Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 9 (1889)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1889)
- Date
- 1889-02-01
- Page
- Seite 39 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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39 Arbeiter, wodurch keine Arbeit ein Makel treffen kann; ist die Arbeit nicht nur religiös zulässig, sondern der höchsten Pflichterfüllung gleichgestellt, ja gewissermaßen ihre Stütze und Grundlage, so daß die Religion als Schätzerin der Arbeit und der Arbeiter sich aufstellt und so manche Vergünstigung gewährt, dann ist die Arbeit geadelt und geweiht, das beste Heilmittel oder richtiger noch Schutzmittel vor Verarmung und macht die Wohlthätigkeit überflüssig. Erst wenn die Arbeit unmöglich, muß die Wohlthätigkeit ihre Hilfe bringen. Wohlthiitigkeil. Die Wohlthätigkeit soll der Geburtsadel Israels sein, so daß jeder seine echte Abstaminung von Abraham durch Wohlthätigkeit beweist *) und Mitleid ist ein Merkmal, das seinem Charakter bleibend anhaftet.2 ) Die Wohlthätigkeit gilt darum als das vollkommenste Zeichen der Gottesverehrnng. Das Opfer, das älteste Zeichen der Opferwilligkeit und Hingebung an Gott, wird durch die Wohlthätigkeit übertroffen, denn diese steht höher bei Gott wie es heißt (Sp. 21, 2): „Wohlthaten und Recht üben ist Gott werter als Opfer bringen".3) Die Versorgung und Verpflegung der Armen gilt so viel als die Darbringung der Erstlinge im Tempel.4) Das Ueberlassen der Ecke des Vergessenen und der Nachlese den Armen ist ein gleiches Verdienst wie die Darbringung der vorgeschriebenen Opfer im Tempel.5) Die Liebe, welche die Menschen einander erweisen, haben bei Gott mehr Wert als alle Opfer, welche Salomo tausend an Zahl darbrachte.(1) Wer einem Menschen das Mitleid versagen kann, der gleicht einem Götzendiener, einem, der sich vom Gehorsam gegen Gott losgesagt hat.7) Dem Wohlthun sich ferne halten, heißt Götzen dienen.8) Selbst Frevler, wenn sie durch Wohlthätigkeit das einzige Verdienst im Leben erlangt haben, werden in der Ewigkeit nicht vom Anblicke der himmlischen Majestät verstoßen.!l) Liebe und Wohlthaten üben wiegt die Bethätigung der ganzen Religion auf. 10) Darum sind diese auch die besten Flirsprecher für die Menschen vor dem Throne Gottes.") Denn drei Freunde hat jeder Mensch im Leben. Diese sind die Angehörigen, sein Vermögen und seine Wohlthaten. Soll der Mensch aus dem Leben scheiden, so wendet er sich zunächst an seine Angehörigen mit der Bitte, ihn von den Schrecknissen des himmlischen Gerichtes zu befreien. Sie schlagen diese Bitte mit der Begründung ab, daß des Menschen Macht nicht übers Grab hinaus reicht. Auch sein Vermögen und sein Besitz, dem er seine Arbeit und seine ganze Sorge gewidmet, kann seinen Wunsch nicht erfüllen. Da ruft er seine Wohlthaten an: Rettet ihr mich vom ewigen Tode und steht mir bei in meiner Not! Sie sprechen ihm Mut und Trost zu: Gehe nur in Frieden, ehe du noch vor dem himmlischen Richterstuhle angelangt sein wirst, werden wir daselbst deine Fürsprecher sein, wie es heißt: „Dein Wohlthun geht dir voraus" (Jes. 58. 8i.12) Die Erlösung Jerusalems uns Israels erfolgt nur durch die Wohlthätigkeit.13) Die Wohlthätigkeit ist ein Mittel ein hohes Greisenalter zu erlangen und vom Tode zu erretten.w) Samuel und ein Astrolog saßen zusammen und sahen Männer, welche um Schilfgras zu schneiden giengen. Der Astrolog deutete auf einen Mann, welcher von seinem Gange nicht heimkehren werde, weil er durch einen ') Talm. Bcmch. 32. s) Jebam. 79. 3) S»ccah 59. 4) 3er. Peah K. 4. ■’) Sisra zu 23, 22. “) Jlilknt Hosen K. 522. 7j Jalk. 897. “) .tt'etlw». (18. ») M. Tillim 17. ‘"j Jer. Peah St. 4. ->) Sifre zu 24, 13. “) Jalk. Jes. 854. Sab». 139; Jes. 1, 27. «) Spr. 15, 31; 10, 2.