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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1889-01-01 · Heft 1 (1.1.1889) · p. Seite 18

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
9 (1889)
Issue
Heft 1 (1.1.1889)
Date
1889-01-01
Page
Seite 18 (sequence 18)
Language
German
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18 er's zu nichts, so wählt er sich eher einen anderen Berns, als daß er in kläglicher Stellung beim Theater sein Leben friste. Auch fällt mir, wie ich auch nachdenke, in meiner langjährigen Bühnenpraxis kein Chorist ein, der jüdischer Konfession gewesen wäre und mit dem Motto: „Nichtswürdig ist die Nation, die nicht ihr Alles setzt an ihre Ehre" sind alle etwas geworden. — Am 2. Nov. hielt Herr Prof. Dr. Freiherr v. Stengel in Sreslau eine Rede, in welcher er die Judenfrage behandelte. Er sagte von denen die aus „Hnmanitätsdusel" zu den Juden halten: „Ich wünsche, daß diese auch einsehen, daß es besser ist, ein stolzer Sohn Germaniens zu sein, als ein Knecht Sems". Im Verlaufe seiner Rede wandte er sich auch gegen die von Herrn I)i'. Kamberger unter dem Titel „National" veröffentlichte Schrift, was wohl, wenn auch Herrn von Stengel bei der Lektüre derselben die Galle überlief, viele veranlassen dürfte, dieselbe sich anzuschaffen und zu lesen. (Die Schrift ist in zweiter Auflage in Berlin W. bei Nosenbaum & Hart erschienen.) Aber Herr v. Stengel mag es sich gesagt sein lassen, so lange er Christ bleibt, bleibt er auch ein Knecht Sems, wenn er auch dabei ungestört ein stolzer Sohn Germaniens sein kann. — Das „Kreisblatt" von Groß-Gerau schreibt: In unserer rasch dahin lebenden Zeit werden leider die Beispiele ächter christlicher Nächstenliebe immer seltener! Es ist deshalb stets erfreulich und darf mit Genugthnung erfüllen, wenn sich ein solches wieder zeigt. Ein armer lahmer Mensch war am Amtsgericht in den Schmutz gefallen und vermochte sich nicht wieder zu erheben. Viele Vorübergehende erblickten die Hülflosigkeit des armen Menschen, sahen sich jedoch nicht veranlaßt, zu dessen Gunsten Etwas zu thnn. Ein mit seinem Wagen des Weges kommender Jsraelite aus Dornheim allein erbarmte sich des armen Menschen, hob ihn auf und brachte ihn zu seinem Wagen, um ihn mit diesem wegzuführen. Die schöne Handlungsweise des Israeliten verdient gewiß alle Anerkennung. Es heißt nicht umsonst: „Was Du thust an einem meiner Geringsten, das hast du mir gethan!" Hier könnte man ja gerade von jüdischer Nächstenliebe sprechen, aber wir meinen, daß sie weder christlich noch jüdisch, sondern menschlich sei. — Am 24. November waren es 25 Jahre, seitdem das durch Herrn Di-. Iellinek in Wien gegründete Beth-Ha-Midrasch seiner Bestimmung übergeben wurde. In demselben werden neben den ständigen streng wissenschaftlichen Vorträgen auch populär-wissenschaftliche Vorlesungen gehalten. Schon im ersten Jahre des Bestehens der Anstalt, welche auch im Besitze einer reichhaltigen Bibliothek ist, hielt in derselben auch Herr Di-, ft. Drüll Vorträge über jüdische Geschichte. — Am 17. November wurde Herr Julius Landsberger in Wien sub auspiciis imperatovis zum Doktor der Rechte promoviert. In seinem Dissertations-Vortrage bezeichnete er als die hervorragendsten Merkmale des modernen Staates die Anerkennung der Gleichheit aller Staatsbürger vor dem Gesetze. Am Schluffe der Promotion überreichte ihm der Vizepräsident der niederösterreichischen Statthalterei, Herr Hofrat Kitter v. Kutschera, den goldenen Ring mit den Kaiserlichen Initialen. — Herr Dr. Adamkieivih, Professor an der Universität in Krakau, erfand ein Instrument, vermittelst dessen man beruhigende Arzneien in das Innere des menschlichen Körpers einführen kann. — In Hoskowih wurde Herr Rabbiner Kei«h, bisher in Konyhad, als Rabbiner erwählt. — Herr Dr. Ludwig Kitter v. Gutmann in Wien hat sich mit der Baronesse Fräulein Mathilde Günsburg in St. Petersburg verlobt. Die Familie der Braut ist die angesehenste jüdische Familie in Rußland und zählt zu ihren Mitgliedern, Gönner und Pfleger der jüdischen Litteratur. — In Kudapest starb die Witwe des einstigen Ministerpräsidenten Grafen Longai,

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