Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 9 (1889)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1889)
- Date
- 1889-03-01
- Page
- Seite 71 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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71 Das Beispiel verdient Nachahmung, besonders betreffs der Gemeinden, deren Alter in eine hohe Zeit hinaufreicht. — Herr Cand. phil. Armand Karninka hat ein Bändchen hebräischer Gedichte (poesies liebraiques, Paris Durlacher 1888) herausgegeben. Dasselbe enthält Balladen und Elegien und zum Teil auch Uebersetzuugen aus Honier, Anacreon n. a. Der Verfasser handhabt die hebräische Sprache mit großer Gewandtheit und versteht es auch für moderne Stoffe die angemessene Form zu schaffen. - Das im Mittelalter viel gelesene Buch von den sieben weisen Meistern, das einem bis jetzt noch unentdeckt gebliebenen indischen Originale entstammt, hat in Kaulus Gaffel'« neuestem Werke, „Mischte Sindbad, Secundus-Syntipas, edirt, emeudirt und erklärt, Einleitung und Deutung des Buches der sieben weisen Meister" (Berlin, 1888, Schäfer) eine sehr eiugeheude gründliche und umfassende Bearbeitung gefunden. Der Verfasser macht dasselbe zur Grundlage einer tief in das Gebiet der vergleichenden Sagenforschung einführenden Studie, in der für die einzelnen Züge der in diesem Büchlein vorgetragenen Erzählungen Parallelen aus den verschiedensten Litteraturen herangezogen und besonders die in ihnen sich kundgebenden psychologischen Motive dargethan werden. Die Schrift, die, wie der Verfasser zeigt, in ihrer ersten Anlage die Rechtfertigung der im Buddhismus gelehrten Tugend des Schweigens bezweckt, ist in vielfach verschiedener Gestaltung auf uns gelangt. Ein besonderes Interesse hat der Nachweis, daß die hebräische Recension „Mischte, Sindbad" (die auch in der uns vorliegenden Kollektion Ed. Ven. 1544 abgedruckt ist, was S. 307 mit Unrecht bestritten wird) die älteste ist. Diese wie der griechische Syntipas werden im vorliegenden Werke sowohl im Original als auch in deutscher Uebersetzung, der sich lehrreiche Erläuterungen auschließen, niitgeteilt. Das Buch ist somit auch als ein wichtiger Beitrag zur jüdischen Litteraturgeschichte anzusehen. — Beiträge zur semitischen Religionsgeschichte von Lic. Dr. Friedrich Daethgen a. o. Professor der Theologie. Der Gott Israels und die Götter der Heiden. (Berlin, Reuther 1888). Wir kennen kein zweites Werk, in welchem uns eine so klare eingehende und alle einzelne Momente in Betracht ziehende Darstellung der semitischen Götterlehre dargeboten wird, als wir sie in dem ersten Abschnitt dieses Buches, überschriebeu „Die Götterwelt der heidnischen Semiten" (S. 9— 130) finden. Der Verfasser hat das zerstreute, weitschichtige Material das aus den inschriftlichen Denkmalen sich ergibt, geradezu erschöpft und so mit Hülfe desselben und der sonstigen Quellen ein sehr sorgsam gezeichnetes Bild der semitischen Götterlehre entworfen. Dieselbe von leerer Hypothesenmacherei fernbleibende Besonnenheit, mit der hier manche fragliche und streitige Punkte erledigt werden, gibt sich auch in den weiteren Kapiteln zu erkennen, in welchen auf Grundlage einer genauen Prüfung der biblischen Angabeil nachgewiesen wird, daß der jüdische Monotheismus weder als das Produkt einer Entwicklung aus früherem Polytheismus noch als das Erbe eines ursprünglichen Eigentums aller semitischen Stämme anzusehen ist. Gememsam war nur der Name El, der aber inhaltlich in der israelitischen Tradition ganz anders aufgefaßt wird, als in den semitischen Religionen, in welchem blos der Begriff eines allgemeinen Monismus in ihm zu erkenuen ist. — Die mit äußerster Sorgfalt hergestellte Textausgabe der biblischen Bücher von S. Kär (Leipzig, Tauchuitz, 1888) enthält nebst anderen Beilagen auch zahlreiche wichtige Anmerkungen betreffs der Verification des überlieferten Wortlauts. Dem Vorworte Franz Delitzsch's schließt sich eine kurze Abhandlung über Bedeutung und Ursprung des Namens Tiglatpilesar