Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 9 (1889)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1889)
- Date
- 1889-02-01
- Page
- Seite 27 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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27 Persönlichkeiten. „Mit Gutzkow — schreibt er 1850 — läßt sich nicht meinem schönen menschlichen Verhältnis leben." Ende 1878 bei der Nachricht von Gntzkow's Tode fügt Auerbach hinzu: Zwischen uns war immer eine dünne Scheidewand. Ein Hauptgrund war, daß Gutzkow ein intimer Judenfeind war. In dieser Hinsicht war er eines jener vielleicht nur in Deutschland möglicher Phänomene, daß man kirchlich und politisch radikal frei sein und wirken kann und einen Widerspruch gegen die Juden behält. Bei Gutzkow kam noch hinzu, daß er in der ganzen Welt Kameraderie und Cliquenwesen argwohnte und ganz ähnlich wie Rich. Wagner glaubte, von den Juden nicht gefördert, ja sogar gehindert zu sein und schön 1834 zeigte sich dieser Widerwille und er blieb immer, wie er ja auch einmal offen in seiner Schrift bekannte, daß er erschrocken sei, als er gehört habe, daß Ludwig Börne Jude sei. Von Dr. Beer rühmt er (1855) „sein kernhaft echtes Wesen und seinen edlen Gemeinsinn." Mit Otto Ludwig, dem Dichter des Erbförster und der Makkabäer und mit Wilhelm Wolfsohn dem Dichter der Osternacht, hielt ihn treue Freundschaft verbunden. Jenem verschaffte er eine Pension vom König Maximilian von Bayern. Er gedenkt dabei eines talmudischen Wortes: „Wer für seinen Nächsten betet, der wird auch für sich erhört," mit dem Zusatze: „Mir fallen jetzt sehr oft jüdische Sprüche ein, vielleicht hat es den psychologischen Grund, weil ich jetzt mehr als je in die Vergangenheit hinabsteige." (1856). Von der Freimaurerei schreibt Auerbach 1858: Sie ist „das Ideal der Gesellschaft und soll es sein. Wie herrlich wäre es, wenn die Loge den Nathan, der in einigen Jahren Gemeingut der Nation wird, so drucken und verbreiten ließe, daß selbst der Aermste, mindestens jeder Dorfschullehrer, das Buch haben müßte." Im März 1853 besuchte Auerbach auf einer Reise den freisinnigen Hofprediger Schwarz in Gotha. Er schrieb von seiner Unterhaltung mit ihm: „Ueber das Verharren im Judenthum sprach er sich brav und ganz in unserem Sinne aus, daß es Aufgabe sei, das rein Menschliche als solches zu zeigen, das an keine Confessionsform gebunden ist." Ostern 1859 schied Auerbach von Dresden und zog zunächst nach Schandau, von da Ende des Jahres nach Berlin. An der Dresdener Schillerfeier — 10. November 1859 — nahm Auerbach hervorragenden Theil, indem er die erste Ansprache beim Festmahl in der Harmonie und die Festrede zur Einweihung der Schillerstraße, beide gleich wirkungsvoll, hielt. Den Oktober 1860 verlebte Auerbach in seinem Geburtsort Nordstetten. „Ich war — schreibt er — sehr vergnügt hier und als ich in der Synagoge war, und nach vielen Jahren zum Erstenmal wieder birchat geschem — das Gebet um Regen — mit den Melodien meines seligen Vaters hörte, da konnte ich mich des Weinens nicht enthalten." Auerbach zog die neue Aera nach Berlin, welche unter dem Prinzregenten, dem nachmaligen Kaiser Wilhelm verheißungsvoll für Preußen und ganz Deutschland aufging. Sein Ruhm und Ruf eröffnete ihm dort bald die höchsten Kreise. Der Ministerpräsident Fürst von Hohenzollern, das Königshaus, erwiesen sich ihm huldreich. Das erregte schon von vornherein vielfachen Neid und Grimm. Im Dezember 1860 schreibt er: „Ganz eigentümlich widerlich berührte mich ein Artikel in der hiesigen Revue, einem Organe des reitpeitschenden Jnnkerthums, das in Preußen an Schamlosigkeit alle anderen Junkerschaften übertrifft. Ich bin da: „Der Hofjude Auerbach." Man muß sich daran gewöhnen, solche Schimpfereien zu hören und kaum darauf hinzuhorchen. Nur weh thuts, 3*