Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 9 (1889)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1889)
- Date
- 1889-03-01
- Page
- Seite 54 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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54 Creniieux will mir nach Petersburg, wenn er voraus Sicherheit hat, vom Kaiser empfangen zu werden. Am Abend sprach Cremieux in einer Festversammlung unter dem Vorsitz des Professors Lazarus über eine Stunde sehr warm über das Wesen und Wirken der Aliance. „Ich glaube aber — bemerkt Auerbach — daß es nicht thunlich und nicht gut ist, daß die Deutschen ihre Beiträge an die Centralstelle nach Paris schicken? Beim Festmahl, das sich anschloß, sprach Auerbach, daß er nicht zum Vergnügen rede, daß er das Opernhaus-Interesse, das ein Wort-Ballet wolle, nicht befriedigen werde, denn er wolle Scharfes sagen." „Ich sagte — schreibt er — daß die Reichen unter den Juden gar nicht nach Maßgabe ihrer Kraft sich betheiligen, im Verhältnis zu uns Gelehrten u. s. w., die wir unser ganzes Sein einsetzen, sprach dann von der Mission der Juden, die in Frankreich volle Franzosen, in Deutschland volle Deutsche werden ' und wie darin die Mission läge, Staatsleben und Nationalität im höheren Sinne, nicht auf die Blntabstammung, sondern in den Geist zu setzen. Ich schloß mit dem Vergleich, daß die Juden der Bibel gleichen, die in alle Nationalsprachen übersetzt, denselben unvergänglichen Inhalt habe. Das schlug ein." Im Juni 1870 wohnte Auerbach auf einer Reise in Baden der Fahnenweihe der Feuerwehr in Kuppenheim bei. Er schreibt: „Ich schloß mich einem schönen jungen jüdischen Manne an, der einen grauen Tirolerhut mit Feder trug, Soldaten begrüßten ihn, und er erzählte, daß er Artillerist und Metzger und Viehhändler sei. Die beste Rede hätte in Kuppenheim auf der grünen Tribüne heute ein Jude, auch ehemaliger Soldat und Viehhändler, gehalten. Er hatte mit treffenden Worten dargelegt, daß man zur Not verbunden sei, aber auch in Freude zusammenhalten müsse. Er soll große Wirkungen gehabt haben. Mir thut es besonders wohl, daß die Juden da kräftig mit eintreten, drei sind Führer der Feuerwehr, kühn und gewandt. Das einigt das Leben und das ist die rechte Art. in die geschlossene Reihe einzutreten." Bernstein's Buch über die Patriarchen bezeichnet Auerbach als „eine Chemie des Mythos", die überraschende Resultate bringt (4. Mai 70). Ueber Geiger's Geschichte des Judentums urteilt er am 10. Juni 1871: „Welch ein in sich fester und freiblickender Geist. — Müssen wir jetzt, fügt er im Hinblick auf Geiger's treffliche Zurechtweisung der vom Preußischen Oberkirchenrat ausgegangenen Angriffe gegen den Juden — hinzu — müssen wir jetzt 1871, die wir ein vaterländisches Fest ohne Gleichen feiern, noch solche Gehässigkeit ablehnen!" Ueber Strauß, „der alte und der neue Glaube", schreibt er — 24. Oktober 1872 — „Wir finden es folgerecht und schön und mutig, daß die christgeborenen Freigewordenen keine Christen mehr sind und dies geradezu bekennen. Wir Juden wollen uns aber immer noch als Juden accentuiren. Ich weiß wohl, man sagt: „Der Christ hat eine Dogmatik, er muß etwas bekennen, wir sind Juden durch die Geschichte und die Geburt, das ist aber doch nur eine Ausflucht." 1875 brachte das ultramontane „Wiener Vaterland" einen mit hebräischen Lettern gedruckten Artikel zu den jüdischen Festen, voll gemeinen Judenhasses. Es ist — klagt Auerbach — eine ganz neue und tief bösartige Widersacherei gegen die Juden aufgekommen. Im November 1875 schreibt Auerbach: „Die jüdische Dorfgeschichte (Schluach Miziah) die ich jetzt vorhabe, thut mir besonders wohl. Das I. Kapitel spielt am Sabbath Nachmu und es singt sich nur jetzt noch am Abend die Melodie: Tröstet, tröstet mein Volk. Es ist vielleicht gerade jetzt gut, daß ich