Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 9 (1889)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1889)
- Date
- 1889-02-01
- Page
- Seite 43 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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43 sehr interessante und wichtige Piecen. — Die „Indischen Erzählungen" von Sachor Masoch erscheinen in Maris ini Verlage von Guantin in illustrirter Ausgabe. — „Der Deutsch-Israelitische Gemeinde-Bund und sein Wirken, Vortrag, gehalten im Mendelssohn-Verein in Frankfurt a. ft. am 17. April 1888 von Dr. Adolf Kriill" ist in zweiter Auflage erschienen. — Es ist uns aus Krrlin zugegangen: Bericht des Akadem. Vereins für Jüdische Geschichte und Litteratur über das Sommersemester 1888, erstattet vom Vorstand. Hervorzuheben sind die in demselben gehaltenen Vorträge über Gabriel Riester, über Mischnah, Boraitha und Tofefta, und über die religiösen Bräuche und Satzungen der Samaritaner. — Am 27. November hielt Herr Rechtsanwalt Emil Lehmann in Dresden im Brüder-Verein daselbst einen Vortrag über das Thema „Aus dem Schriftschatz der Juden." — Die Direktion des israelitischen Waisenhauses in Mofen hat den fünfzigsten Jahresbericht ausgegeben. In» Ganzen werden in der Anstalt 18 Waisenknaben erzogen. Die Einnahmen im abgelaufenen Jahre betrugen Mk. 24689, wovon 12209 Mk. verausgabt wurden. — In Berlin hat ein Herr Hirsch der jüdischen Gemeinde 180000 Mk. letztwillig vermacht. — Der Verfasser des antisemitischen Katechismus Herr Theodor Fritsch in Leipstg wurde am 1. Dezember wegen Beschimpfung des Judentums zu einer Woche Gefängnis verurteilt. — Das Gnadengesuch des Lehrers Fenner, welcher in Marburg wegen Beschimpfung der jüdischen Religion zu Gefängnisstrafe verurteilt wurde, ist abschlägig beschicken worden. — Herr Rabbiner l)r. Mayer in Zmeibriicken hat unter dem Titel „Antisemitismus in der Pfalz?" einen offenen Brief an die Pfälzische Presse gerichtet, in welchem er die in letzter Zeit von derselben ausgehenden Angriffe auf Juden und Judentum zurückweist. - Die Israeliten in Mutterstadt wollten ihren Friedhof in der Nähe des christlichen anlegen lassen. In einer Petiton, gerichtet au die Gemeindevertretung, welche zu diesem Zwecke sogar einen Platz zur Verfügung gestellt hat, wird dringend gebeten, die Anlage eines israelitischen Friedhofes in der Nähe des christlichen nicht zu gestatten. — In der am 28. November in Kebra stattgehabten Verhandlung des Hesfen-Cassel'schen Darlehenskassen-Verbandes konnte Freiherr von Schleinitz mit seinen antisemitischen Bemerkungen keinen Erfolg erzielen. Es wurde auf Spanien hingewiesen, >vo gewuchert wird, ohne daß Juden im Lande wohnen. Es wurde ferner der Satz ausgesprochen: Man sucht die Wucherer in der einen Religion, man findet sie aber ebenso gut in den anderen Religionen. — Vor einiger Zeit tauchte die ungeheuere Verleumdung auf, der verstorbene französische Minister Crämieur, der Vorsitzende der Alliance israelite, habe eine Million bereit gestellt, für einen Mörder Kaiser Wilhelms I. Ein Breslauer Antisemit hatte — aus Unkenntnis oder Bosheit — dieses Märchen öffentlich unter Beifall aufgetischt und wollte damit nur einen neuen Beweis für die Nichtswürdigkeit aller Juden und der mit ihnen verbündeten Freisinnigen beibringen. Aus deutschen Zeitungen ist die Behauptung dieses Herren in französische Blätter übergegangen und ein Frennd der Familie Cremieux glaubte, es sei eine Pflicht seiner einzigen Tochter, den Breslauer Redner wegen Verleumdung ihres Vaters zu verklagen. Frau Mathilde Peigne-Cremieux antwortete darauf in einem Schreiben, das wir hier in deutscher Uebersetzung wiedergeben: „ Mein Vater war, so lange er lebte, wie alle in der Oeffentlichkeit wirkenden Männer, der Verleumdung ausgesetzt. Aber er hat sie immer verachtet, indem er sich begnügte mit der Achtung und der Liebe derjenigen, die ihm nahe standen. Niemals wäre es ihm in den Sinn gekommen, einen Verleumder zu verfolgen, und ich glaube, daß ich es seinem An- 4*