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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1889-02-01 · Heft 2 (1.2.1889) · p. Seite 30

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
9 (1889)
Issue
Heft 2 (1.2.1889)
Date
1889-02-01
Page
Seite 30 (sequence 6)
Language
German
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30 In den Jahren 1864 und 1867 erschienen Auerbachs große Romane: Auf der Höhe und das Landhaus am Rhein, von denen namentlich jener durch die gelungene Verbindung des Dorfgeschichtlichen mit der Darstellung aus den höchsten Bildungskreisen, durch die klare Durchführung Spinozistischer Weltanschauung in der Lichtgestalt der „Irma" wahrhaft „auf der Höhe" steht, während dieser für Auerbachs Menschenliebe glänzendes Zeugnis ablegt, denn er ächtet den Sklavenhandel. Aus dem Jahre 1867 sind folgende Urteile Auerbachs erwähnenswert: „Heine ist ein Phänomen, ein Dichter und Erzlump dabei." „Simson" — der Präsident des norddeutschen Reichstages, jetzt des Reichsgerichts — „hält treu zu seinen Abstammungsgenossen." Dieser Roman (das „ Landhaus am Rhein) enthält auch eine gedankenreiche Erziehergeschichte. Der Held, Hauptmann Dr. Erich Dournay, ein Hugenottensproß, spricht darin aus: „Die Hugenotten wurden, wie die Juden, zu lebendigen Bestandteilen verschiedener Völkerschaften." Als sein Gegenüber der amerikanische Millionär diesen Vergleich als Herabsetzung der Hugenotten bezeichnete, erwidert Erich: Jede um ihres Glaubenswillen in die Fremde vertriebene und zerstreute Genossenschaft ist darauf hingewiesen, über aller Nationalität immer die Einheit der Menschheit im Auge zu behalten und mit aller Kraft gegen jeden Formalismus und jede Ausschließlichkeit zu wirken. Es gibt keine allein seligmachende Religion und keine allein menschlich schön machende Nationaltität. Das Osterfest 1867 feierte Auerbach mit dem ebenso gelehrten als strenggläubigen Prof. Dr. Bernays. „Ich hatte — schreibt er — Prof. Bernays versprochen, mit ihm Seder zu halten. Wir gingen zu seiner Cousine. Alles war nach strengem Ritus mit alten goldenen Bechern bereit, und Bernays, der nicht singen kann, freute sich meines Auerbach'schen Familienerbes. Nun aber brachten mir die alten Worte und Melodien ein Stück Jugend zurück. Wir waren überaus munter im freien und fixirten Worte. Ich sprach sofort den Mah nischtanah und gar anmuthend ist es, wie die Alten die Aufmerksamkeit zu erwecken anordneten. Und so gings munter weiter, auch durch das Alberne hindurch. Bernays bemerkte: daß kein noch lebender und thätiger Volksstamm eine so weit hinausreichende geschichtliche Thatsache hat. Bernays, der Bunsen bei seiner Bibel geholfen hat, erzählte von diesem: er bewundere die Juden besonders, wenn er sie mit den Zigeunern vergleiche. Diese, ebenfalls zersprengt und ausgestoßen, bleiben die Feinde der Menschen und alles zivilen Bestandes, ständige Kulturgegner, Vagabunden und von der Polizei gezeichnet. Die Juden dagegen, kaum war ihnen das Leben eröffnet, traten sie mit voll angehäuftem Schatze der Menschenliebe und energischer Kulturarbeit ein. Tief ergriff mich die Bemerkung, daß wir Juden schon einmal in Spanien ganz frei tvaren und wieder zurückgeworfen wurden. Könnte das noch einmal so sein in der Geschichte?" „Im ungarischen Reichstage — schreibt Auerbach kurz darauf — wurde die Judenemanzipation einstimmig angenommen ohne Debatte. Das ist doch etwas, was wir nicht zu erleben glaubten, daß unser heißes und schweres Drängen so zum Einmaleins der Humanität geworden — wer will da noch je sagen, man dürfe am Sieg des reinen Gedankens zu irgend einer Zeit verzweifeln?" „Und dazu jetzt die Nachricht, daß Winterstein Handelsminister wird. Ich wiinsche eigentlich gar nicht, daß Juden so in höchste Stellen eintreten, sie

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