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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1889-02-01 · Heft 2 (1.2.1889) · p. Seite 34

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
9 (1889)
Issue
Heft 2 (1.2.1889)
Date
1889-02-01
Page
Seite 34 (sequence 10)
Language
German
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34 alten Synagogen unterscheide, zeigte sich schon bei dem Anblicke seiner inneren Ausstattung. In dem für die weiblichen Besucherinnen des Gotteshauses bestimmten Naunie befanden sich von Säulenwerk getrageneGallerieen, die einen freienBlick in das Innere desselben gewahrten; an Stelle der beweglichen Pulte (Ständer,) die regellos hin und her geschoben wurden und manche unfreundliche Collision zwischen den benachbarten Inhabern von Synagogenplätzen hervorriefen, traten feste Sitzreihen. Die mittlere Emporbühne, die sonst als die Zierde der Synagogen angesehen wurde, aber die Hälfte der Beter in den Hintergrund stellte, fehlte, und der Platz für den Vorbeter befand sich nicht in einer Vertiefung, sondern auf einer breiten erhöhten Estrade vor der Bundeslade. Auch die Haltung der Beter im Gotteshause war einer bestimmten Ordnung unterworfen, der sich jeder wohl oder übel »anbeguemen mußte. Währenddem in den Synagogen noch überall das wüste Durcheinander des Schreiens und Schaukelns die obligatorische Begleitung des Gebetskultns bildete und die Andacht oft durch lautes Geplauder, durch Spässe, die in den Gesichtern lachende Mienen hervorriefen, rpid durch gegenseitiges Zuwiuken der Bekannten, das mit lebhaften hin- und herweisenden Handbewegungen verbunden war, gestört wurde, ja mitten im Gebete nicht selten Zänkereien entstanden, bei denen die häßlichsten Schimpfworte durch die geweihten Räume der Synagoge klangen, wurde in dem Wiener Tempel eine Ordnung eingeführt, die dem Beter kaum mehr als das leise Mitsprechen der vom Kantor vorgetragenen Gebete gestattete und dem, der nur im Geringsten Ruhe und Anstand verletzte, eine oft nicht sehr sanfte Verwarnung eines „Kommissäls" zuzog. Neu war aber in diesem Tempel besonders die deutsche Predigt, die schon an sich dadurch, daß sie religiöse Belehrung in gewühlter Sprache darbot, die Gebildeten ansprechen mußte, aber eine um so hervorragendere Stellung im Gottesdienste des Tempels gewann, als der durch sein ganzes Wesen und seinen Bildungsgang zum Kanzelredner gleichsam prädestinirte Mannheimer sie von vornherein zur Höhe der Meisterschaft erhob. Auch in anderen großstädtischen Gemeinden wie Prag, Pest u. a. gelangten gleichartige reformatorische Bestrebungen auf dem Gebiete des synagogale» Kultus zum Durchbruch und es machte sich, da dabei von jeder Propaganda abgesehen wurde, gegen dieselben auch kein erheblicher Widerspruch geltend, nur daß inPest, wo in dem Reformtempelauch in der Liturgie einschneidende Äenderungen vorgenommen und neben dem Sabbatgottesdienst auch ein feierlicher Soimtagsgottesdienst eingeführt wurde, ein Zwiespalt entstand, der auch die Behörden vielfach beschäftigte und schließlich zur zwangsweisen Aufhebung der Reformgenossenschaft führte. DieKnttnsreformen im „Tempel" der jüdischen Kultusgemeinde in Wien fanden anfangs in den übrigen Gemeinden Oesterreichs, in denen das Bedürfnis nach solchen nur von Einzelnen empfunden wurde, mir wenig Nachahmung. Es ist begreiflich, daß die Rabbinen der alten Schule denselben, so wenig sich auch gegen deren Einführung eiuwenden ließ, nicht geneigt waren, glaubte doch selbst der sonst tolerante mährische Landesrabbiner Nehemias Trebitsch (1838—1842 in Nikolsbnrg) der, während der ihm befreundete Presburger Rabbiner Moses Sofer alle deutsche Bildung verpönte, nichts dagegen einznwenden hatte, daß seine Talmndschüler auch Kenntnisse auf anderen Wissensgebieten sich aneigneten, es seinem Amte schuldig zu sein, die Anstellung von Rabbinern, denen von ihren Gemeinden die Abhaltung deutscher Predigten zur Pflicht gemacht wurde, mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln Hintertreiben zu müssen! Indes die Zeit war bereits eine andere geworden. Die jiingeren Rabbinen, auch diejenigen, die in ihren Lehrjahren nur dem Tal-

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