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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1889-01-01 · Heft 1 (1.1.1889) · p. Seite 8

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
9 (1889)
Issue
Heft 1 (1.1.1889)
Date
1889-01-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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8 neueste Litteratur." (1886), mehr und bedeutungsvoller noch durch die beiden Lebensbilder aus dem Ghetto: „Spinoza," (1837) und „Dichter und Kaufmann" (1840) in denen er, dort den großen Denker, hier den unbedeutenden Epigrammendichter Ephraim Kuh, zum Mittelpunkt gestaltenreicher Schilderungen aus dem Leben der Juden machte. „Ich will doch auch einmal zeigen, — schreibt Auerbach 8 Mai 1837 von seinem Spinoza — wie ein jüdischer Roman geschrieben sein muß " „Unter den traurigsten äußeren und inneren Verhältnissen — bekennt er, 29. Oktober 1837 — ist dies Buch entstanden, ich habe mich an ihm aufgerichtet und fühle jetzt, Gottlob, eine Heiterkeit, die mir alle die Neckereien des Lebens nichtig erscheinen und mich freudig der Zukunft in's Antlitz schauen läßt. Was war mir mein Spinoza, was ist er mir! Wie es Klopstock zu Mute war, als er seine Messiade schrieb, so tvar es mir; so göttlich erhaben steht dieser heilige Prophet über mir, daß ich oft mit Beben die Feder führte, weil ich fürchtete, ihn zu menschlich zu zeichnen, und doch mußte ich mich wieder ganz in die idyllische Innerlichkeit seines Lebens versenken." Auerbach schrieb den Spinoza in schwerer äußerer Bedränguiß. „Du kannst es kaum erfassen — bemerkte er seinem Freunde — welche Seligkeit ich bei der Abfassung dieses Buches genoß, und doch fehlte mir oft, ja meist, der nervus rerum. Wochenlang habe ich oft keinen Heller in der Tasche. Von Familien- und persönlichen Verhältnissen belastet, zog ich mich in meine Arbeit zurück und vergaß Alles. Dieser Spinoza ist mein litterarisches va banque und doch wünschte ich ihn nur noch einmal ganz überarbeiten zu können. Der Druckerjunge saß mir leider wieder schrecklich auf dem Hals." Das Leben Kuh's in „Dichter und Kaufmann" bildete, — so schrieb Auerbach — den Kern, an den er alle jüdischen Zeiterscheinungen anreihen wollte. Und in der That ist darin Moses Mendelssohn und dessen Einwirkung auf seine Zeit- und Glaubensgenossen ebenso anschaulich geschildert, als das Treiben der jüdischen Schnorrer in der Fechtschule zu Breslau lebensfrisch und mit liebevollem Humor behandelt ist. Hierdurch werden einzelne Kapitel in Dichter und Kaufmann ihren dauernden Werth als Mnsterstücke dichterischer Gestaltung aus dem jüdischen Volks- und Geistesleben des vorigen Jahrhunderts für immer behalten. Gleichzeitig plante Auerbach Moses Mendelsohn's Werke in einem Bande herauszugebeu und dazu eine ausführliche Biographie zu schreiben. „Es gewährt mir — so schrieb er — die höchste Freude, meinen Namen in das Postament der zwei größten Juden — Spinoza und Mendelssohn — eiugraben zu dürfen." Nun, er hat sich ihnen würdig zur Seite gestellt. „Dichter und Kaufmann" enthält, — so vertraut Auerbach dem Freunde — was er innerlich und auch das Meiste dessen, was er äußerlich verlebt. „Wir müssen zuerst hundertmal absterben, ehe wir absterben. Das hatte ich auch in meinem „Dichter und Kanfmann" darzustellen versucht. Es ist mir gräßlich, wenn mir die Leute sagen, der Held wäre ein Schlemiel. Das eben ist das Traurigste, wenn man die Resultatlosigkeit für Schlemieligkeit hält. Manchen reizbaren Gemüthern brennt der Judenlappen auf dem Herzen so tief ins Herz, daß sie auch das Lebensglück, das ihnen vergönnt wäre, nicht genießen können. Ich kann hier nicht sagen, mit welcher inneren Schöpferfreude ich dies Buch geschrieben. Oft, wenn sich mein' einsames Innere mit Gestalten stillte, und Gestalten, wie Veilchen und Philippinen sich in mir und vor mir

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