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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1889-03-01 · Heft 3 (1.3.1889) · p. Seite 70

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
9 (1889)
Issue
Heft 3 (1.3.1889)
Date
1889-03-01
Page
Seite 70 (sequence 22)
Language
German
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70 besprochen, die zur Kenntnis zil nehmen dem Historiker nicht erlassen werden kann. G. Schnapper-Arndt veröffentlicht „Jugendarbeiten Ludwig Börne's über jüdische Dinge." Von der ersten, überschrieben: „Die Judeil in Frankfurth am Mahn" ist bedauerlicher Weise nur der Anfang vorhanden. Die kleinen Züge, die uns Börne hier vorführt, sind wohl durch die ätzende Lange des Spottes, die über sie ergossen wird, etwas in's Grelle ausgemalt, aber doch nicht so ganz in das Reich der „belletristischen Fiction" zu versetzen, dem der Herausgeber sie zuweist. Den Schluß des Doppelheftes bilden Miscellen und Nachträge. — Das neueste Werk Emil Neuburgers „Aus der alten Reichsstadt Frankfurt, Erzählungen und Charakteristiken, (Frankfurt a. M. Mahlan u. Waldschmidt 1888), in welchem Geschichte und Poesie sich in lieblichem Bunde vereinen, führt uns in Nr. 3, überschrieben „Die Judentochter", 'auch ein feingezeichnetes Gemälde ans den für die Juden so leidensvollen Zeiten des Mittelalters vor. An dem tragischen Ausgange, zu welchem die ans dein Gegensätze von Humanität und Fanatismus sich ergebende» Konflikte schließlich gelangen, vermochte auch die poetische Gerechtigkeit, da ihr historische Traditionen entgegenstehen, nichts zu ändern. Der Verfasser, in dessen Darstellung künstlerische Gestaltungsgabe und tiefe psychologische Auffassung einander die Wage halten, hat es verstanden, den einzelnen Momenten der Erzählung eine ergreifende Anschaulichkeit zu verleihen. Hervorgehobeil sei an dieser Stelle auch die Biographie und Charakterisirung Lazarus Geigers (Nr. 12), in der in zusammenfassender Kürze, die jedoch der Vollständigkeit keinen Eintrag thut, auch das System seiner sprachphilosophischen Untersuchungen dargestellt wird. (S. 165 ist der Druckfehler 1871 zn berichtigen. L. Geiger schied am 29. August 1870 aus dem Leben ) Besonders zu verweisen ist noch auf das Lebensbild des Majors Burg, (Noveletten Nr. 4). Die einleitende Bemerkung, daß es gewiß „sehr wohlmeinende Absichten" seien, „die in Preußen das Offiziercorps bestimmen, einen Inden durchaus nicht aufznnehmen" dürfte manchem berechtigten Zweifel begegnen. Wir möchten uns wenigstens nicht dem Verdachte aussetzen, die feine Ironie derselben verkannt zn haben. — Die „Geschichte der jüdischen Gemeinde Düsseldorfs" von Rabbiner Dr. Abr. Wedelt, (Düsseldorf 1888) behandelt im Ganzen mehr die neuere Zeit, da noch im Jahre 1608, den Juden die Niederlassung in den Herzogtümern Jülich -Berg rechtlich nicht gestattet tvar, doch gibt sie über Alles, was den zumeist wörtlich mitgeteilten Urkunden sich entnehmen läßt, belehrende Auskunft. Ueber die Rabbinen S. 80 ff. ließe sich noch Manches ans jüdischen Quellen anführen, so ist Samson Lem Fröhlich (Nr. 1), sicherlich derselbe, der in Jakob Mischers Gutachten II 121 angeführt wird; sein Nachfolger, Mordechai Halberstadt, war seiner Zeit ein namhafter Gelehrter, der als Verfasser einer grammatischen Abhandlung und einer nach seinem Tode herausgegebenen Respousensammlnng (Maamar-Mordechai) bekannt ist. — Aus der „Geschichte der Inden in Köln am Rhein, ein Gang durch die deutsche Geschichte" betitelt sich ein Schristchen von Fr. Stolle (Barmen 1888, Wiemannt. Die skizzirte kurze Darstellung ist für Leser, denen es auf wissenschaftliche Kunde des Thatsächlichen nicht ankömmt, berechnet, verfolgt aber dabei den Neben- oder vielmehr Hauptzweck, „unter den zerstreuten Kindern des altei« Bundes die frohe Botschaft auszubreiten u. s. w.", der wohl auf diesem Wege ebensowenig wie auf anderein die angestrebte Förderung finden dürfte. — Der Vorstand der Beerdigungsbrüderschaft in Gdessa hat die wiHtigeren Grabsteininschriften des dortigen israelitischen Friedhofs veröffentlicht.

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