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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1888-11-01 · Heft 11 (1.11.1888) · p. Seite 262

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 11 (1.11.1888)
Date
1888-11-01
Page
Seite 262 (sequence 22)
Language
German
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262 Bau der christlichen Kirche erhebt." — Der Reichsraths-Abgeordnete Dr. Kathrein hielt am 26. August eine Wählerversammlung in Toblach ab, in welcher er auch auf die antisemitische Bewegung zu sprechen kam und die Haltung der Tiroler klerikalen Partei zu derselben mit nachstehenden Worten kennzeichnete: „Man hat von einer Seite wiederholt den Versuch gemacht, in unsere Thäler den Antisemitismus einzuschmuggeln und insbesondere die bäuerliche Bevölkerung in diese unfruchtbare und unmoralische, weil vom Rassenhaß geleitete Bewegung hineinzuziehen. Es zeugt von dem gesunden Sinn unseres nach streng katholischen Grundsätzen erzogenen Volkes, daßessich gegen diese Agitation völlig ablehnend verhält." — Die Herren Direktoren der Budapester „Ungarischen Landes-, Handels- und Kredit-Genossenschaft" Heinrich Geber und Desider Horvath, welche in die Statuten als ersten Punkt aufnahmen, daß Juden keine Mitglieder dieser Genossenschaft werden dürfen, wurden wegen schwindelhafter Geschäftsgebahrung in Haft genommen. — Am 16. September starb in Montmorenry der Großrabbiner von Frankreich, Herr Lapire Isidor. geboren am 14. Juli 1813 in Lirheim. Er wurde im Jahre 1836 aus dem Rabbinerseminar in Weh, wo er theologischen Studien oblag, entlassen. Im Jahre 1837 wurde er zum Rabbiner von Phalsbourg ernannt. In den Vierziger-Jahren erregte fein energisches Auftreten gegen das Vorgehen gewisser Elsässer Gerichte, welche die Juden zur Ablegung des Gerichtseides more judaico verhalten wollten, großes Aufsehen. Isidor verweigerte nämlich als Rabbiner von Phalsbourg die Herausgabe der Schlüssel der Synagoge, in welcher der rituelle Judeneid abgelegt zu werden pflegte. Die Angelegenheit gelangte vor den Kassationshof, welcher bei dieser Gelegenheit den Eid more judaico,' als den Staatsgrundgesetzen zuwiderlaufend, für abgeschafft erklärte. Er kam bei diesem Anlässe mit Cremieux in Berührung, der seine Sache vertrat und der in seiner Eigenschaft als hervorragendes Mitglied des Konsistoriums in Paris Isidors Berufung als Prediger nach der Synagoge Notre Dame de Na/areth bewirkte. Im Jahre 1847 zum Großrabbiner von Paris befördert, 1859 mit dem Kreuze der Ehrenlegion dekoriert, wurde er kurz vor dem Ende des Kaiserreichs von Napoleon III., der ihm sehr gewogen war, in den Senat berufen. Im Jahre 1878 verlieh ihm der Marschall Präsident Mac Mahon das Offizierkreuz der Ehrenlegion. Seit 1866 war der Verstorbene Großrabbiner von Frankreich. Ein gutes Herz, ein wvhlthätiger Sinn und ein toleranter Geist zierten den Heimgegangenen,, der auch als Kanzelredner sehr geschätzt war. Sein am 19. September stattgefundenes Leichenbegängnis gab Zeugnis von der Liebe und Verehrung, deren er sich in allen Kreisen erfreute. An 30 Rabbinen, mit dem Großrabbiner Zadoc Kahn an der Spitze, folgten dem Sarge. In dem Tempel in der rue de la Yictoire, die kaum die mit Einlaßkarten Versehenen fassen konnte, hielt der zu seinem Nachfolger ausersehene Großrabbiner Herr Zadoc Kahn eine ergreifende Rede, in welcher er des Heimgegangenen Liebe zu seinem Glauben, zu seinem Lande und zur Menschheit schilderte. Hierauf sprach Herr Rabbiner Mayer. Bon dort bewegte sich der Leichenzug nach dem kere Dachaise, woselbst Herr Baron Alfons von Rothschild im Namen des Konsistoriums dem Hingeschiedenen Worte ehrenden Nachrufes widmete. Es sprachen ferner noch der Leiter des Rabbinerseminars, Herr Trenel, einige auswärtige Rabbinen und Vertreter der Allianz isr. univ., dessen Seele und Säule der Heimgegangene gewesen. Auch wir werden dem liebenswürdigen Menschen und Freunde, dem wir einige Mal persönlich näher getreten, ein ehrendes Andenken stets bewahren.

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