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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1889-01-01 · Heft 1 (1.1.1889) · p. Seite 4

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
9 (1889)
Issue
Heft 1 (1.1.1889)
Date
1889-01-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 thätigkeit beteiligt ist, ist es etwas Selbstverständliches, daß nur diejenigen urteilen und entscheiden, die sich davon irgend welche Kenntnis verschafft haben; betreffs des Judentums ist das heutzutage völlig überflüssig geworden. Da ist jeder ein Sachverständiger, wenn es ihm nur beliebt, dafür gelten zu wollen, und wenn er sich selber auch gar nicht dafür halten wollte, er richtet, er urteilt, er entscheidet, er schaltet und waltet mit dem Judentum nach freiestem Ermessen oder auch ohne irgend ein Erwägen und Ermessen mit der bequemsten Gedankenlosigkeit, denn das ist ja sein Recht, das man mit allen Gesetzen der Welt ihm nicht streitig zu machen vermag. Es ist in der That auch gar nicht im Geiste des Judentums, das eine Volksreligion im wahrsten und weitesten Sinne des Wortes ist, jemandem das Recht seiner freien Ansicht zu versagen und abzusprechen; bei der Armseligkeit, bei der unser israelitisches Religionsleben angelangt ist, hätten wir sogar noch alle Ursache, es mit Freude aufzunehmen, daß sich noch Leute finden, die mit dem Judentume etwas zu schaffen haben wollen. Aber die jenes Recht für sich in Anspruch nehmen, die vergessen ganz davon, daß man als Jude auch die unerläßliche Pflicht hat, in unserer Lehre zu sinnen und zu forschen, sich Kenntnis derselben zu verschaffen und wenn man sie selbst nicht besitzt, auf das Urteil der Kundigen zu hören und danach seine Meinung zu fassen und sein Urteil zu fällen. Und was unsere Freude betrifft, die würden wir uns recht gerne gönnen dürfen, wenn nur bei der weithin herrschenden Unkenntnis und Teilnahmslosigkeit nicht jeder Uebelwollende und Unberufene sich's auf dem Boden des Judentums so recht bequem machen könnte, um da nur sein kleines Ich, das sonst nicht zur Geltung gelangen könnte, in den Vordergrund zu drängen, und das heilige Erbe Israels nicht wie ein herrenloses Gut daläge, das allen möglichen Freibeutern preisgegeben ist. Unsere Religion ist ein Schatz, der wohl gehütet werden will, gehütet vor Entweihung und Verfälschung. Wir brauchen treue Wächter, die uns unsere heiligsten Lebensgüter schützen und erhalten und wahrlich! das Volk verliert nichts von seiner Freiheit und vergibt nichts von seinem Rechte, wenn in Fragen des Judentums vor allem anderen das Urteil der Kundigen vernommen und beachtet und nur darnach die Entscheidung getroffen wird, die für die Gestaltung unseres Religionslebens maßgebend ist. Durch den Mangel der rechten Aufsicht und Leitung, der lichten Erkenntnis und Geistesschau wird nur die Entartung großgezogen und der wüsten Zerfahrenheit Thür und Thor geöffnet. Die geistige Wohlfahrt kann nur da gedeihen, wo die Gotteslehre, der Stamm des höheren Geisteslebens inmitten des Volkes sicheren Schutz und wachsame Pflege findet. Mehr als je gilt daher für uns der alte Mahnruf: du sollst dir Richter und Aufseher bestellen, Männer, die an der Pforte der Religion Wache zu halten wissen, daß sie nicht jedein unberufenen Eindringling preisgegeben sei, und so weit Israels Stammesgeilosseuschaft reicht, soll auch das Göttliche, diese Segensgabe, die uns zum Erbbesitz geworden, geehrt und treu gehütet werden. Und wer sind diese Männer, die als Richter und Führer uns vorangeheu,' Zucht und Ordnung erhalten sollen auf dem Gebiete des Judentums? Wiederum sei hier darauf hingewiesen, daß wir von solchen nichts weiter zu verlangen haben als guten Willen und ehrliche Gesinnung, Redlichkeit in Thun und Wollen und Ernst in Deilken und Streben. Männer brauchen wir, die nicht bloß richten und entscheiden, sondern auch nach Gerechtigkeit richten und nach Maßgabe der Wahrheit entscheiden wollen. Die Willkühr, die schon, wenn sie iin Volke selbst vorherrscht, von großem Uebel ist, wird noch viel gefährlicher, wenn auch seine Führer sich von ihr leiten lassen. An ihnen muß die Gerechtigkeit, auch wenn

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