Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 9 (1889)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1889)
- Date
- 1889-02-01
- Page
- Seite 26 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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26 und ferner „Schrift und Volk", indem er an Hebel und die Bibel anknüpfend, sich über die Wirksamkeit und Eindringlichkeit der volksthümlichen Dichtung ausspricht. Von der Bibel sagt er da: „An ihr arbeitete eine ganze Nation durch mannigfache Wandlungen der Geschicke. Das verleiht ihr eine Jnhaltsfülle, wie kein anderes Volk sie besitzt, und menschlich gefaßt, ihre praktische Bedeutung. Der Geist eines ganzen Volkes liegt in diesem Buche eingeschlossen. Kein Einzelner kann ein solches vom Volksgeist erzeugtes Buch Herstellen." Im November 1846 verlobte sich Auerbach in Breslau. „Ich liebe und bin geliebt" schrieb er dem Freunde. „Ich war am vergangenen Abend spät hier 'angekommen, mein erster Ausgang Samstags Morgens war in den Tempel, wo ich kurz vor der Predigt ankam. Ich las mit einem fremden Manne gemeinschaftlich den Gesang vor der Predigt und das war die erste Annäherung zu dem Mann, der mir' ein neues Leben wahrte, es war Moritz Schreiber, meine Auguste ist seine Tochter. Nach beendigter Predigt ging ich weg und auf der Straße sah ich ein Mädchen, wir sahen uns zweimal unwillkürlich nach einander um. Das war meine Auguste, die ebenfalls aus dem Gottesdienste kam." Das Eheglück war kurz, am 5. April 1848 starb seine Gattin, nachdem sie ihm einen Sohn geschenkt. „Mir ist — schrieb er — die Welt zerfallen." Im September 1848 ging Auerbach nach Wien, „um mich zu zerstreuen, zu vergessen." „Wenn mein Kind nicht wäre — schrieb er — so wäre ich auf den Wiener Barrikaden gefallen. Ich habe ein großes Stück Weltgeschichte erlebt, aber nur mitten im Sturm gehörte ich ihm, kauin in das stille Zimmer zurückgekehrt, ist die alte Trauer um mein persönliches Sein da." Den Aufenthalt in Wien hat Auerbach in seinem „Tagebuch aus Wien von Latour bis Windischgrätz" geschildert. Am 18. April 1849 verlobte er sich in Wien mit Nina Landesmann, der Schwester des Schriftstellers Hieronymus Lorm. Mit ihr verbunden zog er im Oktober 1849 nach Dresden und erfreute sich hier einer „schönen Häuslichkeit" im „Kreis gehobener Menschen." Er schrieb hier sein Drama „Andreas Hofer", dem Ende der Mer Jahre „Der Wahrspruch", 20 Jahre später einige Lustspiele wie „Das erlösende Wort" folgten. Richtig erkannte er die Begrenzung seiner Kraft für das Dramatische, indem er schrieb: „Ich muß im Drama eine meiner besten Kräfte brach liegen lassen: die psychologische Kleinmalerei." Hier in Dresden entstand der besonders in Leserkreisen wegen seiner geistvollen Blicke in die Erziehungswelt gefeierte Roman Neues Leben, dann Barfüßele, Joseph im Schnee, Edelweiß; hier schrieb er die schönen Erzählungen für den von ihm herausgegebenen trefflichen Volkskalender, wie Friedrich von Schwaben, der Brauer von Kulmbach u. s. w. Hier in Dresden gab Auerbach seine gesammelten, neu durchgesehenen Werke heraus. Er ürtheilte während dieser Revisionsarbeit sehr streng über seine Jugendschriften. „Ich habe — schrieb er 1858 — keine Freude an Dichter und Kaufmann, es ist keine Conception, keine rechte Strömung drin." Ferner:,, Spinoza und Dichter und Kaufmann schwanken zwischen Poesie und Geschichte. Erst die Dorfgeschichte machen mir wieder volle Freude. Barfüßele ist zu stark instrumentirt für diese einfache Melodie. In „Neues Leben" habe ich zu viel auf einmal gewollt. Der Predigerberuf steckt noch immer in mir, ich spreche lieber, als ich schreibe." Charakteristisch sind Auerbach's Urtheile über damals in Dresden lebende