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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1889-03-01 · Heft 3 (1.3.1889) · p. Seite 52

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
9 (1889)
Issue
Heft 3 (1.3.1889)
Date
1889-03-01
Page
Seite 52 (sequence 4)
Language
German
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52 wieder Freude einziehen in das kaiserliche Haus! möge die Regierung des jugendlichen Kaisers eine glückliche und gesegnete sein und mögen die geistigen Bestrebungen, die eine Versöhnung der Getrennten, eine Verbrüderung aller Stände und Konfessionen zum Ziele haben, unter seiner Regierung stets wachsen, blühen und gedeihen! Werlhold Auerbach als Jude. Von Rechtsanwalt Emil Lehmann in Dresden. (Fortsetzung.) Ende 1868 übte Auerbach, wie er schreibt, — zuni Erstenmal in seinem Leben, das öffentliche Wahlrecht aus — bei der jüdischen Vorstandswahl in Berlin. „Natürlich füllte ich die liberale Liste aus. Die Wahl ist entscheidend für Berufung eines zweiten Geistlichen eventuell Geigers. Immer wieder zeigt sich's, daß kein Nachwuchs in der Theologie da ist, was wird daraus werden?" Kurz darauf schreibt er: „Gestern und vorgestern war ich zur Stimmenwerbung für Freund Geiger aus.*) O wie erbärmlich gehts in der Welt zu. Sie suchen nach Dingen zur Verunehrung des braven und tapferen Mannes und selbst Wohlwollende sagen noch: er ist zu alt um noch berufen zu werden. Also man läßt einen Mann sich abarbeiten und Jahrzehnte lang sich bewähren und dann sagt man °- Du bist jetzt zu alt, Du bist bald unfähig. Ich habe meiner vollen Empörung Luft gemacht und ich glaube, daß sich Einige doch schämen werden, den Altersvorwurf nochmals vorzubringen." Geiger wurde zum Rabbiner in Berlin gewählt und hielt im Januar 1870 seine Antrittsrede. Auerbach schreibt darüber: „In der Vorhalle der Synagoge umarmten sich die Menschen in Wonne. Alles war entzückt und beglückt, die Freigesinnten triumphirten, auch die widersacherischen Orthodoxen schienen umgestimmt." 1869 schrieb Auerbach über Moritz Hartmann's Tod: „Eine feingebildete Natur. Nur that inir immer wehe, daß er den Juden so verhehlte und er war doch eine innige, familienhaltige Natur." Ueber Richard Wagner's „Judentuni in der Musik" spricht sich Auerbach 1869 so aus: „Noch wunderbarer als die zähe Erhaltung der Juden in der Geschichte ist die zähe Erhaltung und der Stoffwechsel des Judenhasses. Und eines muß man Wagner lassen, er weiß Wahres und Falsches unter bewußt Falsches oder Gefälschtes zu mischen und darum ist die Sache gefährlicher und giftiger als sie aussieht, und läßt sich damit nicht abthun, daß man sagt, das geht vorüber, man wird bald sehen, daß Wagner nur aus Gift und Neid so geschrieben. Nein, es steckt da noch etwas, was man voll und ganz erkennen und herausheben muß. Ich persönlich hätte einen besonderen Grund zur Erwiderung. Auf Seite 55 spricht Wagner von mir. Wir lebten in Dresden viel zusammen und verkehrten auch später in Briefen. Er spricht nun zwar sehr gütig unb freundlich achselklopfend von mir, aber da könnte ich ihm dienen. Denn er liigt in dein, was er sagt, und nicht unabsichtlich. Ich hätte aber Eduard Devrient zum Zeugen. Und dann möchte ich ihm zuletzt sagen: *) Schon 1839 schrieb Auerbach: Ich habe Geiger von Herzen gern, wir haben uns sehr befreundet, er ist grundbrav, fest und männlich und dabei so lieb.

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