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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1889-01-01 · Heft 1 (1.1.1889) · p. Seite 20

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
9 (1889)
Issue
Heft 1 (1.1.1889)
Date
1889-01-01
Page
Seite 20 (sequence 20)
Language
German
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20 Gelegenheit der Einweihung einer neuen Kirche weilte, unter anderen Deputationen empfangen. Der Kirchenfürst erkundigte sich, ob es nicht möglich sei, daß die beiden jüdischen Gemeinden in Preßbnrg sich einigten. Der Rabbiner erwiederte, daß die Orthodoxen, die kein Jota von den veralteten Bräuchen aufgeben wollten und die moderne Bildung verabscheuten, den Frieden zurückwiesen. Der Fürstprimas kam auch auf den Nutzen der in Hasel erscheinenden Uebersetzung des Schulchan Aruch zu spreche», worauf Herr Dr. David unter Anderem sagte, daß sowohl der Talmud als auch der Schulchan Aruch nicht in allen Punkten bindende Gesetzbücher für die Inden sind. — Herr Oberrabbiner Dr. Immanuel Loew in Szegedin soll, lvie uns berichtet wird, in seinem im Jahre 1883 in ungarischer Sprache erschienenen Buche: „Gebete für Juden", christliche Muster benutzt haben. Alles schon dagewesen. Aehnliches hat schon früher einmal sogar der orthodoxe Landrabbiner Di'. Anerbach in Darmstadl gethan. — In Mako existirt eine aus 30 Mitgliedern bestehende sogenannte „Chasidim- Gemeinde," die sich, von der Muttergemeinde separirt hat und einen Rabbiner mit großer Familie anstellte. Nun will diese „gesetzestreue" Gemeinde ihm seinen Gehalt nicht ausfolgen. Er klagte daher seine Heerde um seinen rückständigen Gehalt von 2000 fl. ein. Ist das keine Entweihung des Judentums? So geberden sich unter dem Deckmantel der Scheinheiligkeit die ung. Hyperorthodoxen! Wann wird diesem bösen Spiel ein Ende bereitet werden? — In Stampfen fand ein Synagogen- Einbruch statt. Die Thäter ließen sich von der Frauen-Galerie mit Stricken herab, leerten die Sammelbüchsen aus, erbrachen Betpnlte und schnitten die goldenen Borten von den Betmänteln ab. Auch die Thorarollen wurden ihres Schmuckes beraubt. Nach den Thätcrn wird gefahndet. — Der ung. jüd. Landeslehrerverein entsandte unter Anführung seines Präsidenten Eleäzär Szäntö eine aus 8 Mitgliedern bestehende Deputation zum neuen Kultusminister Graf Alwin Esaky, nur ihm die Huldigung der jüd. Lehrer Ungarns zu verdolmetschen. Der Minister empfing dieselbe in huldvollster Weise und versicherte, die Interessen der jüd. Lehrer, bezüglich ihrer Stabilität stets zu schützen. — In Uyirbssor wurde eine Sammlung zum Ban einer Synagoge eingeleitet. — Herr Prof. Anton Mayer, der philosophische Propaedentik am Staatsgymnasinm in Graz vorträgt, sagte zu seinen Schülern : Eine widerliche Form, die der Haß überhaupt annehmen kann, ist der Religionshaß; die aber, die er heutzutage gegen das Judentum angenommen hat, ist geradezu die widerlichste und für Jeden, der christliches Gefühl in sich trägt „die verächtlichste von allen." Solche Worte verfehlen in unserer Zeit nicht, einen tiefen Eindruck zu machen. — In Wien wurde die Verbreitung der Schrift: ,, Latin d'un monde" von Drumont behördlich verboten. - In Triest rettete ein Jude Namens Moses Ganarutto einer christlichen Frau, die einen Selbstmord begehen wollte, zweimal nacheinander mit eigener Gefahr das Leben. Zuerst riß er die Lebensmüde vom Bahnkörper weg, als der Zug heranbrauste und gleich darauf entriß er sie den Wellen des naheliegenden Meeres, in das sie sich, den Armen des Lebensretters entwindend, gestürzt hatte. — Am 2. Dezember wurden die ersten Spatenstiche zu dem Altersversorgungshause in Drohobyrz gemacht, zu bem der Großgrund- und Bergwerksbesitzer Herr Moses Gartenberg aus Anlaß des Regierungsjubiläums des Kaisers von Oesterreich 100000 fl. Oest. W. gespendet hat. — In Ueutra wurde eine israelitische Volksküche feierlich eröffnet. — Die „Politik", eine in Prag erscheinende Zeitung, hebt gelegentlich eines Berichtes über das Armenwesen der Stadt hervor, daß in letzter Zeit bei der Oberdirektion für

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