Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 9 (1889)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1889)
- Date
- 1889-02-01
- Page
- Seite 36 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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36 hängt davon ab, wie du sie selbst betrachtest! Sagst Du so: „Wer hat Jesum verfolgt? — Die Juden. Wer hat ihn verworfen? — Die Juden. Wer hat ihn an's Kreuz gebracht? — Die Jude«"? Oder suchst Du vielmehr darauf hinzuweisen, wie so mancher Israelit ohne Falsch den Heiland erwartete und willkommen hieß, wie die Jünger um seinetwillen alles verließen, ihm nachfolgten und im Missionsdieust au der Völkerwelt bereitwillig ihr Leben in die Schanze schlugen? Ja, meine Lieben, erweitern wir dem Heranwachsenden Geschlecht von vorn herein den Blick zum Verständnis der Geschichte Israels, zeigen wir, wie auch in Israels Unglauben und in der Kreuzigung Jesu Gottes Hand die leitende war, — dann werden auch unsere Kinder, anstatt die Juden als Mörder des Heilandes anzuklagen, an die eigene Brust schlagen und bekennen lernen: „Das Heil kommt von den Juden!" I)ie sociale Krage im Judentum?) Von Di-. Adolf Kurrein, Rabbiner und Prediger in Teplih. Die Arbeit bringt den« Menschen einen moralischen Segen, die Zufriedenheit. Erst wenn der Mensch das Bewußtsein hat, sein Eigenes, das mühsam Erworbene, den Fleiß seiner Hände zu verzehren, hat er die rechte Befriedigung vom Genuß. *) Diese Befriedigung über das Eigene und Selbstgeschaffte bewahrt ihn vor mancher Sünde, vor Neid, Eifersucht, Mißgunst, Diebstahl und Raub.2) Aus diesem Umstand hat es Gott in die Menschennatur gelegt, daß jeder besondere Vorliebe für sein Gewerbe habe und dieses ihm am besten gefällt.3) Eben darum soll auch jeder das von den Eltern erlernte, ererbte Handwerk weiter führen und nicht das seines Nächsten zu betreiben streben.^) Ja wenn ein Ort mit Arbeitern genügend versorgt ist, verbietet das Gesetz die Aufnahme von Konkurrenzarbeitern.ä) Die Arbeit wird zum Segen für die gegenwärtigen und künftigen Geschlechter, weil die Liebe zur Arbeit den Menschen nicht nur selbstsüchtig für sich, sondern selbstlos und uneigennützig auch für andere schaffen läßt. Der Sohn Onias hameagel's fand einst eine» Mann, der einen Johannisbrotbaum pflanzte. Weißt denn du, daß du noch 70 Jahre leben wirst, um von den Früchten dieses Baumes, welcher so lange zum Reifen der Früchte braucht, noch zu genießen? Ich, versetzte jener, fand diese Bäume bereits vor, wie meine Väter für mich sie pflanzten, so will ich auch für meine Kinder ein gleiches thun.6) Fast mit denselben Worten sprach ein Jude in Palästina zu Kaiser Hadrian. Dieser auf seinen Zügen durch Asien traf einen Mann, der Feigenbäume pflanzte. Hadrian redete ihn an mit den Worten: Du bist bereits ein Greis und arbeitest mit schwerer Mühe und Plage, diese Feigenbäume zu setzen, hättest du in deiner Jugend gearbeitet, brauchtest du wohl im Alter nicht zu arbeiten. Ich arbeitete in der Jugend und arbeite auch im Alter. Wie alt bist du jetzt? fragte Hadrian weiter. Hundert Jahre, war die Antwort. Und hundert Jahre alt, sprach Hadrian, denkst du noch von den Früchten dieses Baumes zu essen? Gibt mir Gott das Glück, erwiderte der Greis, so esse ich Siehe Jahrgang VIII. S. 232. «) Aboth b. R. Natan c. 31. ») Midr. Gedol. ») Berach. 43. 4) Erach. 16, Synhedr. 80. 5) Baba bathra 21. °) Taanith 23.