Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 9 (1889)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1889)
- Date
- 1889-02-01
- Page
- Seite 31 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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31 müssen sich in kleinen unscheinbaren Stellungen bewähren, nicht immer nach Kapellmeisterstellungen ausschauen, sondern takthaltende, ins Allgemeine ausgehende Orchestermitglieder sein." Die Verfolgungen der Juden in Rumänien hatten bereits 1867 Auerbachs Teilnahme erregt. Er erklärte sich bereit, mit Montetiore nach Bukarest zu reisen. Es kam nicht zu Staude. 1868 „bei der Erneuerung dieser Greuel" schrieb er einen „dringenden Brief" an den ihm bekannten Fürsten, einen gebornen Prinzen von Hohenzollern. Er erhielt von dessen Vater, dem ehemaligen Ministerpräsidenten „einen ebenso innigen als ergreifenden und wirkungsvollen Brief." Mit der wohlmeinenden Glut des Dichters veröffentlichte er diesen Brief in der neuen freien Presse in der Hoffnung: „die Wirkung wird mächtig sein." Der gedruckte Brief machte großes Aufsehen, aber schon fielen — schreibt er — „die offiziellen Zeitungen über meine Person her, besonders die norddeutschen." Auch den Freunden in Berlin mißfiel die Veröffentlichung „und ich muß mir sagen lassen, daß ich mich in zu viele Dinge einlasse und noch härtere gehässige Vorwürfe und Andeutungen dazu. Ich bin nicht kalt und überlegt genug." Der Fürst von Hohenzollern beantwortete seinen Rechtfertigungsbrief beruhigend und edelgesinnt. Von einer Begegnung mit Johann Jacobi — November 1868 — erzählt Auerbach dessen Aussprache: „Ein entsittlichendes Contagium sei epidemisch in der Luft, es halte schwer sich davor zu bewahren. Er lasse sich von Erfolgen nicht bekehren. Was gestern schlecht und verwerflich war, wird durch Abfeuern von so und so viel Kanonen nicht heute gut und annehmbar. Er erwähnte Kant, der gesagt hat, politische Moral gebe es nicht als besondere Art, es könne einen moralischen Politiker geben, aber keine politische Moral, die Moral bleibe staatlich wie privatim sich gleich. Es war tiefbewegend, die verkörperte sittliche Begriffskonsequenz so vor sich zu sehen." (Fortsetzung folgt.) Wrof. I. H. de Koop-Scheffer üver die erste Anstedkung von Juden in Amsterdam. *) Einige Wochen, bevor das erste Schiff mit englischen Verbannten in unserem Hafen ankam, lief hier am 27. April (1593) ein anderes Fahrzeug ein, es war von London. Die Passagiere, die es mitbringt, sind noch um vieles mehr zu beklagen, als irgend ein Märtyrer. Zwei Hundert Jahre lang ward ihr Geschlecht verfolgt, gehetzt, zum Aeußersten getrieben. Zwei Hundert Jahre lang haben sie notgedrungen heucheln und ihre Kinder mit Lügen großziehen müssen, preisgegeben dem Fuchsauge des Verräthers und den Tigerklauen der Inquisition. Es sind Marannen, Christen dem Namen nach, aber nach ihrer Abkunft und innersten Ueberzeugung Juden, Abkömmlinge des Davidischen Königshauses, einstmals reich und angesehen unter den Saracenen in Spanien, aber, seitdem der Halbmond verblaßte und unterging vor dem Lichte des Kreuzes, fort und fort gepeitscht durch einen antisemitischen Sturm. Tausende *) Aus seiner am Jahrestage der Amsterdamer Universität gehaltenen Festrede „Ueber Gewissensfreiheit und Duldung als Segnungen der Reformation."