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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1889-02-01 · Heft 2 (1.2.1889) · p. Seite 33

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
9 (1889)
Issue
Heft 2 (1.2.1889)
Date
1889-02-01
Page
Seite 33 (sequence 9)
Language
German
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33 Aie Iilden in Österreich. ii. In dem Bildungszustande der Inden Oesterreichs, namentlich der cisleithanischenLänder, hatte sich schon am Anfänge unseres Jahrhunderts ein günstiger Umschwung vorbereitet. Die von der Mendelssohn'schen Schule ausgegangenen Anregungen hatten besonders in den jüdischen Gemeinden Mährens, in denen der finstere Zelotismus dem aufstrebenden Wissenstriebe gegenüber sich ohnmächtig erwies, fruchtbaren Boden gefunden. Das Talmudstudium wurde eifrig gepflegt, dabei hatten sich aber die Uebersetzungen und Kommentare zur Bibel, die von den Jüngern Mendelssohn's derselben beigegeben wurden, so eingebürgert, daß sie zum Gegenstände des religiösen Jugendunterrichts wurden; Gewandtheit im Hebräischen Stil und allgemeine weltliche Bildung wurden in allen Kreisen geschätzt. Auch in Galizien, wo noch heute — besonders in den kleineren Städten — die modernen Kulturbestrebungen auf einen fast unbesiegbaren Widerstand stoßen, war in einem allerdings sehr engen Kreise ein von einem idealen Schwünge getragener Bildungseifer erwacht, der dadurch, daß er auf das Heftigste bekämpft wurde, nur zu festeren Erstarkung gelangte. Von dort, der klassischen Heimat der alten Talmudgelehrsamkeit, ging auch die Regeneration der jüdischen Wissenschaft aus. S. L. Rapoport sendete seine bahnbrechenden historischen Arbeiten in die Welt hinaus, die, wenn auch deren Bedeutung in den jüdischen Kreisen Oesterreichs nicht genügend erkannt wurde, doch manchen die Augen öffneten und das Studium der jüdischen Litteratur in die rechten Bahnen lenkten. Zu Reformen auf dem Gebiete des Kultus hätte aber selbst die bessere wissenschaftliche Einsicht nicht unmittelbar geführt, wenn nicht auch durch die Zeitverhältnisse solche geboten worden wären. Unter den Rabbinen war Aron Chorin, dessen gründliche talmudische Gelehrsamkeit philosophisch durchleuchtet war, der einzige, der der religiösen Reform das Wort sprach und die Berechtigung derselben ans der überlieferten Lehre herleitete, in den Gemeinden war man indes »och weit davon entfernt, derartigen Vorschlägen irgendwie Gehör zu geben. Praktische Bedeutung erlangte die Reformfrage, die in Deutschland bereits populär geworden war, in Oestereich zunächst nur in Wien, wo im Jahre 1826 ein großes Gemeindebethaus (der Tempel) errichtet wurde. Die hergebrachte Art des öffentlichen Gebetskultus, bei der selbst den primitivsten Gesetzen der Ordnung und des Geschmackes keinerlei Rechnung getragen wurde, regelloser Singsang ungeschulter Vorbeter einen die Lachmuskeln reizenden Ohrenkitzel hervorrief und die ohnehin nur selten gebotene religiöse Belehrung in verzerrenden Mißdeutungen von Schriftstellen und rabbiichchen Haggadas, die in dem Gewände des häßlichen Jargons, in welchem sie vorgetragen wurden, noch grotesker erschienen, bestand, konnte natürlich in dem neuen Bethause, dessen Besucher den gebildeten Stünden angehörten, unmöglich beibehalten werden. Daß hierin gründlicher Wandel geschaffen werden mußte, verstand sich von selbst. Zum Glück gewann die Gemeinde in dem damals noch jungen I. N. Mannheimer, den sie als Prediger für das neue Gotteshaus berief, den Mann, der dem Gottesdienste, ohne seine wesentlichen Grundlagen zu ändern, eine dem Zeitgeschmäcke zusagende Form und überhaupt den durch die neuen Verhältnisse gebotenen Institutionen die zeitgemäße Einrichtung zu verleihen wußte. Daß das neue Gotteshaus sich in manchen Stücken von den

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