Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 9 (1889)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1889)
- Date
- 1889-03-01
- Page
- Seite 56 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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56 Erklärung abgefaßt. — Ja, da gehe ich in Zorn, Erbitterung und Wehmut ruhelos in meinen! Zimmer umher und es steigert mir das Entsetzliche noch, daß ich voraussehe, wie Hunderte und Tausende die Zeitungsnotiz bei Seite legen. Es geht sie ja nicht unmittelbar an, wer wird sich von draußen Geschäft und Vergnügen stören lassen? Ich weiß, wie ich damals bei der Damaskusgeschichte wochenlang nicht schlafen konnte. Eine tiefe Lebensverachtung, eine Verzweiflung an aller Geistesarbeit und Zorn über den Mangel an Solidarität läßt mich kaum die Feder führen." — „Was haben wir — fügt Auerbach wenige Tage später hinzu — von Jugend an gelitten von den Kindern derer, die Hexen und Ketzer verbrannten! Es ist nun doch Tag geworden und offener Kampf." Im Juli 1879 las Auerbach Heinrich Heine's Leben und schrieb: „Ich bin tief ergriffen von der Beteiligung Heine's am jüdischen Leben und von der ~ Geschichte seiner Taufe, die ich eben zu Ende las. Ich habe Heine vielfach Unrecht gethan, er ist ein Schelm, ein Nichtsnutz, aber wie ist er's geworden? Wie schwer und bitter hat er kämpfen müssen! Und wie steht Friedrich Wilhelm III. da! Fritz Reuter muß auf die Festung und Heine sich taufen lassen!" Ueber die „Judenhetzen der Hofprediger" schreibt Auerbach: „Es ist ein Jammer, in welches Elend und in welche Kämpfe wir wider versetzt sind." (16. Oktober 79.) Am 19. März 1880 fügt er hinzu: „Es ist zum Verzweifeln. In den Freiesten steckt ein Hochmut und Widerwille gegen die Juden, der nur auf Gelegenheit wartet, um zu Tag zu kommen. Und was soll denn das, daß die Juden sich gut bewähren sollen? Ist das nicht eine Art Inquisition? Und man zähle nach, ob die deutschen Juden nicht die bürgerlichen Tugenden haben, so gut als die Christgebornen. Was sie von Fehlern an sich haben, ist eine interne Frage." Kurz darauf—21. März—rühmt Auerbach die „schöne That Mommsen's, der bei der Festfeier in der Akademie stark betonte, daß es traurig sei, daß die Inhumanität bereits in die Kreise der Wissenschaft eingedrungen sei." „Der physiologische Bestand der Juden" —schreibt Auerbach 13. August 1880 — erscheint mir fast als Wunder. So viele Jahrhunderte von Licht und Luft abgesperrt und doch leiblich und geistig fest konstituirt zu bleiben, das ist groß. Freilich wäre jetzt nötig, daß die Juden mehr auf körperliche Erziehung bedacht wären." (Schluß folgt.) Aas Wuch von den Holteskämpfen. Gelegentlich der Aufzählung einiger Ortschaften, die Israel auf seinen Wanderungen durch die Wüste berührte, wird ein Buch angeführt, welches „Das Buch von den Gotteskänipfen" hieß. Welchen Inhalts dasselbe war, welche Bedeutung es für das Volk hatte, das lehrt uns schon sein Name. Es erzählte von den Kriegen, die Israel gegen seine Feinde geführt, von den Kämpfen, in denen es seine Tapferkeit bewährt, von dem Widerstande, den es den Angreifern entgegengesetzt, von dem Heldenmute, mit dem es seine Siege erfochten hat, und an den glanzvollen Erinnerungen, die in dem Buche von den Gotteskänipfen anfbewahrt waren, sollte es sich erheben und erfreuen, aus ihnen Begeisterung schöpfen, Vertrauen und Selbstgeftihl. Es hat aber nicht blos der Name dieses Buches sich erhalten, es werden uns auch einzelne Stücke aus demselben mitgeteilt, deren Beschaffenheit uns