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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1889-03-01 · Heft 3 (1.3.1889) · p. Seite 57

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
9 (1889)
Issue
Heft 3 (1.3.1889)
Date
1889-03-01
Page
Seite 57 (sequence 9)
Language
German
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57 darauf schließen läßt, daß in demselben die Geschichte des alten Israel in dichterischer Rede dargestellt war, daß es eine Reihe von Liedern, von Heldengesängen enthielt, die wohl aus verschiedenen Zeiten stammten, aber hier zu einem schonen, wohlgeordneten Ganzen vereint waren. Unzweifelhaft bildete das Siegeslied am roten Meere, dieses herrliche Denkmal althebräischer Dichtung, einen Bestandteil dieses Werkes, das in jüngeren Schriften auch unter dem Namen Sefer lia-Jaseliar, d. i. „Liederbuch" vorkonimt. Man hat guten Grund anzunehnien, daß die Gesänge, die dasselbe enthielt, ursprünglich im Munde des Volkes lebten und erst in einer späteren Zeit zur Auszeichnung gelangten. Daß es trotzdem sich nicht erhalten hat und wir von dessen einstmaligem Vorhandensein gar keine Kenntnis hätten, wenn nicht einzelne Bruchstücke desselben in die alten Geschichtsbücher Israels übergegangen wären, das ist leicht erklärlich. Als Israel zu dem Bewußtsein gelangte, daß es nicht in Waffentaten und Heldenkämpfen seinen Ruhm zu suchen habe, daß sein Beruf nicht darin bestehe, Länder zu erobern, Völker zu unterjochen und Reiche zu gründen, in denen die irdische Gewalt sich befestigt und ansbreitet, sondern daß es erst dann zur Höhe seiner Macht und seiner Bedeutung gelangt, wenn es dem Gesetze der Wahrheit und der Gerechtigkeit die Bahnen ebnet, wenn es den Lehren der Menschlichkeit und der Gesinnungsgröße Geltung verschafft, wenn es das ewig Erhabene hervorbildet und zur Verwirklichung bringt, da konnte ein Buch, das von Kämpfen und Eroberungen, von Waffenthaten und Waffensiegen erzählte, nicht mehr Anklang finden; das Buch von den Gotteskämpfen ging verloren, und das Buch, das die Lehre des Friedens enthielt, trat an seine Stelle. Wohin das Buch gekommen, was aus demselben im Laufe der Zeiten geworden ist — es hat sich keine Kunde darüber erhalten und wir haben nur die unerfreuliche Gewißheit, daß dieses älteste Denkmal des jüdischen Schrifttums längst ein Raub der Zeiten geworden und daß wir den verlorenen Schatz nie wieder auffinden werden. Und dennoch darf man wiederum kühn behaupten, daß wir dieses Buch noch besitzen, ja daß sein Inhalt im Lauf der Zeiten sich vermehrt hat und daß es auch heute noch nicht zu Ende geführt ist. Denn die durch die Jahrtausende sich fortleitende Geschichte Israels, >vas ist sie anders als ein Buch von Gotteskämpfen? Kämpfen für Gott, das ist unser Name, unser Adelstitel, auf den wir mit Stolz Hinweisen können, und Kampf für Gott, Kampf für die Wahrheit gegen die Lüge, für dasRecht gegen die Gewalt, für das Licht gegen die Finsternis, für den Geist gegen den Ungeist, das ist unsere Geschichte. Diesen Kampf hat Israel aufgenommen, hat ihn aufgenommen gegen eine ganze Welt, hat ihn zu führen sowohl nach außen gegen die zahlreichen und mächtigen Feinde, die es um seines erhabenen Glaubens willen hassen und verfolgen, und hat ihn zu führen gegen die Widersacher in seiner eigenen Mitte, gegen alle diejenigen, die um das Banner der Lüge sich schaaren, um die Wahrheit zu bekämpfen, um den Geist des Lichtes und der Erkenntnis zu unterdrücken, und nicht müde diirfen wir werden und nicht eher die Waffen niederlegen, als bis der Kampf zu Ende geführt, das Licht zum Siege gelangt ist. Ein Blatt aus diesem Buche, aus dem Buche der Gotteskämpfe ist es auch, daß das herannahende Purimfest vor uns eirtrollen >vird und mit den Thaten eines jüdischen Mannes und einer jüdischen Frau macht es uns bekannt, die in den heiligen Kampf für Israels Recht und Ehre eingetreten, ihr eigenes Leben aufs Spiel gesetzt haben, uni Schmach und Ber-

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