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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1888-12-01 · Heft 12 (1.12.1888) · p. Seite 267

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 12 (1.12.1888)
Date
1888-12-01
Page
Seite 267 (sequence 3)
Language
German
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267 die Sehnsucht nach der verlorenen Tochter, was er glaubte, daß nie ein Mensch ihm je entlockte, dies bewirkte das Kind mit seinem Gebete." *) Wird man einst die Geschichte des Einflusses der religiösen Gebräuche auf das Stanimesleben Israels in Angriff nehmen, so wird man auf Kompert zurückweisen können, der bezeichnende Striche hinwirft, um Sitte und Gemütsstimmung in ihrer Verbindung zu erklären und zu erläutern. Er weist nach, welche Hemmnisse die Freudigkeit in der düstern Gasse findet,2) und wie sich der heitere Mut doch Bahn bricht und wie der Jubel des Festes hell und laut erklinget, im Herzen der jüdischen Jugend. Er führt uns zu den lärmenden Knaben, wie sie die Mutter umringen, wie sie sich emporranken in verschiedenen Stellungen, und liebkosend und scherzend, feinlistig und hätschelnd, die Erlaubnis erschmeicheln, zum Spiele eilen zu dürfen.2) „Schön ist es," läßt Kompert einen seiner Helden schreiben, „wenn am Abende des Neujahrestages der Hausvater über eine Frucht, als den Ertrag des Bodens, den Segen spricht. Schön ist das Wochenfest, wenn sich die Synagoge zur Ehre der zehn Gebote mit dem Schmucke der Wiesen und Gärten ziert. Namentlich ihr holden Laubhüttentage gefallet mir. Der Geist meiner Kindheit wandelt in euch wie in einem Paradiese. Ich bleibe bei dir, schönes Fest. Welch ein fröhliches Getümmel! Bauern bringen Laubwerk und Reisig aus den Wäldern gefahren, das ist ein Drängen um den Wälderschmuck! Besonders gefallen mir die Kinder. Die gehören auch ganz eigentlich dazu. Mit dem Laubwerke auf dem Kopfe oder unter dem Arme rennen die Knaben und Mädchen durch die Gasse. Die alte«, hohen Häuser scheinen jung zu werden und zu lachen. Die Laubhütten werden aufgeschlagen. Kinder bringen den lange vorher bereiteten Schatz von vergoldeten Aepfeln, Nüssen und Papierkörben und schmücken die Wände. Nun wird das Laub gelegt. Zwischen durch leuchten und funkeln Sterne aus Gold und glänzen die farbigen Lämpchen. Dann kommt der Vater und die Mutter und beschauen das Werk der Kinder, die stolze, funkelnde Pracht am Laubwerke und an den Wänden. Jetzt sind die Hütten fertig. Du kannst einziehen, Geist des Festes. — Zum Laubhüttenfeste gehört auch der Palmzweig und der orientalische Eßrog-Apfel. Bei dem großen Hosiana in der Synagoge wird Palmzweig und Eßrogfrucht unter mystischen Bewegungen auf- und niedergesenkt. Das ist ein Rauschen und ein Aufeinanderschlagen der Blätter, als wäre es mitten im Walde. Dazu die königlich brausenden Worte Zions. Der ganze Orient spricht, duftet und rauscht um mt§."4) Den ernsten, verständnisvollen Blick eines Historikers zeigt Kompert, wenn er den Einfluß darstellt, den die Gesetze, welche in früherer Zeit besonders für die Juden erlassen wurden, auf ihr inneres Gemütsleben, auf ihr Haus und ihre Gasse übten. Die wundersamen Beschränkungen des Mittelalters machten nicht nur den Kreis des Schaffens so enge für den Bekenner des alten Glaubens, sie trafen auch das Gefühl und schufen der Seele tausend Leiden. Wie erzitterten bei jedem Wechsel der Vorschrift, bei jeder neuen Verordnung die tiefsten, die zartesten Seiten des Herzens. Die oberbehördliche Bewilligung wird der jüdischen Ehe versagt und die Zurücksetzung, welche der reinsten Sittlichkeit eine Schmach anheften will, führt das wackere Weib zu den Stufen des Thrones. ') Jahrzeit. K. ges. Sch. V. S. 4 f. s. *) Gottes Annehmerin. K. g. Sch. V. S. 116. 8) Ohne Bewilligung. K. g. Sch. I. S. 241. 4) Die Kinder des Randars. K. g. Sch. I. S. 207. °) Ohne Bewilligung. K. g. Sch. I. S. 235. 23*

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