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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1888-12-01 · Heft 12 (1.12.1888) · p. Seite 270

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 12 (1.12.1888)
Date
1888-12-01
Page
Seite 270 (sequence 6)
Language
German
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270 Jahrhunderte schufen und ausbildeten, mit der freien Bewegung und dem Bürgertume, in welches die Juden traten, soll seine Ausgleichung finden. Da müßte an den Darsteller die große Anforderung gestellt werden, das tiefe Geheimnis der Seele, die Verschlingung und Wandlung der Begriffe zu erkunden, einen Umschwung des Gefühls- und Gedaukenlebens sich vollziehen zu lassen, und eine neue Saat der Zeiten reifen zu sehen. Allerdings ist bei Kompert der Zwiespalt im Hause Rüben Schönmans trefflich dargestellt. In einem vornehm ausgestatteten Hause lebt dieser inmitten der Gasse. Er gehört aber nicht zu ihr, er bleibt den Interessen der Gemeinde fern. In keiner Ader seines Lebens steht er mit derselben in Verbindung. Dieses Alleinstehen schien ihn in seiner Meinung zu erheben. Seine Kinder wurden in einer Art erzogen, als wohnten sie fern von diesen Menschen in einem Schlosse, das niitten in einem öden Walde liegt. Rosalie ist eine stille, demütige ^rau, die sich willenlos dem Einflüsse ihres Mannes hingibt. Allein sie hatte in dem Hause ihrer Eltern eine ganz andere Erziehung genossen. Als nun Eugen ihr Sohn, das dreizehnte Lebensjahr erreicht hatte und trotz aller Absperrung erfuhr, daß es religiöse Pflichten gebe, da dringt das zarte Weib mit innigen Bitten in den glaubenslosen Vater. Schönmann ahnt die Thränen, welche seine Gattin im Stillen weint. Er gibt nach. Eugen wird vorbereitet. Er lernt die fremden Laute und Zeichen und tritt an einem Sabbat zum ersten Male in die Synagoge. Er wird beschämt, da er bei dem öffentlichen Hervortreten und dem Sprechen der Segensworte stockt. Ein hitziges Fieber erfaßt den zarten Knaben. Vor feinem Hinschieden durchblitzt ihn die Kenntnis von der tiefen Kluft, die sich aufthut zwischen der Seele der Mutter und dem Herzen des Vaters. So stirbt er. In dieser Erzählung ist der Streit in den Gemüt mit kundiger Hand dargestellt. Der Wiedersprnch in den Seelen, die das Haus stützen, harrt der Lösung . - . Kompert findet keine. Er läßt uns die Geschichte einer Trennung lesen. Schönmann zerfällt noch mehr mit der Gemeinde und mit dem Judentum. Er verläßt es. Seine Frau verkauft Hans und Hof und zieht sich in ein stilles Stübchen einer Vorstadtwohnung zurück. Dort will sie ihre Tochter Klara religiös erziehen. Zu spät. Das Mädchen schließt sich ihrem Vater an, der eines Tages die Seinen aufsucht. Die Mutter sinkt zurück. „Ich kann nicht, ich darf nicht," flüstert Rosalia, als sie aus der Ohnmacht zum Leben erwacht. Den Werken der Milde, der aufopferungsvollen Menschenliebe weiht sie fortab ihr Dasein. x) In Zeiten, die uns näher liegen, führt uns Konipert in das Wohnhaus des jüdischen Fabriksherrn. Jonathan Falk ist ein Mann, der das Andenken seiner Ahnen ehrt und den Geist des Judentums faßt, wie er sich in den geweihten Bräuchen ausspricht. Seine junge Gemahlin Bella aber sagt spöttisch beim Eintritte in das Haus: „Bei uns kennt man derartige altmodische Dinge nicht mehr." Sie lassen die Feste kalt, die Sabbate ohne Gottgedanken. Das katholische Mädchen, welches das stumme Kind des Hauses pflegt, erzählt dem lauschenden Knaben, wie ein heiliges Bild in einer Dorfkirche Gebrechen heilt und Wunder wirkt, und verspricht, mit ihm dahin zu pilgern. Die Eltern hören diese Worte und gewahren, wie der Knabe sich so bewegt zeigt und verständnisinnig lächelt. Der Vater wird unruhig und stört die Rede des Mädchens in ') Die Seelenfcingerin. K. g. Sch. V. 64 sf.

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