Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 9 (1889)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1889)
- Date
- 1889-03-01
- Page
- Seite 50 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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50 vollzogene Thatsache mitgeteilt, da auf anderem Wege die verschieden geäußerten Bedenken nicht zu überwinden waren. Und siehe! dieser Schritt war Gott sei Dank! von solchem Erfolge gekrönt, daß wir nach den notwendig zu erledigenden Vorarbeiten am 18. Juni 1879 die erste Versannnlung der Mitglieder einberufen konnten, in welcher sich zeigte, daß der Gedanke in weiteren Kreisen Wurzel geschlagen und Begeisterung geweckt hat. In der Zeit vom 18. Juni bis zum 6. September 1879 wurde von dem erwählten Vorstande rüstig gearbeitet und am 150. Geburtstage Moses Mendelssohns wurde der seinen Namen tragende Verein feierlich eröffnet und seiner Bestimmung übergeben, unter großer Teilnahme seitens der hiesigen auch nichtjüdischen Bevölkerung. Meine Herren! Wir haben zehn Jahre harter Arbeit, aber fügen wir gleich hinzu, reichen geistigen Erfolges hinter uns. Ich wiederhole es, reichen geistigen Erfolges, wenn auch die Darlegung unserer materiellen Verhältnisse, in Ziffern und Zahlen ausgedriickt, die Bezeichnung „reich" gerade völlig ausschließt. Aber das ist eben der Vorzug eines Vereins wie des unseren, der ein ideales Streben verkörpert, daß er als eine geistige Macht groß ist in sich und durch sich selbst, unabhängig von der Teilnahme, die ihm gewährt oder versagt wird. Schon im ersten Jahre seines Bestehens war es uns klar geworden, daß man dem Mendelssohn-Vereine einen erweiterten, das ganze Judentum besonders in seinen geistigen Beziehungen zu den anderen Konfessionen umfassenden Gedanken einhauchen müsse, nm ihn als Sache des Gesanimtjudentuins in weitere Kreise hinauszutragen und ihm eine Bestandfähigkeit zu verleihen, an der seine Gegner nicht so leicht zu rütteln vermögen. Und das ist uns auch durch das uuter großen Opfern und Schwierigkeiten ins Leben gerufene Vereinsorgan, das nun in das neunte Jahr seiner Wirksamkeit eingetreten ist, vollauf gelungen. Unser Streben und Wirken hat Anklang, Teilnahme nnd Anerkennung gefunden in dem Kreise edler und bessergesinnter, aufrichtig eine Entwicklung und Neubelebung des Judentums anstrebender Männer, die es gleich uns fühlten, daß das Judentum seinem eigentlichen Wirkungskreise, der Menschheit, voll und ganz widergegeben, daß der Alp des Ghetto von uns genommen werden müsse, daß wir wieder frische Bergluft des Prophetentums einatmen müssen. Schon die bloße Aufzählung der Namen der Mitarbeiter von hier und auswärts*), die mit uns in Wort und Schrift an der Hebung unseres Vereines und seiner Ideen gearbeitet haben und denen wir zu aufrichtigstem Danke verpflichtet sind, hat Ihnen klarer denn alle Worte gezeigt, wie weit unser Kreis sich hindehnt und unsere Wirksamkeit sich erstrecket. Sie sehen, meine Herren! wie unser Verein getragen und gestützt war von der Teilnahme der geistigen Elite der Juden in der Gegenwart und wir können die feste Hoffnung hegen, daß bewährte Kräfte uns auch ferner in unserem guten Werke stützen werden. Diese edlen Männer von Außen, die uns in höchst uneigennütziger Weise zur Seite gestanden, sind uns ein Zeichen, daß der Baum des Judentums noch nicht in seinem innersten Mark dem Siechtum verfallen sei. Ja unser Mendelssohil-Verein hat das große Verdienst, hohe Ziele mit Erfolg angestrebt und geistige Kräfte getveckt zu haben, die das Judentum vor seinen eigenen und seinen fremden Feinden zu schützen verstehen, er hat eine neue Zeit mit vorbereiten helfen, er ist eine Zufluchtsstätte geworden für die gefährdeten *) Es wurde ein Verzeichnis sämmtlicher Mitarbeiter der Monatsbliitter vorgelesen.