Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 9 (1889)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1889)
- Date
- 1889-02-01
- Page
- Seite 35 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2969669-2969768-2969771--2492-2972677- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Barmen 1× ep/1044134
OCR text
35 mudstudium obgelegen hatten, erkannte es, daß die geistige Führung einer jüdischen Gemeinde noch andere Kenntnisse erheische und fanden, indem sie auf der allerdings steilen Bahn der Autodidaktie das Versäumte nachholten, sich soweit in die Anforderungen der veränderten Zeitverhältnisse hinein, daß sie selbst eine bei ihnen nicht vorausgesetzte Gewandtheit in der deutschen Kanzelberedsamkeit erlangten. Die Predigt wurde in den Gemeinden Böhmens und Mährens bald heimisch und allmühlig wurde in denselben auch mehr oder minder der synagogale Kultus nach deni Muster des Wiener Tempels modernisirt. Das Keil kommt von den Juden. Aus einer Rede des Herrn C. Wagner, Pastor der deutschen evang. Gemeinde in Sydcnham, gehalten in der Friedenskirche zu Barmen. (Schluß.) —-Und noch jetzt besteht des Heilands Wort in Kraft: im letzten Grunde sind die Inden die Heils-Vermittler der Welt geblieben. Woher nehmen denn die Deutschen, Engländer und Amerikaner und andere Völker die Mittel zur Mission und Evangelisation? Vermögen sie aus Eigenem zu schöpfen? Meine Lieben, ihr wißt: es ist das von den Inden empfangene Gottes-Wort, das sie verkündigen; es ist die von den Juden verfaßte Bibel, die sie übersetzen und verbreiten; es ist das von Juden überkomineue Lebensbild Jesu, das sie der Welt vor Augen malen. Ein Paulus und Petrus, ein Jakobus und Johannes, die Volker-Apostel aus Israel sind es, die auch inmitten der Christenheit noch heute ihres Zeugenamtes warten; sie gehen Hand in Hand durch die Gemeinden, sie stehen abwechselnd auf der Kanzel, sie rufen die Sünder zur Buße; ihre Segenswünsche grüßen uns bei unserem Gottesdienste, ihre Trostworte erquicken uns an unseren Gräbern, ihre.Mahnungen begleiten unseren Pilgerlauf von Jahr zu Jahr, von Sonntag zu Sonntag.-Was auch die Chaldäer und Phönizier, die Griechen und Römer an Kunst und Wissenschaft der Welt zu Nutz hervorgebracht haben — durch Israel haben wir mehr empfangen, ewige unvergängliche Güter des Heils und der Seligkeit, darum sind wir ihm auch zu größerem Dank verpflichtet. —-Unsere Gesammtstellung zu den Juden muß — in theoretischer und praktischer Hinsicht - einer Revision unterzogen werden.-Beim Jugendunterricht muß die Kirche ihre Stellung zu den Juden nach diesem Grundsatz einer Prüfung unterziehen. Es ist Thatsache, daß die Abneigung gegen Israel in unserer Zeit vielfach aus der Schule und ans dem Konfirmandenunterricht stammt. Es kommt ja viel darauf an, wie wir die Geschichte Israels lehren; die Jugend ergreift stets Partei: je nachdem was sie hört, liebt sie entweder ein Volk oder sie haßt es, und diese ersten Eindrücke bleiben oft für's Leben. Lehret das alte Testament und leget beständig den Finger auf die Abtrünnigkeit und den Ungehorsam Israels, sowie auf die Drohungen und Gerichte Gottes — andere Empfindungen werdet ihr gegen dies Volk erwecken, als wenn ihr vielmehr hervvrhebt, wie sich Gottes Gnade und Liebe nicht umsonst offenbart an Israel, wie sich selbst in den dunklen Zeiten stets ein „heiliger Same" (Jes. 6, 13) erhalten, ein Elias mit 7000 „übriggebliebenen" Gottesanbetern in den Tagen des Ahab u. s. w. Und wenn Du zur Geschichte des Neuen Bundes kommst — wieviel