, ist er sofort gleichwertig in die Intentionen jenes bedeutenden Kanzelredners eingetreten — und hat seitdem auf der Kanzel und auf dem Katheder in der jüdischen Gemeinde, sowie für reinmenschliche Bestrebungen, in und auch außerhalb der Mauern Leipzigs, auf der Rednertribüne sich' bethätigt. Sein fünfundzwanzigjähriges Amtsjnbilüum in Leipzig — am 12. März 1883 — brachte ihm mit vollem Recht die allgemeine Anerkennung von nah und fern — wie auch die der Teilnahine am siebzigjährigen Geburtstage zwei Jahre früher eine große war. Er wurde bei seinem Amtsjubiläum zum Ehrenmitgliede der Gemeinde in Leipzig ernannt und an seinem siebzigjährigen Geburtstage wurde von dem Verwaltungsraie der Mendelssohn-Stiftung ein Dr. Goldschmidt-Stipendium und von seiner Gemeinde eine Dr. Goldschmidt-Stiftung ins Leben gerufen. Gemeinnütziges Interesse und litterarische Neigungen zogen ihn in den Umgangskreis bedeutender Männer, Schriftsteller und Gelehrter und wiesen ihm einen hervorragenden Platz in den Bestrebungen zur Verherrlichung der Namen Lessing und Mendelssohn an. Seine thätige Mitwirkung für die Errichtung eines Lessing-Denkmals — des ersten in Deutschland — räumte ihm die Ehrenstelle eines Festredners bei der Enthüllung der Lessingbüste in Kamenz im Jahre 1863 neben Prof. Dr. Heinrich Wuttke ein. Seine allgemeine Liebe znm Menschentum gab Zeugnis davon, wie sehr die Judenheit immer von Dankbarkeit für die Wohlthäter durchdrungen war. Die Worte aus jener Rede in Kamenz werden unvergeßlich bleiben: „Lessing war es, der die Juden Deutschlands in deutsches Leben und Streben eingeführt hat; er war es, der sie mit seinem Vaterlande — diesen! langentbehrten Gute — beschenkt hat: und fürwahr, wir Inden sind bemüht uns desjenigen würdig zu machen, der den Namen „Jude" zu Ehren gebracht." — Der warme Pulsschlag seiner Leipziger Gemeinde, welcher jederzeit bei den Fragen für allgemeine Wohlfahrt sich äußerte, hatte Dr. Goldschmidt, in erste Reihe als Wortführer und Gotteskämpfer, als „Israelit" gestellt. Die Synode im Jahre 1869, deren Präsidium aus den Herren Prof. Dr. Lazarus, Ritter von Wertheimer, Dr. Ludwig Philippson, Dr. Abr. Geiger und Dr. Goldschmidt zusammengesetzt war, gab Zeugnis dafür. Die Sitzungen, welche während einer Woche dauerten und rein jüdisch-wissenschaftlichen Erörterungen, unter Teilnahme der hervorragendsten Männer, in und außer Europa dienten, wurden in begeisterter und religionstreuer Weise von Dr. Goldschmidt eingeleitet und von seinen! zündenden Worte getragen — und hatten neben dem reinwissenschaftlichen Zwecke, den materiellen Wert,' daß diese den ins Leben gerufenen „Deutsch-Israelitischen Gemeindebund für Deutschland" zur Folge hatten — dessen Tendenz heute noch segenbringend wirkt. Auch nach Paris trug Dr. Goldschmidt sein begeistertes Wort, wo er in Begleitung des bewährten, leider nun verstorbenen Menschenfreundes Jakob Nachod, während der 13. Generalversammlung der Alliance Israelite Universelle — am 12. August 1878 — an den Beratungen Teil nahm und in

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