Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1888)
- Date
- 1888-12-01
- Page
- Seite 285 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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285 das hindern, aber das Gericht entschied, daß jeder das Recht habe, an seiner Thüre klopfen zu lassen. Es wird also in Boskowitz noch weiter geklopft. — Die israelitische Gemeinde in Budapest geht mit dem Gedanken um, ein jüdisches Gymnasium zu gründen. Herr Dr. Ikllineb in Wien schreibt hierüber: Daß die konfessionelle Trennung dem Geiste der Zeit widerspricht und die wichtigsten Interessen der Juden schädigt, Kraucht nicht erst des Weiteren auseinandergesetzt zu werden. Wir werden doch schon häufig genug ausgeschlossen und abgeschlossen; schließen wir uns nicht selbst aus und ab von unseren nichtjüdischen Mitbürgern! — Herr Prof. Julius Gppert in Paris, der im vergangenen Jahre die französische Regierung auf dem literarischen Kongreß zu Madrid vertrat, hat jetzt wieder den ehrenvollen Auftrag erhalten, dieselbe auch auf dem diesjährigen gleichartigen Kongreß in Venedig zu vertreten. — Herr Daniel Weist in Paris ist zum Vize-Präsidenten der ethnographischen Gesellschaft gewählt worden. — Am 15. November sind zwanzig Jahre verstrichen, seitdem Herr Baron James Rothschild in Paris gestorben. Sein Hotel in der nie Lafitte wird in ein Rothschild-Museum umgewandelt. — Kardinal Lavigerie stellte die Behauptung auf, daß zwei Dritteile der Sklavenhändler in Mittelafrika, Marocco und Süd-Aegypten Inden seien. Herr Großrabbiner Zadoc Kahn aus Paris widerlegte diese Behauptung und wies nach, daß fast alle Sklavenhändler Araber oder römisch-katholische Christen seien. — Die Wohlthäterin Coralie Cahcn in Paris, Ritterin der Ehrenlegion, wurde von der „Association des dames franijaises“ zur Ehrenpräsidentin ernannt. Der „Univers", ein streng katholisches Blatt, schreibt: „Coralie Cahen gehört unzweifelhaft zn den edelsten Frauengestalten unserer Zeit und wenn sie auch nicht Katholikin ist, müssen wir doch anerkennen, daß sie die höchsten Pflichten der Charitas in bewunderungswerter Weise erfüllt hat. — In Uhia wurde eine Straße „Pontremoli" genannt, nach einem Rabbiner gleichen Namens, der daselbst im Jahre 1851 gestorben. — Im Haag verstarb Herr George Selinsante, der Präsident der portugiesischen Gemeinde daselbst. Er zählte zu den hervorragendsten Rechtsgelehrten Hollands. — Im Seebad Blanlrmberghe fand in diesem Jahre zum ersten Male israelitischer Gottesdienst an den hohen Feiertagen statt. --In Ramsgate starb Herr Ä. M. Lcvi, einer der Mitbegründer und Hauptredakteure der „The Daily Telegraph“, geboren in London 1812. — Am 4. September starb in London Herr Jacob Meyers im Alter von 103 Jahren. — In Liverpool wurde am 5. August eine Synagoge eingeweiht. — Am 8. Oktober feierte Herr Oberrabbiner Professor A. A. Wolff, Ritter von Dannebrog, in Kopenhagen sein sechzigjähriges Jubiläum als Oberrabbiner daselbst, aus welchem Anlasse ihm viele Zeugnisse der Liebe und Hochachtung zu teil wurden. Vor drei Jahren feierte er das sechzigjährige allgemeine Rabbinerjubiläum. Herr Prof. Wolff befindet sich im 88. Lebensjahre. Er erfreut sich einer seltenen geistigen Jugendfrische; auch körperlich kann man ihm die Last eines solchen hohen Dienstalters nicht anmerken. Welche Bedeutung sein Wirken für das dänische Judentum hat, kann durch wenige Worte nicht gekennzeichnet werden. Im Lande ist sie allgemein gekannt und anerkannt. Auch der Hof hat dieser Anerkennung wiederholt Ausdruck gegeben durch Verleihung von Orden und Zuschriften. Solche Anerkennungs-Dankschreiben erhielt Herr Prof. Wolff erst im letzten Frühjahr wieder für seine Rede zum 70. Geburtstage des Königs Christian. — In Stockholm ist Herr Ingenieur Eduard Lrmlrel, bisheriger Direktor der weltbekannten Maschinenfabrik „Atlas", zum Mitglied der ersten Kammer gewählt worden. Herr Frenkel (geb. zu Gothenburg) ist der erste Jude in Schweden, dem eine