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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1889-01-01 · Heft 1 (1.1.1889) · p. Seite 13

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
9 (1889)
Issue
Heft 1 (1.1.1889)
Date
1889-01-01
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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13 Reaction fand in dieser Hinsicht doch in maßgebenden politischen Kreisen einen so mächtigen Widerstand, daß eine Wiederkehr der früheren Zustände nicht zu befürchten war. Peinliches Befremden erregte es, als im Jahre 1866, währenddem die siegreichen Preußen gegen Wien vorrückten, vom Staatsministerium, an dessen Spitze Graf Belcredi stand, angeordnet wurde, daß die israelitischen Gemeinden zu Wien, Lemberg, Pest und Prag, je ein Bataillon zu sechs Compagnien auf ihre Kosten zu errichten haben. Den Juden gegenüber wurde damit ein Standpunkt eingenommen, der mit ihrer bürgerlichen Emancipation in entschiedenstem Widerspruche stand. In der That wurde auf Vorstellungen ihrer Vertreter dieser Befehl, dessen Bedeutung nach dieser Richtung hin von der Regierung nicht bedacht wurde, bald zurückgenommen. Die Umgestaltung der inneren Verhältnisse, die nach der Beendigung des österreichisch-preußischen Krieges in Angriff genommen wurde, hatte auch für die Juden heilsame Folgen. In beiden Reichshälften, in Oesterreich wie in Ungarn, wurde durch die Staatsgrundgesetze (Dezember 1867) die volle Rechtsgleichheit aller Bürger ausgesprochen. Eine Wohlthat für die Juden war auch das interkonfessionelle Gesetz (1868), das den Uebertritt vvm Katholicismus zu anderen Religionen gestattete. Viele Juden, die nur aus weltlichen Rücksichten sich hatten taufen lassen, kehrten jetzt wieder zu ihrem angestammten Glauben zurück; nicht selten waren seitdem auch die Uebertritte geborener Christen zum Jndentume (in Wien allein von 1868 dis 1887 über 1500 Personen.) Das Keil kommt von den Inden. Aus einer Rede des Herrn Cr Wagner, Pastor der deutschen evang. Gemeinde in Sydenham, gehalten in der Friedenskirche zu Barmen. Ein recht zeitgemäßes Wort ist es „Das Heil kommt von den Juden", das wir aus dem Munde des Herrn vernehmen, zeitgemäß daruin schon, weil es dem Geiste der Zeit so scharf entgegentritt. „Das Heil kommt von den Juden" sagt Christus. Und in unseren Tagen — was verlautet da? Jetzt heißt es: Das Unheil — alles Unheil kommt von den Juden. Hören und lesen wir's nicht so fast täglich? — aber ernste Christen hüten sich wohl, in das wüste Geschrei einzustimmen: an allem Uebel sind die bösen Juden schuld! Sie wissen, es gibt auch eine Menge christliche Wucherer, christliche Spötter, christliche Volksverführer; und sie beherzigen das Wort der Propheten: „Ein jeder niurre wider seine Sünde" (Klagelieder 3, 39). -Müssen wir nicht die Christenheit anklagen, daß sie gerade dem Volk Israel gegenüber sich schwer versündigt hat? Hat man nicht die Juden Jahrhunderte lang in unchristlicher Weise gehaßt, verfolgt, verbannt, getötet? Erhob Luther nicht mit vollem Rechte „wider die Päpste, Bischöfe, Mönche und die ganze Kirche des Mittelalters" die Anklage: „sie haben mit den Juden gehandelt, als wären es Hunde, nicht Menschen"? Ach, daß man das Jesuswort vergaß: Das Heil kommt von den Inden! Darum erfüllt sie nunmehr: Woran man sündigt, damit wird man gestraft. Denn Gott läßt sich nicht spotten. An Israel hatten sich die eutchristlichten Christenvölker versündigt zwiefültig, darum ward Israel ihnen zum Gericht und zur Gottesgeißel. Dies erkenne auch du,

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