Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1889-01-01 · Heft 1 (1.1.1889) · p. Seite 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
9 (1889)
Issue
Heft 1 (1.1.1889)
Date
1889-01-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2969669-2969768-2969770--2460-2972644
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

6 Leben aus. Was sterblich an ihm war, ruht, wie er es liebevoll gewünscht — neben dem Grabe seiner Eltern auf dem kleinen jüdischen Friedhof seines Geburtsortes Nordstetten, mitten im Schwarzwald, dem durch ihn dem deutschen -Volk, ja der gebildeten Welt so tief in's Herz geprägten Schwarzwald. Was er Unsterbliches geschaffen, das lebt und wird leben — nicht blos in den Herbarien der Litteraturgeschichte, nein, in dem immer griinen Wald der deutschen Volksdichtung. Schon jetzt ist der Name Berthold Auerbach zu finden in den Schul- und Lehrbüchern der deutschen Jugend, schon jetzt sind seine lieblichsten Gestalten — sein Sorte, sein Barfüßele — zu Typen geworden, die sich dem Volksgeist einprägten, weil sie die Volksseele ansprägten, gleich den herrlichsten Jdealgebilden unserer größten Dichter. Hier in Dresden hat Berthold Auerbach ein Jahrzehnt seiner besten Lebens- und Schaffenszeit gewohnt, hier seine köstlichen Dichtungen geschrieben, hier an der Belebung und Veredelung des künstlerischen Lebens hervorragend Teil genommen. Freilich, der „Baum vor meinem Fenster," das damalige Gegenüber seiner einstigen Dresdener Wohnung an der Ecke der Lindenstraße, der schöne Baum, dessen Entfaltung er so sinnig geschildert, ist längst gefällt und spurlos verschwunden. Ebenso ist auch jede äußerliche Erinnerung an Berthold Auerbach's Aufenthalt in Dresden heutzutage verwischt, kein Denkmal, selbst kein Straßenname — in dem jetzt mit derartigen Merkmalen so reich ausgestatteten Dresden — feiert Berthold Auerbach. Seine Zeitgenossen haben bis jetzt an diese Ehrenschuld nicht gedacht. Jndeß er hat in seinen Schriften sich Denkmale errichtet, dauernder denn Erz, sein Name glänzt strahlend unter den ersten Dichtern und Denkern. So sei es denn vergönnt, das Lebenbild des Dichters, zumeist an der Hand seiner eigenen Aufzeichnungen, niedergelegt in Briefen, die er seit 1830 bis zum Tode seinem Freunde unb Vetter, dem 77 Jahre alten, am 31. Oktober 1887 verstorbenen Dr. Jakob Auerbach in Frankfurt a. M. schrieb — und die in der That seine Selbstbiographie enthalten — nach der Richtung hin zu entrollen, die eine kennzeichnende seines Lebens — und seines Todes war, als Jude. Schon am 22. Januar 1839 schrieb er dem Freunde: „Ich schreibe Dir auch aus egoistischen Gründen, denn in künftigen alten Tagen will ich hier ein Erinnerungsmal meines Lebens wiederfinden." Der Freund verwahrte die Briefe gewissenhaft. Ihm aber war es leider nicht vergönnt, sich in „alten Tagen" der „Erinnerungsmale seines Lebens" zu erfreuen, an ihrer Hand seine Lebensgeschichte, wie er oft gewünscht hat, zu schreiben. Spielhagen, ihr Herausgeber, leitet die Briefe mit folgenden Worten ein: „Wahrheit und Schönheit, Freiheit und Vaterland, sie waren die Ideale seines Lebens, denen er auch mit feinem Hauche untreu geworden ist, trotz der Verdüsterungen, denen hochstrebende Seelen, wie die seine am Wenigsten entgehen, trotz der Zweifel, die in des Tages Wirrsal, in dem scheinbar nutzlosen Kampf mit der den Menschen angewohnten Gemeinheit auch beit Mutigsten ja zuweilen beschleichen mögen; trotz auch der naiven Freude, die er an seinen großen Erfolgen zu haben schien und die ihm von solchen, welche ihn nicht kannten, oft so übel ausgelegt wurde." Was Spielhagen hier andeutet, läßt Berthold Auerbach selbst seine Walpurga (auf der Höhe S. 395) offen aussprechen: „Was ist die Welt für

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.