Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 9 (1889)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1889)
- Date
- 1889-03-01
- Page
- Seite 58 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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58 folguirg von Israel abzuwenden. Welches war die Rüstung die sie da angelegt, welches waren die Waffen, die sie geführt haben? Der Geist war es, der Geist der Treue und der Standhaftigkeit, die Unabhängigkeit und die Würde der Gesinnung war es, mit der sie den Kampf begonnen und siegreich vollführt haben. Sich nicht beugen vor der rohen Gewalt, nicht im Staube kriechen vor den Mächtigen, nicht preisgeben seinen Glauben, seine Ueberzeugung, seine Ehre, den Uebermütigen mannhaft gegenübertreten, das war es, was Mordechai für seine Pflicht hielt, für die Pflicht des Inden; Treue bis in den Tot, unerschrockene hingebungsvolle Treue für die Lehre der ewigen Wahrheit, das war die Gesinnung, von der Esther beseelt war, die Gesinnung, die ihr nicht feil war für Schätze und Reichtümer, für Länder und Köuigskroneu. Das Buch der Gotteskämpfe ist noch nicht zu Ende geführt. Noch haben wir zu kämpfen, noch haben wir einzusteheu für die Ehre unseres Namens, für die Ehre unseres Gottes, wir haben noch für die Sache des Rechtes und der Wahrheit zu kämpfen gegen die Feinde nach innen ivie nach aussen, gegen die Fälscher und Finsterlinge wie gegen die Hasser und Verleumder. Laßt Treue unsere Waffe sein, unsere Rüstung, standhafte, unerschütterliche, begeisterungsvolle Treue! und wir haben nichts zu fürchten. Unterliegen wir auch, wir erheben uns wieder, der Sieg ist unser. Treue gegen Gott, das ist unser Schwert, unsere Lehre ist unser Stolz und unser Ruhm, sie wird uns den Sieg verschaffen, sie ist der Stamm, an dem Israel sich iminer von Neuem erhebt, auf daß es unentwegt fortschreite auf den Höhen des Lichtes und der Ehre. Arserie Darmesteter, geb. 1846, gest. 1888. Arscne Darmesteter, dessen frühen Tod >vir beklagen, gehörte ,;u jenen jüngeren Gelehrten, welchen die romanische Sprachwissenschaft in den beiden letzten Jahrzehnten so reiche Förderung verdankt. Er war einer der ersten und hervorragendsten Schüler der romanischen Abteilung der — i. I. 1869 zu Paris vom damaligen französischen Unterrichtsminister Victor Durny gegründeten — Ecole dos Hanfes Etudes. In Gaston Paris, dem jetzigen Mitglied« des Institut de France, der als Directeur de la Conference des langues romanes auch heute noch an der Ecole des Hanfes Etudes wirkt, fand Darmesteter einen Lehrer und Freund, der ihm während seines kurzen Lebens treu zur Seite stand. Für die Leser dieser Blätter wird es nicht ohne Interesse sein zu erfahren, daß Darmesteter in den Arbeiten auf dem Gebiete der romanischen Sprachwissenschaft auch seine nicht unbedeutenden talmudischen Kenntnisse verwertete. In der dem Studium der romanischen Sprachen und Litteratureu gewidmeten französischen Zeitschrift „Romania“, Band I, S- 146—176, veröffentlichte Darmesteter i. I. 1872 unter dem Titel „(Elosses et glossaires liebreux-fran^ais du moyen age“ eine Abhandlung, welche für die Bestimmung des Lautwertes altfranzösischer Schriftzeichen von nicht geringer Wichtigkeit ist. Im dritten Bande der Romania, S. 448—486, erschien auf Grund einer vatikanischen Handschrift die Veröffentlichung zweier von Jakob ben Jehnda aus Lotra (Lothringen) ver-