Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 9 (1889)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1889)
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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14 mein deutsches Volk, schlag' an deine Brust, greif' in den eigene» Busen und bekenne : die Sunde — nicht die der Inden, sondern in eine Sünde ist mein Verderben. (Spr. 14, 34.) „Das Heil kommt von den Juden." Was der Heiland ausspricht, ist unleugbare Thatsache. Dreifach wird sie bestätigt durch die Geschichte des Volkes Israel. Schon von der vorchristlichen Zeit gilt es „das Heil kommt von den Juden." Den Beweis dafür hat kein Geringerer als der Apostel Paulus erbracht. Röm. 3 wirft er die Frage auf: „Was haben denn die Juden für Vorteils?" Seine Antwort lautet: „Fürwahr sehr viel; zum ersten: „ihnen ist anvertranet, was Gott geredet hat." Und Kap. 9 fügt er ergänzend hinzu: „Denen von Israel gehört die Kindschaft und die Herrlichkeit und der Bund und das Gesetz und der Gottesdienst und die -Verheißung." Da haben wir eine vollgültige Auslegung unseres Texteswortes; das wollte der Prophet ans Nazareth jener Samariterin zunächst vor Augen führen, als er ihr zurief: das Heil kommt von den Juden. Nicht den Aegyptern oder Chaldäern, auch nicht den Griechen oder Römern — nein! „den Inden ward vertrauet, was Gott geredet hat": die Juden empfingen die ganze Offenbarungs-„Herrlichkeit" Jehovas, des lebendigen Gottes, von den Tagen Abrahams an bis auf Maleachi. Die Juden waren das erwählte Volk der „Kindschaft" (Hos. 11, 1. Jerein. 31, 20). Väter der Juden waren die Patriarchen, mit denen Gott einen „Bund" machte, daß sie sollten zum Segen werden für alle Geschlechter der Erde. Ein Jude war Moses, der Knecht Gottes, der Mittler des Alten Testaments, der da „empfing das lebendige Wort uns zu geben" (Apostg. 7, 38). Ja, meine Lieben, „das Gesetz" von Sinai war auch eine heilsame Gabe, ein Erweis der Liebe Gottes gegen Israel. Hat sich nicht an den Heidenvölkern, die Gott ihre eigenen Wege gehen ließ, das Wort erfüllt: „Da sie sich für weise hielten, sind sie zu Narren geworden" (Röm. 1, 22)? Und noch jetzt sind bei uns Christen die heiligen zehn Gebote Gottes als die Gnmdlage aller Sittenlehre im Haus und in der Schule, im Staate und in der Kirche hochgehalten. —-„Siehe," so konnte darum der Prophet über Israel ausrufen: „Finsternis bedecket das Erdreich und Dunkel die Völker; aber über dir gehet auf der Herr, und Seine Herrlichkeit erscheinet über dir" (Jes. 60, 2). Männer aus Israel waren all „die heiligen Menschen Gottes, die geredet haben, getrieben vom heiligen Geist" (2. Petri 1, 21), deren Schriften uns bis auf diese Stunde als „von Gott eingegeben, nütze sind zur Lehre, zur Strafe, zur Erziehung in der Gerechtigkeit" (2. Tim, 3,'6). Fürwahr, meine Lieben, ist nicht die ganze heilige Schrift Alten Testaments eine herrliche, heilsame Gottesgabe? Gedenket — um eines herauszugreifen — der Psalmen. Mit Recht sagte Lord Byron von ihnen: „Sie sind hoch wie der Himmel und tiefer als der Ozean." Welche Höhe der Gotteserkenntnis, welche Tiefe der Selbsterkenntnis findet sich darin! Die edelsten Dichter der Griechen, die größten Philosophen des ganzen heidnischen Altertums — wie weit stehen sie in diesen Stücken hinter den Psalmisten Israels zurück! Wahrlich, wenn es irgendwo in alter Zeit „Anbeter Gottes im Geist und in der Wahrheit" (Joh. 4, 23) gegeben hat, so war es in Israel. Ja, liebe Freunde, halten auch wir das fest: Bon den Juden kam der Heiland — das ist wiederum geschichtliche Thatsache; sie bleibt zurecht bestehen, ob sie euch gefällt oder nicht. Von den Juden kam der Heiland —