Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1888)
- Date
- 1888-12-01
- Page
- Seite 284 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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284 „Esther" wurde als erstes Stück darin gegeben. Verdeutsche Kaiser sagte zu Herrn v. Sonnenthal, der ihm bei Gelegenheit der Besichtigung des neuen Burgtheaters vorgestellt wurde: Es freut mich den Mann zu sehen, dessen Name so ruhmvoll klingt durch alle Welt. — Der Statthalter Herr Aaron possinger sprach sich im österreichischen Landtage über den Antisemitismus also aus „ein Gebühren, welches in solcher Weise mit der Wahrheit und den Regeln der Vernunft ans dem Kriegsfüße steht, muß früher oder später eine vollständige Niederlage erleiden". — Hans Kudlich hielt in Zagcriidcuf eine Rede, in welcher er sich über die Judenfrage also äußert: „Sie beschäftigen sich mit der Lösung des sozialen Problems und glauben alle Leiden und Sünden kurieren zu können dadurch, daß man die Juden opfert. Allein ich glaube, nach einer solchen unnützen Opferung werden noch immer menschliche Dummheit, Faulheit und Liederlichkeit zurückbleiben, und wenn die nicht geopfert werden, wird auch niemals der Reichtum in alle Hütten und Häuser eiuziehe». Die Bewegung die dazu da ist, das so mühselig geeinte Deutschtum wieder auseinander zu reißen, Verbitterung, Gehässigkeit, Gemeinheit uud Beschmutzung in die Bevölkerung zu tragen, das ist kein Deutschtum mehr, das ist That eines Judas Jschariot. — Am'17. Okt. besuchte König Milan von Serbien den nenerbauten türkisch-jüdischen Tempel in Wie». Zu seinem Sohne, dem Kronprinzen Alexander, sagte er „Siehst du, mein Kind, ich habe dich deshalb mit hierher gebracht, damit du lernen sollst, wie man alle Konfessionen gleich behandeln und allen gleich gewogen sein soll." — Dem „Reichsherold", dem Organ pöckel's, wurde für Oesterreich das Postdebit entzogen. — Trotz seiner in mehreren Schriften niedergelegten christlichen Ueberzeugung steht Herr Lichtenstei» noch immer in seinem Amte als Bezirksrabbiner von Tapio-Zzele, jedoch alle Versuche, ihn zur Taufe zu bringen, mißlingen. In einem Briefe vom 11. Mai schreibt er „Man kann die Wurzel nicht auf die Zweige pfropfen. Das Judentum soll durch das Christentum nicht aufgelöst werden, noch in demselben nntergehen, sondern es soll sich erneuern und dort ein neues Leben in der Auferstehung Jesu Christi schöpfen." — In Wie» traten am 5. Oktober drei Katholikinnen zum Jndentume über. — Die Witwe nach dem jüngst verstorbenen Herrn Philipp Keuch in Prag hat 100000 fl. ö. W. wohlthätigen Zwecken zugewendet- — Am 21. Oktober hielt der Centralverein zur Pflege jüdischer Angelegenheiten in Prag eine Generalversammlung ab Der Verein zählt gegenwärtig 1900 Mitglieder. — Es ist uns zugegangen: Siebenundzwanzigster Jahresbericht des Vereins zur Unterstützung mittelloser israelitischer Studierender in Wie». Die Ausgaben betrugen im abgelaufenen Jahre fl. 4316.47. Der Verein mußte aus Mangel an Mitteln 140 Gesuche zurückweisen, nur 301 fanden Berücksichtigung. Möge der Verein in der Wiener israelitischen Kultusgemeinde, die durch ihren Wohlthätigkeitssinu bekannt ist, mehr Beachtung und Teilnahme finden, bemt was wir den Männern des Geistes zu ihrem Fortkommen thun, kommt uns in tausendfachem Segen heim durch Hebung der Intelligenz im Volke, die uns jetzt mehr denn je not thut! Hoffen wir, daß die Zahl der Mitglieder nicht auf dem geringen Stande von 120 in einer so großen Gemeinde bleiben werde. — Der bekannte Arabien-Reisende Herr Eduard Glaser ist von seiner dritten Reise in Asien in Wien angelangt. Er brachte viele Pflanzen und Bäume mit und großes Karten- und Jiischriftenmaterial. Es sind dabei an 1000 sabäische Texte, darunter mehrere mit hunderten uud einer mit mehr als 1200 Wörtern. — In Dosiwwih wurde das „Schulklopfen" abgeschafft. 'Die Orthodoxen stellten aus eigenen Mitteln einen Schulklopfer an. Der Vorstand wollte L