Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 9 (1889)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1889)
- Date
- 1889-02-01
- Page
- Seite 47 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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- Odesa 2× ep/1000834
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47 in Not befanden. — In Floren; starb der Oberrabbiner Herr A. Maroni im 80. Lebensjahre. — Herr Dr. Malaterra, ein katholischer Geistlicher, schreibt in der Einleitung zu seinem Werke „Siritto morale“: In keinem Buche der Alten findet man folgende drei große Ideen klarer entwickelt als in den heiligen Büchern der Juden, nämlich die Idee von Gott, die Idee der Moralität nnd die der Unsterblichkeit, welche die ganze Wissenschaft umfassen. Aus keinem Buche kann man füglich besser ein weises Sittengesetz zusammenstellen, als aus der Bibel. — Am 11. Dezember starb in Gdessa Herr Rabbiner Dr. Simon Leon Schwabacher, früher Rabbiner in Landsberg a. d. Warte und Prediger in Lemberg. Er trat im Jahre 1860 sein Amt als Stadtrabbiner von Odessa an und haben seine Kanzelreden bei Juden und Nichtjuden großes Aufsehen erregt. Minister Tolstoi, Graf Stroganoff und andere hervorragende Männer besuchten oft den Tempel um seinen Reden zu lauschen. Schwabacher ragte über alle Rabbinen Rußlands, die schwachen Herzens und zaghaften Sinnes sind, durch seinen Charakter und seinen Geist weit hervor. Schärfe des Verstandes, reiche Gelehrsamkeit und seltene Herzensgüte standen ihm in seiner Wirksamkeit zur Seite und war seine Berufung nach Odessa für die Gemeinde, die er eigentlich erst organisirte, von unschätzbarem Segen. Am 13. Dezember fand sein Leichenbegängnis statt. General-Gouverneur von Koop erschien persönlich, Statthalter Admiral Selenoi, Bürgermeister Geh. Rat v. Marasty und Andere haben prächtige Kränze an den Sarg gelegt. An 15000 Menschen beteiligten sich an dem Leichenbegängnisse. Grabreden hielten Herr Vorsteher Lullch, Advokat W. Margulies und einige Sudenten. Man sah Greise an dem Sarge Schwabachers weinen, doch alle Thränen sind nicht im Stande, die Schmach abzuwaschen, die die jüdische Gemeinde Odessa sich selber angethan, dadurch, daß sie einige Monate vor seinem Tode einen der edelsten und geistvollsten Vertreter des Judentums nach mehr als 25 jähriger segensreichen Wirksamkeit durch die Berufung eines anderen Rabbiners, der ihm in keiner Weise gleichsteht, gekränkt und mißhandelt hat. Wenn Israel so seine Propheten behandelt, dann kann es bei den Völkern, die auch ein wachsames Auge für die inneren Zustände des Judentums haben, nicht an Achtung gewinnen. Wir werden unserm seligen Freunde Schwabacher, der unser» Bestrebungen mit Wärme und Begeisterung folgte und zu dem wir bei seinem Aufenthalte in Frankfurt a. M. in nähere freundschaftliche Beziehung traten, ein ehrendes Andenken stets bewahren. Möge seine Familie Trost darin finden, daß ihren Schmerz uni den Heimgegangenen die Besten in Israel tief Mitempfinden. Weferate und Mtteitmrgen. Der erste Band der von der historischen Commission des israelitischen Gemeindebundes herausgegebenen „Quellen zur Geschichte der Juden in Deutschland" enthält das Judenschreinsbnch der Laurenzpfarre zu Köln, unter Mitwirkung von Moritz Stern herausgegeben von Ködert Königer (Berlin Simiou 1888). Die die Zeit von 1255 bis 1347 umfassenden Beurkundungen über den Grundbesitz der Juden in Köln, die, soweit sir von letzteren ausgingen, hebräisch abgefaßt wurden, enthalten zahlreiche interessante Angaben über Persönlichkeiten und Verhältnisse jener Zeit. Die Edition ist mit aller nur mög-