Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1889-01-01 · Heft 1 (1.1.1889) · p. Seite 17

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
9 (1889)
Issue
Heft 1 (1.1.1889)
Date
1889-01-01
Page
Seite 17 (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2969669-2969768-2969770--2471-2972655
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

n — Am 24. November starb in Derlin Herr Geh. Sanitätsrat Dr. Gumbiner, eilt durch sein umfassendes Wissen und seine unermüdliche uneigennützige Pflichttreue gleich ausgezeichneter Mann. — In der Mal; soll ein jüdisches Spital und ein Waisen- und Pfründnerhaus errichtet werden. — Die statistischen Erhebungen, welche der „Deutsch-Israelitische Gemeindebund" seit einer Reihe von Jahren anstellt, haben den Notstand zu Kenntnis gebracht, daß zur Zeit aus Mangel an Mitteln in mehr als 800 kleinen Gemeinde« Deutschlands die jüdischen Kinder ohne jeden Religionsunterricht aufwachsen. Hier muß durch Sammlung von Geldspenden unter alten deutschen Glaubensgenossen Abhilfe geschaffen werden. — Währenddem der „Deutsch-Israelitische Gemeindebund" in Serlin ein Preisausschreiben über „die Wichtigkeit des jüdischen Religionsunterrichts ilnd den Schaden welcher ans der Vernachlässigung desselben erwächst" erlassen, hat der geschäftsfnhrende Ausschuß der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" eine Mezizah-Glasröhre erfunden, die von beit Herren Rabbinern Hirsch, Hildesheimer, I. E. Spector in Kowno aufs angelegentlkchste empfohlen wird. Das hierüber erlassene kulturhistorisch interessante Schriftstück ist auch dem „Jeschurun" beigegeben. — In den neuesten Kultnrbildern von Karl Emil Franzos heißt es: „der Judenhaß und alle Jndenfragen werden sterben, wenn es keine jüdische Nation mehr gibt". Hiezu bemerkt die „Israelitische Wochenschrift" : Die jüdische Nationalität war Jahrtausende hindurch die Hülle des jüdischen Gedankens, der Gedanke hat diese Hülle gesprengt und hofft die Welt zu gewinnen. Wir geben die „heiligen Erinnerungen" an die Urstätten des jüdischen Geistes nicht auf, aber so gut wie uns der Sinai heilig ist, ohne daß wir die Neigung haben in der arabischen Wüste unser Zelt aufzuschlagen, ebenso ist uns Jerusalem heilig, ohne daß wir eine Sehnsucht haben nach jenem Lande in welchem überdies schon seit langer Zeit Milch und Honig nicht mehr fließt. — Die Herren A. Marrus, Joseph, Her; und Mar Kah in Gießen erklären im „Israelit", daß Herr Df. fern nicht mehr i h r Rabbiner sei und Herr Dr. Kasch d. Z. Dekan der philosophischen Fakultät beglückwünschte denselben anläßlich seines 60 jährigen Jubiläums als Doktor der Philosophie in einer sehr anerkennenswerten Adresse, in welcher der Hoffnung Ansdruck gegeben >vird, daß der greise Rabbiner seiner „segensreichen Amtsthätigkeit noch lange erhalten bleiben möge". — Herr Prof. Jules Zeller sprach sich jüngst in der „Novelle Revue" gegen den Antiseinitismus aus. Er meint durch den Antisemitismus sei in Deutschland ein gefährliches Problem in den Vordergrund gerückt worden. Der Antisemitismus gleicht, sagt er, deni Zuge des Todes, der das frisch aufblühende nationale Leben vernichtet. Durch die Judenfrage werden die ökonomischen, sozialen, politischen und religiösen Streitigkeiten sehr verschärft. Es müsse, meint er ferner, jetzt die Geschichte der Judenverfolgungen in Deutschland in vorurteilsfreier Weise geschrieben werden. Gerade jetzt, wo in Deutschland der Antisemitismus als Vorläufer einer gewaltigen sozialen und finanziellen Konvulsion sein Medusenhaupt erhebt, gerade jetzt dürfte es sich einpfehlen, diesem Volke durch eine gründliche geschichtliche Darstellung einen Spiegel vorzustecken, damit es einsieht, wohin der Rassenhaß und der Aberglaube schließlich führen." — Der durch seine „Reutervorträge",bekannte Hofschauspieler Herr Dr. A. Iunkermann schreibt in seinen Memoiren, die in der „Württembergischen Landeszeitung" erschienen, über die Juden: Immer habe ich da die Geschicklichkeit meiner semitischen Kollegen bewundert, woran sich alle Christen ein Beispiel nehmen sollen. Einen Juden in untergeordneter Stellung kenne ich beim Theater nicht. Bringt 2

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.