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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1888-12-01 · Heft 12 (1.12.1888) · p. Seite 271

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 12 (1.12.1888)
Date
1888-12-01
Page
Seite 271 (sequence 7)
Language
German
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271 ihrem Flusse. Die Mutter wendet sich kalt an ihn und meint: „Du hast das Mädchen gerade bei der schönsten Wundermähr unterbrochen." Eine Verfolgung der Deutschen und der Juden kündigt sich in dem böhmischen Städtchen an. Jonathan nimmt seinen Mut zusanimen. Er steht zu seinen Brüdern. Bella ist aufgeregt, „Niemals aufhören zu dulden," ruft sie im Unmute. „Leiden jeden Tag, jede Nacht, die lange, lange Zeit. Leiden und gekennzeichnet einhergehen. Ich will aber nicht gekennzeichnet sein." Auch hier bietet uns der Novellist keine Lösung. Abermals nimmt die Trennung ihre Stelle ein. Der große Teiler das Geschick, der Tod, bricht den Knoten. Der tragische Zug inuß der Erzählung Ausführung und Vollendung geben. Dieses bildet allerdings die Grundlage eines dramatischen Vorwurfs, ist aber weit entfernt, in die Fragen der Zeit eiuzngreifen und eine angebahnte Versöhnung anzudeuten. Den Sturm, der in der Neujahresnacht den Brand in das Haus des Fabrikanten schleuderte, der Schreck, welcher der verschlossenen Lippe feines Kindes das Wort und die Rede gab, hatte Bella auf das Krankenlager geworfen. Sie sollte es nicht verlassen.') Die meisten der andern Versuche, welche Kompert macht, um die großen Fragen der Zeit einer Lösung entgegenzuführen, sind nicht glücklicher. In dem Lossagen von jedem konfessionellen Bekenntnisse, um in die Not-Civilehe zu treten, wie sie die Heimat Komperts kennt, findet weder der Zwiespalt in der Gesellschaft einigende Ueberbrückung noch wird das tiefinnere, religiöse Gefühl vor Verblassung gewahrt. Ebensowenig wird das Ghetto und die Dorfgasse, das Talmudstudium und das Erntelied vereint und verschlungen, wenn der eine Sohn jenes jüdischen Bauers das Gut mit dem Pfluge bewirtet, während der zweite fleißig in dem Gebet- und Heiligenbuch des katholischen Bauernknechtes liest.s) Allein, wenn Kompert für die einzelnen Fragen der Zeit, für die Neigung und Einigung der einander bekämpfenden Strömungen keine Lösung ansetzt, so liegt diese doch in den Stoffen angedeutet, die er bespricht und behandelt. Die historische Wandlung, die geschichtliche Umbildung, der Geist der Zeit und der Wissenschaft streift alle Verhältnisse des Daseins. Das Düsternis des Mittelalters trat vor dem Sonneublicke einer geläuterten Bildung und Weltanschauung zurück. Mit den Pforten der eng umschlossenen Gasse sank auch die Beschränkung in dem Verkehre, in dem Lebensberufe, in dem Walten und Schaffen thatkräftiger Männer. Neue Erscheinungen kamen auch auf dem Markte und in dem Verkehre zum Ausdrucke. Der Keim, welcher sich in dem tiefen Boden entfaltet, durchbricht in seinem Wachstum Gestein und Felsen. So mußten auch in dem neuen Zuge der Geschichte alle bürgerlichen und geselligen Verhältnisse der Menschen in ihren Formen eine Verschiebung und Wandlung erleiden. Auch das religiöse Stammesleben, so heilig es ist, konnte in seiner äußeren Umrahmung hiervon nicht unberührt bleiben. Sind etwa die Einrichtungen der Gotteshäuser unserer Zeit — ich spreche von jenen, die keines der alten Gebete und dichterischen Zusätze fallen lassen, dieselben, welche Kompert zeichnet und bei deren Beschreibung wir staunend das Hanpt schütteln? Ist die Lehrweise in den kleinen und großen Lehranstalten bei uns, auch in den Kreisen, welche ihre Liebe zu dem Hergebrachten mit besonderer Bezeichnung hervorheben, dieselbe, welche den jungen Bruder Dr. Pragers ») Zwischen Ruinen. K. g. Sch. VI. S. 23 ff. *) Das. S. 452. 3) Am Pfluge. K. g. Sch. III. S. 175.

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