Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 8 (1888)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1888)
- Date
- 1888-11-01
- Page
- Seite 263 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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263 Hleftrale und Witteitungen. Es liegen uns vor „Drei gottesdienstliche Vorträge über das achte Gebot „Lau Signauw", als Predigten für den Neujahrs- und Versöhnungstag, gehalten im Tempel zu Groh-Ka»is;n vom fei. Oberrabbiner Hirsch B Rassel, herausgegeben von seinem Sohne Jigmund Kassel. (Wien 1888. Im Verlag des Herausgebers, II. Rembrandstraße 32.) Diese Probe, die einen Vorläufer von noch 120 Predigten bildet, welche in einer zu veranstaltenden Gesamtausgabe in vier Bänden erscheinen sollen, zeigt uns den sel. gelehrten Fasse! (gest. 1884) als einen gewandten Redner, der aus der Fülle des Wissens schöpft und durch die Klarheit der Darstellung wie durch das innere Durchdrungensein von dem Gesprochenen auch in dem gedrucktem Wort noch auf den Leser mächtig einwirkt. Er spricht sich Seite 23 über den Evangelisten aus, der dem Satze Hillels „Was du nicht willst, das dir geschehe, füge auch deinem Nächsten nicht zu", eine positive Fassung gegeben, indem er den Satz aufstellte „Was du willst, das man dir thue, das thue auch deinem Nächsten". Wie?, ruft er aus, gesetzt den Fall, ein Mensch wäre des Lebens überdrüssig und wünschte, daß ihn jemand umbrächte. Ein solcher könnte einen andern Menschen töten. Mit diesem Grundsätze ließe sich auch der Mord rechtfertigen. Er spricht sich Seite 26 gegen Lehrer und Führer des Volkes ans, die einen Diebstahl an der Gemeinde, an dem Volke begehen durch ihre Heuchelei, hart nimmt er Seite 31 die Scheinheiligen mit, die die Menschen mehr fürchten als Gott, die als Fromme gelten wollen in den Augen der Menschen, deren Frömmigkeit bloßes Körperwerk, deren Gebet Lippenwerk. Der von kindlicher Pietät erfüllte Herausgeber, der in der Dedication schreibt „In deiiren Predigten sind unzählige Edelsteine zerstreut, Perlen, geistige Diamanten, die, um desto glänzender zu leuchten nur manchmal eines kleinen Schliffes benötigen", mag sich der Arbeit des Steinschleiiens unterziehen und wir wünschen, daß die gesamten Werke Fassels in neuer Ausgabe*) Absatz finden und in einen großen Leserkreis dringen mögen. Von den Predigten läßt sich das nach der gegebenen Probe als sicher hinstellen. „Volkstümliche Geschichte der Juden in drei Bänden von Dr. H. Grnh, Professor an der Universität Breslau. I. Band. Von der Entstehung des jüdischen Volkes bis zur zweiten Zerstörung Jerusalems unter Kaiser Vespasian. Mit 1 Stahlstich: Moses nach Michael Angelo. (Leipzig, Oscar Leiner, 716 S.)" Es ist ein großer Unterschied, ob Jemand, der es unternimmt die jüdische Geschichte fürs Volk zu bearbeiten, die Forschungen der Geschichtsschreiber benutzt oder ob derselbe selbst Geschichtsforscher ist. Das zeigt sich so recht an vorliegendem Buche, durch welches alle früheren populären Darstellungen der jüdischen Geschichte in den Hintergrund treten müssen. Herr Prof. Graetz hat, weil sein elfbändiges Geschichtswerk für gebildete Laien zu weitläufig angelegt ist, mit Erfolg sich die dankenswerte Mühe gegeben, einer ihm gewordenen Aufforderung folgend, die jüdische Geschichte in einer für dieselben sich eignenden Form zu bearbeiten. Es war dies gerade für einen Forscher von dem Schlage des Herrn Professor Graetz keine leichte Aufgabe, da er nicht einen Auszug aus seinem Werke gegeben, sondern uns eine neue dem Zweck entsprechende Bearbeitung *) Siche die Beilage, die wir der Beachtung unsrer Leser empfehlen.