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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1889-02-01 · Heft 2 (1.2.1889) · p. Seite 37

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
9 (1889)
Issue
Heft 2 (1.2.1889)
Date
1889-02-01
Page
Seite 37 (sequence 13)
Language
German
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37 noch davon und wo nicht, so habe ich für meine Kinder gearbeitet, wie meine Eltern für mich. Erlebst du noch die Zeit, da der Baum Früchte tragen wird, laß mich es wissen, verlangte Hadrian. Der Alte fand sich auch wirklich nach drei Jahren im kaiserlichen Palaste mit einem Körbchen Feigen ein und erinnerte den Kaiser an seinen Wunsch. Der Kaiser ließ zum Erstaunen seiner Hofleute dem Alten das Körbchen mit Goldstücken füllen mit der Bemerkung: Sollte ich den nicht ehren, den sein Schöpfer so besonders geehrt? \) Dieses Arbeitsbedürfnis war den Jndeil anerzogen durch die überlieferte Lehre: Gott ließ den Israeliten sagen: Wenn ihr nach Kanaan kommt und das Land reich an Lebensmitteln findet, denket ja nicht, wir können uns jetzt gemütlich der Ruhe überlassen und brauchen bei dem vorhandenen Reichtum nicht mehr zu arbeiten, sondern arbeitet fleißig, und wie ihr bei eurem Eintritte Pflanzungen, die andere für euch gepflanzt haben, gefunden habet, so pflanzet auch für eure Kinder. Niemand sage: Ich bin bereits alt, wie lange kann ich noch leben, was soll ich für andere mich plagen und anderen die Früchte meines Fleißes überlassen. Aus eben diesen Gründen hat Gott den Menschen den Todestag in Dunkel gehüllt, damit jeder unausgesetzt strebe und arbeite, und was er nicht selbst genießen kann, anderen überlasse.2) Die Religion, welche die Arbeit dem Menschen dringend ans Herz legt, steht dem Arbeiter auch schützend zur Seite. „Behalte nicht den Arbeitslohn des Taglöhners bei Dir bis an den Morgen" (Lev. 19, 13). „Du sollst nicht den Lohn vorenthalten dem Taglöhner, demArmen nudDürftigen, von deinenBrüdern, oder dem Fremdling, der in deinem Lande, in deinen Thoren lebt. An demselben Tage gieb ihm den Lohn, und es soll nicht die Sonne darüber untergehen; denn ein Armer ist er und danach langet seine Seele; daß er nicht rufe über dich zum Ewigen und an dir eine Sünde sei" (Deuter. 24, 14). „Sprich nicht zu deinem Nächsten: Gehe und komme wieder und morgen will ich geben, wenn du es hast" (Sp. Sal. 3, 28). Wer den Lohn eines Arbeiters zurttckbehält, begeht ein Verbrechen, das so schwer wiegt, als würde er ihm das Leben nehmen.3) Es ist ein Vergehen gegen ein fünffaches Gebot der Schrift; der Verlust des eigenen Vermögens ist meistens die gerechte Strafe dafür."') Auch die talmudische Rechtslehre steht dem Arbeiter zur Seite, wenn er bei der Arbeit einen Schaden anrichtet, daß er, wenn es nicht aus Leichtsinn geschieht, nur die Hälfte des Schadens zu ersetzen braucht. Einst nahm Rabba b. Chanan den Trägern, welche ihm ein Faß Wein zerbrachen und auslanfen ließen, da sie nicht zu bezahlen hatten, ihre Kleider weg. Sie klagten bei Rab. Dieser verurteilte ihn zur Rückgabe der Kleider. Ist das so Rechtens? fragte jener. Gewiß, antwortete Rab, denn es heißt: Gehe du den Weg der Guten (Sp. Salom. 2, 20), d. h. beschränke dich nicht auf das Recht und übe Billigkeit. Rabba gab die Kleider zurück. Die Arbeiter machten nun geltend, daß sie arm seien, den ganzen Tag gearbeitet hätten und nun nichts zu essen hätten und hungern müssen. Rab forderte Rabba auf, ihnen auch den Lohn zu geben. Ist das Gesetz? fragte Rabba. Ja wohl, sprach Rab, denn es heißt: „Befleißige dich der Wege der Frommen" (ebend). 6) R. Huna wurden vierhundert Faß Wein sauer. Um ihn über seinen Verlust zu trösten, besuchten ihn seine Genossen. Gesprächsweise ermahnten sie ') Midr. Tanch. Lev. zu K. 19, 23 «. Rabba ebend. *) Tauch, a. a. O. a) Baba mezia 112. 4) ebend. 6) Succach 29. u) ebend 83.

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