Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 9 (1889)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1889)
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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7 ein Narrenspiel! Da thun sie alles, um Einen stolz zu machen und wenn man's nachher wäre, thäten sie nichts als schimpfen." Ebenso offen, wie richtig bemerkt Auerbach im November 1865 von sich: „Mich macht ein freundlicher Zuruf der Menschen in meinem Wirken glücklich und hinterdrein sagen mir die Menschen, die mich in's Gesicht hinein lobten, hinterrücks nach, ich sei eitel. Ich wollte, ich hätte das Talent zum Stolze, allein ich weiß, ich werde das Selbstvcrgnügen, das zum Stolze gehört, nie bekommen." Berthold, ursprünglich Baruch Auerbach, ist „in einer lustigen Purimnacht," am 28. Febr. 1812 zu Nordstetten in Württemberg geboren. In ihm waren, — so kennzeichnete er sich selbst, wenige Monate vor seinem Tode, (20. Sept. 1881)—die Hauptstücke von der verschiedenartigen Natur seinerGroßväter: „Der leichtlebige lustige Musikant von mütterlicher, und der ernst vornehme grüblerische Rabbi von väterlicher Seite, seltsam gemischt." Nach Vollendung seines dreizehnten Lebensjahres ging er nach Hechingen in's Lehrhaus (Jesehiwa), um jüdische Theologie zu studiren. Zwei Jahre später setzte er dies Vorhaben in Kalsruhe fort, bis er auf das Gymnasium in Stuttgart kam. Von dort schrieb er (29. Juni 1830): Unlängst las ich Einiges von Spinoza und fand in seiner Biographie, daß er auch früher Baruch geheißen und seinen Namen in Benedict latinisirt habe. Diese Eitelkeit des großen Denkers sprach mich an und sogleich wurde der Berthold ausgezogen und der Benedict angezogen. Ich weiß nicht, was ich anfangen soll. Ich heiße nun Moses Baruch Berthold Benedict Auerbach und man hat doch wirklich genug zu thun, wenn man einen ehrlichen Namen erhalten will und ich soll so viele erhalten?" Schon in dieser Gymnasialzeit gab Auerbach das Talmud-Studium auf. „Der jüdische Koran, Talmud genannt — schrieb er den 6. Oktober 1831 — ist nicht wert, daß im 19. Jahrhundert ein talentvoller Jüngling sich lediglich mit ihm beschäftigt, — ein Buch, in dem die erhabenste Moral neben dem gemeinsten Sophisma steht." Die rabbinische Casuistik widerstrebte, so bemerkt Jakob Auerbach, Bertholds ganzem Wesen, er ist nie in sie eingedrungen, um so tiefer hafteten aber die einzelnen Worte des lieblichen Grundtextes und der ganze Geist der Bibel, sowie die Weisheits- und Sittensprüche, die er aus seinem theologischen Studium und unmittelbar aus dem jüdischen Leben in sich aufgenommen hatte." Wie richtig das ist, davon geben viele seiner schönsten Dichtungen Zeugniß, die uns mit der Lieblichkeit altbiblischer Gestaltungen und Darstellungen anmuten. In seinen Barfüßele z. B. finden wir uns lebhaft an Rebecka und Ruth erinnert. Im Sommer 1833 studirte er in München. Als Mitglied der Burschenschaft gerieth er in Untersuchung. Er ging nach Heidelberg und schrieb dort sein erstes Buch: Geschichte Friedrichs des Großen, unter dem aus Versetzung der Buchstaben seines Namens gebildeten Pseudonym Theobald Chauber. „Wegen der veralteten und doch nicht antiquirten Demagogengeschichte" — so schrieb er Ende 1835 — ließ man ihn nicht zum Examen zu, und mußte er zwei Monate auf dem Hohenasperg, dem^dardagAsboa", wie er sich biblisch ausdrückte, „für die alte Sünde" büßen. „Ich werde also kein württembergischer Rabbiner werden." Er wurde Mitarbeiter an der „Europa" von Ewald und betheiligte sich an der Emanzipationsbewegung durch die Schrift: „Das Judentum und die