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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1889-03-01 · Heft 3 (1.3.1889) · p. Seite 53

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
9 (1889)
Issue
Heft 3 (1.3.1889)
Date
1889-03-01
Page
Seite 53 (sequence 5)
Language
German
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53 Es giebt viele Juden, die bei Nichtanerkennung ihrer widrigen Persönlichkeit, ihres Halbtalents, ihrer Anmaßung, immer sagen: Ach ich werde zurückgestoßen und verkannt, weil ich ein Jude bin. Jetzt sagt Wagner: Meine Musik wird von einer geheimen Bande jüdischer Schriftsteller durch geheime Oberjuden öffentlich discreditirt, die Einen schimpfen auf mich, die Andren sind sogar so frech über mich zu schweigen und das Alles geschieht mir Armen eben, weil ich ein Nichtjude, vielmehr ein Christ bin. Ach, wie könnte man dem heimgeigen! warum ist kein Börne da? Eine eigenthümliche Nemesis liegt darin, daß Felix Mendelssohn als Jncarnation der Judenmusik von Wagner ausgestaltet wird. Ich verkehrte im Winter 45 bis 46 sehr viel mit Mendelssohn in Leipzig und ich kam von da an in ein Anfremdendes zu ihm, weil ich einstmals geradezu bei ihm eine entschiedene Abwendung von Allem, was die Juden betrifft, fand. Diese Periode ist freilich seine Berstimmungszeit. Und nun muß Mendelssohn die Judenmusik repräsentiren und er war in der That ein gläubiger Christ, wie auch Bendemann." Bei dem Festmahl des Vereins für arme jüdische Studirende am 13. März 1869 sprach Auerbach wiederum den Toast vor der Gabensammlung. „Ich war — schreibt er — sehr aufgeregt, aber ich hatte mir vorgenommen, maßvoll und bedachtsam zu bleiben. Ich konnte mich allerdings nicht enthalten, auf die stete Erneuerung des Judenhasses zu deuten und auf die Nothwendigkeit einer gewissen Solidarität. Dann aber machte ich Pessach und deutete das Brod des Elends und de» Becher für den Propheten Elias, diesen als Einschenken bei jedem Genüsse für den heiligen Geist der Erkenntnis und Wissenschaft!" Wenige Tage darauf erzählt Auerbach: „Wir hatten ein Abendessen, 20 bis 25 jüdische Gelehrte, alle ehemals Talmudbeflissene. Erörterungen und Mitteilung persönlicher Lebensereignisse voin Standpunkt des Allgemeinen. Jeder hatte so viel zu bringen und besonders Professor Steinthal war wieder so groß und klar und so wundersam einfach, daß es 1/s3 Uhr Morgens war und wir konnten uns kaum trennen. Ich habe nie eine Gesellschaft erlebt, in der es gehobener und inniger herging Es war ein Symposion ganz neuer Art." „Bei dieser Richard Wagner Geschichte — schreibt Auerbach kurz darauf — lernt man doch kennen, was geheim in der Welt steckt. Da steht in der Nationalzeitung ein Artikel von Gumbrecht, einem sonst feinen Musikkritiker, und er sagt, er stimme Wagner bei, daß den Juden das produktive Genie abgeht. Ist das nicht empörend? Und das von einem Volke sagen, das die Bibel geschaffen, an der sich die ganze gebildete Welt bis jetzt und wer weiß, wie lange noch bildet und ausbaut? Ach! ich wollte, ich könnte dreinschlagen und die ganze Erregung loslassen, daß immer und immer wieder eine Grundsuppe von Gemeinheit und Hochmut sich ausleert. Man muß sich Zusammenhalten, um nicht an der Welt zu verzweifeln, wenn man sieht, daß ein Giftbaum, den man endlich umgehauen glaubt, doch immer wieder neuen Wurzelausschlag treibt. Und das nennt sich 'christliche Liebe und freie Bildung und schönes Menschentum." Im Jahre 1869 waren die Juden in Westrußland der Hungersnot verfallen. Auerbach wurdeju der kunst- und freisinnigen Großfürstin Helene von Rußland in Berlin gerufen und trug ihr — Brief vom 14. Oktober — „die Judensache vor. Sie glaubte, es sei am Besten, wenn Auerbach mit einer Deputationnach Petersburg ginge, erklärte sich auch bereit, Cremieux zu empfangen." Cremieux war iu dieser Angelegenheit nach Berlin gekommen. Ueber eine Vorversammlung bei Ur. Neumann schreibt Auerbach: Cremieux empfing mich sehr herzlich, leider sprach ich mangelhaft französisch und er kein deutsch.

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