Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1889-02-01 · Heft 2 (1.2.1889) · p. Seite 44

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
9 (1889)
Issue
Heft 2 (1.2.1889)
Date
1889-02-01
Page
Seite 44 (sequence 20)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2969669-2969768-2969771--2501-2972686
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

44 denken schuldig bin, so zu handeln, wie er selbst gehandelt hat. Was die gegen ihn in Breslau erfundene gehässige Verleumdung betrifft, so wird sie Niemand, sei er ein Deutscher oder ein Franzose, glauben. Mein Vater hat mit allen seinen Kräften, gemäß seiner Pflicht als Franzose und als Mitglied der Regierung, an dem Werke der nationalen Verteidigung sich beteiligt, aber er würde sich und sein Vaterland zu entehren geglaubt haben, wenn er zu einem Meuchelmord ermutigt hätte. Eine solche Infamie lohnt nicht der Verfolgung, sie verdient nur — Verachtung." — Fürst Sismarck antwortete der theologischen Fakultät der Universität in Gießen, anläßlich seiner Erneniiung zum Ehrendoktor der Theologie. „Wer sich der eigenen Unzulänglichkeit bewußt ist, wird in dem Maße, in welchem Alter und Erfahrung seine Kenntnis der Menschen und Dinge erweitern, duldsam für die Meinung Anderer". Der Herr Reichskanzler "versteht es, den Empfindungen der Volksseele in packender Form Ausdruck zu geben. Seine Mahnung zur Duldsamkeit ist eine Verurteilung der Unduldsamkeit, die die Geister verwirrt und die Herzen entfremdet. — In dem jüngst erschienenen Buche: „Die Vorgänge der inneren Politik seit der Thronbesteigung Kaiser Wilhelms II." (Berlin, Georg Reimer) heißt es: Herr Stöcker wendet sich an den selbstsüchtigen Instinkt der Zuhörer, an das gemeine Bedürfnis des Hasses und an den gemeinen Glauben, daß die Ursache aller Uebel irgendwo verkörpert sein müsse, so daß man sie mit einem Schlage zertrümmern könne. Alles Uebel kommt von den Aristokraten und ihren Helfern, sagte man 1793; alle Uebel kommen von den Juden und Judengenossen, sagt Herr Stöcker. Wenn die Macht der Juden gebrochen ist, oder wenn sie aus dem Lande vertrieben sind — Herr Stöcker sagt nie, was er mit den Juden vor hat — dann soll ein Paradies errichtet werden, von dem Herr Stöcker einige Umrisse zeichnet. Als unentbehrliche Kräfte soll es da ein Königtum, orthod. Protest. Prediger und Zünfte geben. — Die Geisteserzeugnisse der Dichtung und Wissenschaft sind auszusperren. Wenn wir uns die Regierung des deutschen Volkes auf dieser Bildungshöhe und von diesem Gesichtskreis umfangen denken, so überkommt uns Frost und Fieberglut. Es hat damit keine Not. Aber die Schichten unserer Nation, welche unserem geistigen Adel sich verwandt fühlen und aus seinen Schöpfungen ihr Seelenleben nähren, die können auf ihren Schild nicht Herrn Stöcker erheben, sei diese Erhebung auch nur als Demonstration gemeint. Ebensowenig darf die Regierung auch nur einen Tag den Schein annehmen, Herrn Stöckers Banner zu folgen, denn die ganze deutsche Bildung würde sich bedroht fühlen. — Aus Prag wird uns geschrieben, daß Herr Regierungsrat Professor Dr. 5. Kämpf sich in Folge vorgeschrittenen Alters und aus Gesundheitsrücksichten entschlossen habe, nach 43-jähriger rühnilichster Thätigkeit als Prediger und Rabbiner der Tempelgemeinde in den Ruhestand zu treten. Nachdem die zum Zwecke der Genehmigung dieses Entschlusses einberufene Generalversammlung der Tempelmitglieder hierzu, unter ehrender Anerkennung der großen Verdienste, die sich Herr Professor Dr. Kämpf erworben, zugestimmt hat, ist die Kanzel dieses Gotteshauses neu zu besetzen und steht zu erwarten, daß dieselbe mit einer hervorragenden Persönlichkeit besetzt werden wird, welche alle Eigenschaften einer glänzenden Rednergabe besitzt, um das Ansehen dieser altehrwürdigen Gemeinde, die in Bezug eines würdevollen Gottesdienstes bisher an der Spitze stand, auch weiter in Ruhm und Ehre zu erhalten. Der neue Tempel sowie auch das neuangebaute Vereinshaus des Vereins für geregelten Gottesdienst der Israeliten in Prag be-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.