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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1889-03-01 · Heft 3 (1.3.1889) · p. Seite 51

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
9 (1889)
Issue
Heft 3 (1.3.1889)
Date
1889-03-01
Page
Seite 51 (sequence 3)
Language
German
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51 geistigen Güter, die frevelhaft bei Seite geworfen wurden. Die Kleinodien der Judentums haben wir an einen sicheren Ort gebracht, damit man später auf ihn hinweisend sagen kann: Seht! nicht untergegangen ist die jüdische Geisteswelt, sie ist noch da und legt laut Zeugnis ab von dem edlen Kerne, der sie erfüllt, er ist noch da, dieser alte Edelstein, dessen Feuer sich in seinen beiden Tochterreligionen abstrahlt. Wir haben nun zehn Jahre unermüdlich, unentwegt edle Ziele angestrebt und wir dürfen es mit Stolz hier aussprechen: Unser Verein und unser Organ stehen heute einzig da, in ausdauernder opferfreudiger Befolgung und Hingebung an die freiwillig übernommenen hohen Verpflichtungen ungeachtet der vielen Hindernisse, die zu überwinden, des Widerstandes, der zu besiegen und vieler Fallstricke, denen zu entgehen war, um einen geistig unabhängigen Verein wie den unseren auf der Höhe seiner Idee zu erhalten. Meine Herren! Ich habe noch einen Mitarbeiter zu erwähnen, der am 9. Dezember 1888 gestorben und dessen Andenken fortab mit unserem Vereine für alle Zeiten verknüpft sein soll, ich meine Herrn Rabbiner Dr. Benjamin Hochstädter, der seit dem Bestehen des Vereins demselben mit Begeisterung anhing. Die von ihm in unserem Vereine gehaltenen Vorträge sind sämmtlich im Drucke erschienen. Ich bitte Sie, meine Herren! zum Zeichen ehrenden Gedeirkens an ihn sich von den Plätzen zu erheben. In kindlicher Pietät hat dessen einziger Sohn, Herr David Hochstädter hier, ans eine ihm gewordene Anregung hin, die Bibliothek des Verstorbenen, über 1000 wertvolle Bände umfassend, dem Mendelssohn-Verein als Geschenk überwiesen, die jetzt mit den bereits von unserm verehrten Vorstandsmitgliede Herrn l>r. Maas und Herrn Professor Stern in Göttingen und von Andern uns zugewiesenen Büchern den Grundstock einer Bibliothek unseres Vereins bilden sollen. Wir sind besonders unserem verehrten Vorstandsmitgliede Herrn Gustav Nathan zu großem Danke verpflichtet; denn es bedurfte nur einer leisen Anregung und er bot seinen ganzen Eifer auf, um die Bibliotheksangelegenheit so rasch und so günstig für uns zu gestalten. Wir sind dadurch in der angenehmen Lage, nachdem wir im abgelaufenen Jahre vergebens wiederholt eingehende schriftliche Unterhandlung wegen Ankaufs der äußerst wertvollen Zunz-Bibliothek an maßgebender Stelle gepflogen, nun endlich auch nach dieser Richtung hin einen Gedanken unseres Vereins zur Ausführung zu bringen. So wollen wir uns denn zu neuer Arbeit rüsten und mit verdoppeltem Eifer in das zweite Jahrzehnt unserer Wirksamkeit treten, wir wollen uns eifrig schaaren nm das Banner Moses Mendelssohns, der das Judentuin in ähnlichen Zeiten aus seiner entstellten, verkrusteten Form befreit hat, an die Propheten, die in Israel zwar gelesen, aber noch immer geschändet werden und an ihren Geist niiissen wir wieder anknüpfen, ihre erleuchteten humanen, die ganze Welt umfassenden Grundsätze zur Geltung bringen.-Ja wir sind berufen und verpflichtet den Aufschwung, den das Judentum durch Moses Mendelssohn gewonnen, fortznleiten und ausznbauen, und wir können das nicht besser thun, als wenn wir unserem Verein stets treue, hingebende, lebendige Mitglieder sind und bleiben und für seine Erstarkung und Ausbreitung stets eifrige Thätigkeit entfalten. Wir schließen unseren heutigen Vortrag am Vorabend des Geburtstages Sr. Majestät unseres Kaisers Wilhelm II. und nachdem wir im abgelaufenen Jahre zweimal der tiefen Trauer Ausdruck geliehen, die uns ob des Heimganges zweier großer Fürsten erfüllte, wollen wir jetzt in die Freude miteinstimmen, die die Herzen aller seiner Unterthanen durchzieht. Möge nach kummervollen Tagen 5*

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