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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1889-03-01 · Heft 3 (1.3.1889) · p. Seite 72

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
9 (1889)
Issue
Heft 3 (1.3.1889)
Date
1889-03-01
Page
Seite 72 (sequence 24)
Language
German
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von Friedrich Delitzsch an. — Herr M. Kohn—Distrih hat es unternommen in einem größeren Werke, betitelt „O. H. Schorr's talmudische Exegesen auf ihren wissenschaftlichen Gehalt geprüft. (Wien 1888, Selbstverlag des Verfassers) die von Schorr in mehreren Bänden des „Hechaluz" gelieferten Nachweise, daß den Schriftdeutungen des Midrasch zumeist die Gleichlantigkeit hebräischer und fremdsprachlicher (zumeist griechischer) Wörter zu Grunde liege, gründlich zu widerlegen. Der Verfasser ist unerschöpflich in Ansdrücken der tiefsten Entrüstung, mit welcher er von religiösem Gesichtspunkte Schorr's Erklärungsmethode verurteilt, doch scheint uns dieser Ton gerade in Bezug auf dieselbe nicht so gut angebracht zu sein, da Schorr der Orthodoxie gegenüber .noch ganz andere Sünden zu verantworten hat. Die erwähnten Aufstellungen Schorr's haben, da sie in der That viel Gesuchtes und Unwahrscheinliches darbieten, in den Kreisen der Fachkenner begründete Bedenken hervorgerufen, doch ist andererseits nicht zu verkennen, daß auch an Stellen, in denen dies nicht ausdrücklich bemerkt wird, der Gleichklang mit fremdsprachlichen Wörtern, die Deutung beeinflußt hat, wofür triftige Belege vorhanden sind. Herrn Kohn— Bistritz ist das Verdienst, die Unhaltbarkeit vieler irriger Vermutungen Schorr's gezeigt zu habeil, zuzuerkennen, die Bedeutung Schorr's als kritischer Talmudforscher wird aber dennoch von objectiv Denkenden nicht bestritten werden. Der Verfasser hat Schorr an seiner Achillesferse getroffen und wir verdenken es ihm nicht, daß er seine Freude daran hat, doch wollen wir nicht wünschen, daß der in dieser Schrift angeschlagenene Ton, den übrigens auch Herr Schorr in übersprudeludem, aber nicht immer gut angebrachtem Humol anwendet, in der jüdisch-wissenschaftlichen Litteratur weitere Nachahmung finde. — Herr Rabbiner §. Sidon in Tyrna«, der als Verfasser niehrerer Werke rühmlichst bekannt ist, hat unter dem Titel Schebet Schimon eineil dritten Band talmudischer Dissertationen veröffentlicht, die ganz im Stile der althalachischen Schule gehalten sind. Daß der Verfasser dennoch von der orthodoxen Partei seiner Heimat verfolgt wird, deren Scheinfrömmigkeit übrigens in der Vorrede ihre gründliche Verurteilung erfährt, ist uns unbegreiflich. — Herr Eh. M. Horowitz hat eine Sammlung zehn kleiner nach Zahlen geordneter Midraschim (zumeist aus Handschriften) der Oeffentlichkeit übergeben. Ueber das Verhältnis derselben zu einander wie über diesen Zweig der haggadischen Litteratur erhalten wir in einer ausführlichen Einleitung vielfachen Aufschluß darbietende Belehrung. — Die „Grabreden" von Rabb. Elias Karpeles find in zweiter Auflage erschienen (Frankfurt a. M., Kauffmann 1888). In gemütvoller zu Herzen redender Sprache versteht es der Verfasser, aus passend gewählten Schriftstellen die Gedanken zum Ausdruck zu bringen, die in schmerzlichen Trauerstunden die Wehmut weihen und die Tröstungen der Religion verküilden. Die Sammlung enthält Reden für alle Wochenabschuitte. Inhalt: Aus einer Rede des Herrn l>r. Adolf Brüll, Präsidenten des Mendelssohn-Vereins, gehalten in der General-Versammlung in Frankfurt a. M. am 26. Januar 1889.— Berthold Auerbach als Jude. Bon Rechtsanwalt Emil Lehmann in Dresden. (Forts.) — Das Buch von den Gotteskümpsen. — Arstzne Darmestetcr, geb. l846, gest. 1888. Bon I. Herz, Frankfurt a. M. — Monatsschau. — Referate und Mitteilungen. — Beilage. Verantwortlicher Redakteur und Heransgebcr I)r. Adolf Brüll; in Komniission für den Buchhandel bei Franz Benjamin Auffarth; Druck von H. L. Brönner's Druckerei <F. W. Breidenstein), sämtlich in Frankfurt am Main.

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